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Ende oder Anfang?
12.08.2004








Das US-Militär hofft, mit der am Donnerstag begonnenen Großoffensive auf die heilige Stadt Najaf im Irak endgültig den Widerstand der al-Mahdi-Armee brechen zu können.

Mehrere tausend US-Soldaten werden nach Angaben des Majors der US-Marines David Holahan zusammen mit einer vergleichbaren Zahl "irakischer Soldaten" eingesetzt, um "die Miliz zu zerstören".

Tatsächlich scheint das amerikanische Vorgehen aber eher geeignet zu sein, die shiitische Mehrheit der irakischen Bevölkerung und Shiiten überall auf der Welt dazu zu bringen, den bewaffneten Widerstand gegen die USA zu beginnen.

Am Donnerstag berichtete Al-Jazeera, daß Abd al-Hadi al-Darraji, der Sprecher des irakischen Geistlichen Muqtada al-Sadr in Baghdad, in einem Interview gesagt hat, die Imam-Ali-Moschee - das größte Heiligtum der Shiiten - sei umzingelt.

"Eine Granate ist auf den Haupteingang des Imam-Ali-Schreins als Zeichen dafür, daß er umzingelt ist abgefeuert worden", sagte er.

"Ich rufe die Vereinigung der Muslimischen Gelehrten (AMS) auf, eine Fatwa zu erlassen, die verhindert, daß die US-Besatzer den Schrein betreten", so al-Darraji. "Ich warne die US-Besatzungskräfte, wenn sie den Imam-Ali-Schrein angehen werden Baghdad und alle Gouvernements Operationen durchführen, um diese Streitkräfte zu eliminieren. Chaos und Unruhe werden sich im Irak ausbreiten. Den Schrein anzugreifen ist gleichbedeutend mit einem Angriff auf die Shiiten selbst und sie werden Rache üben", so al-Darraji.

Tatsächlich mehren sich die Anzeichen für wachsende Ablehnung und Wut innerhalb des Iraks und der shiitischen Gemeinschaft.

So ist am Donnerstag der stellvertretende Gouverneur der Stadt Najaf, Jawdat Kadam Najim al-Kuraishi, von seinem Amt zurückgetreten. Während der Gouverneur der Stadt, Adnan al-Zurufi, erklärte, dies sei als Folge einer Erpressung geschehen - seinen Worten nach war al-Kuraishis Vater entführt worden - veröffentlichte al-Kuraishi selbst eine Erklärung, daß er durch seinen Rücktritt gegen das Vorgehen der USA protestiere, wie AP berichtete.

"Ich trete von meinem Posten zurück, da ich all die terroristischen Operationen der USA gegen diese heilige Stadt verurteile", so al-Kuraishi.

Bereits am Dienstag berichtete Al-Jazeera, das es Bestrebungen mehrerer südirakischer Gouvernements gäbe, sich vom restlichen Irak loszusagen. Der stellvertretende Gouverneur von Basra, Salam Uda al- Maliki, sagte, er stünde kurz davor, die Abspaltung zu erklären. Die Entscheidung sei getroffen worden, weil die irakische "Übergangsregierung" "verantwortlich für die Kämpfe in Najaf" sei.

Zu den betroffenen Gouvernements gehören Basra, Misan und Dhi Qar.

Ali Hamud al-Musawi, Vorsitzender des Rats von Misan, nannte den Schritt eine logische Reaktion. "Diese Reaktion erfolgt als Antwort auf die Verbrechen, die gegen Iraker begangen werden von einer illegalen und ungewählten Regierung und Besatzungskräften, die behaupteten, sie kämen, um den Irak zu befreien, aber es stellte sich heraus, daß sie gekommen sind, um Iraker zu töten", sagte er.

Am Donnerstag berichtete die L.A.Times, daß die Kritik auch im Ausland wächst.

"Illegal unter den Genfer Konventionen, würden jegliche Kämpfe oder Zerstörung der Moschee zu unkalkulierbaren Schäden für das Image und die Interessen der Vereinigten Staaten führen und weltweit verurteilt werden", so der in Los Angeles ansässige "Muslim Public Affairs Council" (Muslimischer Rat für Öffentlichkeitsarbeit").

Shiiten "weltweit sind schockiert und außer sich über das, was in Najaf vorgeht", sagte Imam Moustafa Al-Qazwini, ein angesehener shiitischer Geistlicher im Süden des US-Bundesstaats California. "Sie sehen es als einen Angriff auf die Heiligkeit des Islams und insbesondere des shiitischen Islams an. Jeglicher Angriff auf jene Stadt wird die Zukunft Amerikas im Irak vollständig zerstören. Es wird Amerika vollständig diskreditieren und es in den Augen der Shiiten weltweit zum neuen Tyrannen machen."

Zahlreiche Muslime verglichen einen Angriff auf die Moschee mit einer Bombardierung des Vatikans und sagten voraus, daß dadurch Racheangriffe auf US-Einrichtungen in Afghanistan, Indien, Pakistan, Libanon und weiteren Ländern mit größeren shiitischen Bevölkerungsanteilen provoziert würden.

Der Gouverneur Najafs hat den US-Truppen bereits die Erlaubnis erteilt, das Feuer auf die Moschee zu eröffnen, "falls notwendig".

Auch der zeitgleich mit dem Beginn der Kämpfe aus "gesundheitlichen Gründen" nach London gereiste höchstangesehene irakische Geistliche Ayatollah Ali al-Sistani hat sich einer Reuters-Meldung vom Donnerstag zufolge erstmals kritisch geäußert.

"Ayatollah Ali al-Sistani schmerzt es und er ist sehr betrübt über das, was im heiligen Najaf passiert", so Murtada al-Kashmiri. "Wir rufen dazu auf, daß der heilige Boden und die heiligen Stätten dieser Stadt respektiert werden", sagte er telephonisch aus London.

Deutlichere Worte fand Ayatollah Ali Khamenei, der oberste Geistliche und damit auch politische Führer des Nachbarstaates Iran.

"Die Vereinigten Staaten schlachten die Menschen einer der heiligsten islamischen Städte ab und die muslimische Welt und die irakische Nation werden nicht tatenlos dabei zusehen", sagte er in einer Fernsehansprache.

Es könnte sich also herausstellen, daß die begonnene Offensive auf Najaf in Wahrheit den Anfang der Schlacht um den Irak markiert.





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