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Fragwürdige Medienberichte in Israel - nur in Israel?
02.08.2004


http://www.palsolidarity.org/reports/writings/26Jul04_14_58_08TulkaremPat.htm

Übersetzung: Ellen Rohlfs






Nach Haaretz-online hieß es am Sonntagabend: "6 bewaffnete Palästinenser wurden von einer Undercover-Grenzpolizeitruppe in der Westbank-Stadt Tulkarem am Sonntag getötet. Nach militärischen Quellen heißt es, die sechs seien Mitglieder von Fatahs militärischem Flügel, den Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden, gewesen, die auf dem Weg waren, einen Terrorakt zu begehen... ein Schußwechsel folgte, in dem die sechs getötet wurden, einschließlich von zwei lokalen Führern der Gruppe."

Die Beschreibung in Haaretz hat wenig Ähnlichkeit mit dem, was vor Ort geschehen ist. Sechs Palästinenser wurden 100 Meter von der Wohnung, in der sich zu diesem Zeitpunkt drei ISM-Leute aufhielten, ermordet. Nur zwei der ermordeten Palästinenser waren Mitglieder der Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden. Nach verläßlichen Quellen in Tulkarem waren die anderen vier einfach unschuldige Passanten. Der Haaretz-Bericht , der auf israelischen Militärquellen beruht, verdreht die Wirklichkeit, indem er alle Opfer als Mitglieder des bewaffneten Widerstands bezeichnet und suggeriert, daß die Palästinenser das Feuer eröffnet hätten und im Begriff waren einen "Terrorakt" zu begehen. Er versäumt zu bemerken, daß vier der Getöteten palästinensische Zivilisten waren und daß es wenigstens drei Verwundete gab und daß medizinischem Personal der Weg zu ihnen verweigert wurde.

Dieser Bericht in Haaretz, wahrscheinlich die angesehenste israelische Zeitung, bietet den Israelis und der Welt eine ungenaue Beschreibung einer israelischen Militäraktion in den besetzten Gebieten und wie die Palästinenser die israelische Besatzung erfahren, dar. Der Haaretz-Bericht macht sich mitschuldig, indem er das brutale militärische Töten von vier unschuldigen palästinensischen Zivilisten vertuscht. Hunderte von jährlich gedruckten Geschichten dieser Art, in denen jeder getötete Palästinenser ein "Militanter" war, der auf dem Weg war, einen "Terrorakt zu begehen" geben eine völlig andere Realität von dem wieder , was täglich vor Ort geschieht. Diese Art von einseitigen Berichten entmenschlichen die Palästinenser und vertuschen die israelischen militärischen Verbrechen mehr als daß sie das Verständnis und das Wissen der Leser vermehren.

1. "Sechs Mitglieder der Al-Aqsa-Brigaden"? Von den sechs Ermordeten waren nur zwei Mitglieder der Brigaden: Hani Awaida (27) und Mahdi Tambouz (25) waren bekannte Führer der Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden in Tulkarem, die das israelische Militär schon viele Male zu töten oder zu fangen versucht hatte. Z.B. vor drei Wochen besuchten ISM-Freiwillige einen Friseurladen, kurz nachdem sechs Palästinenser (einschließlich drei Barbieren) von israelischen Soldaten festgenommen worden waren. Nur wenige Minuten vorher hatte Mahdi den Laden verlassen. Alle sagten, daß die Soldaten an diesem Tag nach Mahdi suchten.

Sayed Abu Qumra (24) und Ahmed Barouk (26), beide getötet, waren Zivilisten, die zufällig in der Nähe waren und Freunde besuchten. Sie hatten keine Verbindung zum bewaffneten Widerstand.

