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Wiedersehen, Au revoir, Goodbye
17.08.2004








Seit die US-Regierung ihre Pläne veröffentlicht hat, schätzungsweise 70.000 im Ausland stationierte US-Soldaten zurück in die USA zu verlegen, zeigen sich Medien als auch Politiker betroffen.

Der Spiegel berichtete, der Bundesverteidigungsminister Peter Struck nannte den Abzug einen "schweren Verlust".

Tatsächlich werden voraussichtlich insgesamt 30.000 US-Soldaten aus Deutschland abgezogen - über einen Zeitraum von 10 Jahren verteilt. Im Gegenzug für die abgezogenen Einheiten soll außerdem eine Brigade von gepanzerten Fahrzeugen des Typs Stryker nach Deutschland verlegt werden. Da hierzu 5.000 Soldaten gehören werden, wird der "Nettoverlust" also nur noch 25.000 US-Soldaten betragen.
Angesichts einer -vorsichtig geschätzten - Arbeitslosenzahl von derzeit 5 Millionen kann der Verlust an Arbeitsplätzen, selbst wenn durch jeden abgezogenen Soldaten 2 Arbeitsplätze entfallen sollten, von also jährlich 5.000 kaum als "Katastrophe" bezeichnet werden.
Für die Orte, in denen die abzuziehenden Einheiten stationiert sind, stellt der Plan sicherlich eine äußerst schwerwiegende finanzielle Belastung dar, da die Orte und ihre Einwohner zum großen Teil direkt oder indirekt wirtschaftlich von den US-Kasernen abhängen.

Demgegenüber sollten allerdings auch die in Zukunft "eingesparten" durch das US-Militär verursachten Umwelt- und sonstigen Schäden, beispielsweise an den Straßen durch die schweren Panzer, erwähnt werden.

Auch ein Kommentator in der "Bild" bedauerte den Abzug der US-Soldaten zutiefst und schrieb, wir sollten uns zumindest bei ihnen bedanken.

Hier stellt sich allerdings die Frage, wofür.

Die Befreiung Deutschlands von der Naziherrschaft kann nicht gemeint sein. Ganz abgesehen davon, daß dieser Dank mindestens ebenso stark der Sowjetunion gelten müßte, sind die daran beteiligten US-Soldaten schon längst pensioniert.

Der "Schutz Deutschland vor einem Einmarsch der Russen" ist sicherlich zumindest fragwürdig. Nicht nur, daß Rußland bei der "Kuba-Krise" gezeigt hat, daß es letztlich weniger an kriegerischen Handlungen interessiert war als die USA, die Kriegsplanungen der USA für den Fall eines sowjetischen Angriffs auf Westeuropa sahen auch vor, diesen mit auf deutschem Boden eingesetzten Atomwaffen zurückzuschlagen. Und auch die an dieser "Abschreckung" beteiligten US-Soldaten sind zum großen Teil pensioniert oder zumindest nicht mehr in Deutschland stationiert.

Auch die Abhöranlage in Bad Aibling, die Teil des weltweiten Echelon-Projekts ist und deren Existenz jahrzehntelang geleugnet wurde und deren Schließung nach Aufschüben nun für den 30. September dieses Jahres "angekündigt" worden ist dürfte kaum ein Grund für "Dankbarkeit" sein, schließlich wurden und werden dort die Gespräche deutscher Bürger belauscht - und dies beileibe nicht nur zu Zwecken der Verhinderung von Terroranschlägen, sondern noch häufiger der Wirtschaftsspionage.

Die Tatsache, daß Deutschland sich - zugegebenermaßen allerdings vorrangig auch durch die Untätigkeit der deutschen Politiker in diesem Zusammenhang - indirekt an der Führung des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen den Irak beteiligt hat, da Flugzeuge des US-Militärs nicht am Überflug über deutschem Hoheitsgebiet gehindert wurden, kann kaum als Grund für ein "Dankeschön" bezeichnet werden.

Statt als wirtschaftliches oder sogar "sicherheitstechnisches" - wie von dem CDU-"Verteidigungspolitiker" Christian Schmidt - Problem sollte der zumindest teilweise Abzug des US-Militärs aus Deutschland vielmehr als Chance für eine zukünftig friedlichere Weltpolitik Deutschlands begriffen werden.





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