Abderrahim Hassan Shahid (34) wurde auch getötet. Er war ein Vertreter der palästinensischen Sicherheitsdienste, der auf dem Weg zur nahen Polizeistation war. Er war - wie berichtet worden - mit seinem Mobiltelephon in Kontakt mit seinen Kollegen und sagte, daß da irgendwas los sei - plötzlich war die Verbindung tot. Der 18-jährige Mohammed Shanti war unser nächster Nachbar. Er hatte vor kurzem sein Abitur mit Erfolg bestanden. Er hatte keine Verbindung zum palästinensischen Widerstand.

2. "Es folgte ein Schußwechsel"? Aus 100 Meter Entfernung hörten die ISM -Leute die ganze Schießerei. Es gab eine lange Schußsalve, eine kurze Salve und Minuten später noch eine mittellange Salve. Es gab kein Geräusch vom Schießen aus palästinensischen Waffen. Zeugen bestätigten, daß es kein Schießen von palästinensischer Seite gab und daß die sechs sofort erschossen wurden und zwar aus ziemlicher Nähe von israelischen Spezialkräften, die mit einem Wagen mit palästinensischem Nummernschild kamen. Sie hatten gar keine Zeit zu reagieren.

3. "Sechs bewaffnete Palästinenser"? Zwei von ihnen mögen bewaffnet gewesen sein, obwohl die Zeugen keine Waffen gesehen haben. Palästinensische Quellen vermuten, daß es möglich war, daß zu dieser Zeit Mahdi und Hani bewaffnet waren, da sie häufig bewaffnet waren. Wenn sie Waffen gehabt haben, müßte die israelische Armee sie ihnen weggenommen haben, denn es waren neben den Leichen keine Waffen zu finden, nachdem sich die Soldaten zurückgezogen hatten. Der Sicherheitsagent Abderrahim Shahid war unbewaffnet, wie auch die anderen drei Zivilisten.

4. "Auf ihrem Weg, um einen Terrorakt auszuführen?" Awaida und Tambouz standen am Straßenrand und aßen etwas, als sie ermordet wurden. Die israelische Armee hatte in den letzten Monaten vielfach versucht, die beiden, die dem palästinensischen bewaffneten Widerstand angehörten, zu töten. Es gibt keinen Grund anzunehmen, daß sie in dem Moment, in dem sie getötet wurden, dabei waren, einen Angriff auszuführen. Es geschah in dem Augenblick, als den Soldaten - wieder einmal - ein Hinweis von einem Kollaborateur gegeben worden war.

Wichtige Punkte sind im Haaretz-Artikel vergessen worden.

Zusätzlich zur fehlenden Bemerkung, daß von den sechs Ermordeten vier unschuldige Zivilisten waren, berichtete Haaretz nicht über folgende Punkte:

5. Die israelischen Soldaten verweigerten den palästinensischen Sanitätern für 20-30 Minuten den Zugang zu dem Bereich, in dem die Angeschossenen lagen. Wenigstens 15 Minuten lang standen drei ISMler mit leuchtend orangefarbener Weste in Sichtweite der Soldaten und ungefähr 70 Meter entfernt vom 18-jährigen Mohammed Shanti, der auf der Straße liegend starb. Die ISMler schrien, daß er medizinische Hilfe benötigte. Die Antwort eines israelischen Soldaten war, daß er mit einem Lasersichtgewehr auf die Brust eines ISMlers zielte.

6. Drei andere Zivilisten wurden vom israelischen wahllosen Herumschießen verwundet. Dem 10-jährigen Mohsen Naim wurde ins Bein geschossen. Dem 60-jährigen Khalil Zeidan wurde in den Rücken geschossen, während er auf der Straße saß, und dem 19-jährigen Hashim Jarrad wurde ins Handgelenk geschossen, während er im Barbierladen seines Onkels in Deckung zu gehen versuchte.

Ich fürchte, wir werden nicht den Mut haben, unseren Nachbar zu erzählen, daß Haaretz der Welt berichtete, daß ihr 18-jähriger Sohn Mohammed, der gerade das Abitur gemacht hatte und zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort war, ein gefährlicher Terrorist war.





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