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"Sie haben keine Ahnung, was sie tun"
22.08.2004








Am 2. August war Muthana al-Dhari, Chefredakteur der Zeitung al-Basaer und Medienbeauftragter der Vereinigung Moslemischer Gelehrter in Baghdad von vier US-Militärfahrzeugen angehalten worden. Nach einer Kontrolle war er zusammen mit seinen Begleitern gefangengenommen worden.

Am Freitag veröffentlichte Al-Jazeera das erste Interview mit al-Dhari seit seiner Freilassung.

"Am 1. August nahm ich an einer Live-Talkshow des Fernsehsenders LBC (Lebanese Broadcasting Corporation) teil, ich verließ das Studio kurz nach Mitternacht. Ich war auf dem Weg zur Zentrale der AMS und wollte dort die Nacht verbringen und etwas für die Zeitung arbeiten."

Die US-Soldaten, die al-Dharis Konvoi angehalten hatten, erkannten ihn und einer der Offiziere sagte ihm, daß er seinen Vater Scheich Harith al-Dhari, den Generalsekretär der AMS, kenne. Die Patrouille sei aber auf der Suche nach Angreifern, die einige Stunden zuvor Panzerfäuste auf US-Soldaten abgefeuert hätten.

"Ich sagte ihnen, wo ich gewesen war, daß Millionen überall auf der Welt mich live im Fernsehen gesehen hatten, aber sie durchsuchten die Autos und fingen ernsthafte Diskussionen mit ihrer Basis an. Wir waren insgesamt zu sechst, sie trennten uns und Militärfahrzeuge patrouillierten weiter in der Gegend.

Nach einiger Zeit durchsuchten sie die Autos nochmal, aber dieses Mal wesentlich aggressiver, sie warfen unser Eigentum auf den Boden. Ein Offizier kam auf mich zu und sagte, sie würden uns Körperscans unterziehen. Dann sagten sie, daß Sprengstoffrückstände an mir und zwei meiner Kollegen gefunden worden seien.

Der Offizier forderte eine Erklärung für den Fund der Rückstände, ich sagte ihm, daß ich live vor der Kamera gestanden hatte und daß ich ihm keine Erklärung geben könnte. Er sagte, ich würde nicht kooperieren und daß er mich festnehmen würde.

Sie fesselten uns mit Handschellen und verbanden uns die Augen und verfrachteten uns in ein Militärfahrzeug. Ich konnte nichts sehen, aber da ich ein Sohn Baghdads bin, merkte ich, daß wir uns in Richtung des Flughafens bewegten, was sich am nächsten Morgen als richtig herausstellte."

"Ich verbrachte die ersten Stunden bis zum Morgen auf einem Stuhl sitzend. Dann brachten sie uns in eine Gefängniszelle, wo sie ein erstes Verhör durchführten. Dann untersuchte uns ein Arzt und sage, alles wäre ok.

Diese Diagnose war aber falsch, denn am nächsten Morgen kam ein ägyptischer Arzt und untersuchte uns nochmals und stellte fest, daß mein Blutdruck zu hoch war und mein Kollege Atemprobleme hatte.

Er war sehr wütend und schickte alle US-Soldaten aus dem Raum und machte eine weitere, genaue Untersuchung. Der Arzt schrieb dann einen Bericht, daß wir medizinische Versorgung benötigten.

Um 10:00 am Morgen wurden wir im Gefängnis registriert. Sie photographierten uns und nahmen unsere Fingerabdrücke. Wir waren sehr müde, wir hatten die ganze Nacht auf Stühlen sitzend verbracht, während im Nachbarraum ein großer Generator röhrte.

Danach brachten sie mich in einen guten Raum, sie gaben mir eine Ausgabe des Korans und einen Gebetsteppich. Das Essen war schrecklich, eine billige Suppe, ein Stück Mandarine und trockene Kekse. Dieses Essen gab es zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendbrot."

Nach vier Tagen wurde er ebenso unerwartet, wie er gefangengenommen worden war, wieder auf freien Fuß gesetzt.

"Ich richtete mich auf einen langen Aufenthalt in dem Gefängnis ein, aber ich fand nach meiner Freilassung heraus, daß hochrangige US-Beamte eingeschritten waren und gesagt hatten, sie würden nicht die Beteiligung und die Bemühungen der AMS verlieren wollen."

Wäre al-Dhari nicht nach Ansicht der USA derart "wertvoll", würde er sich mit Sicherheit immer noch in dem Gefängnis befinden. Die Verhöre zeigten ihm, daß die USA kaum eine Ahnung davon haben, was um sie herum im Irak vorgeht.

"Weil die AMS sich mehrfach um die Freilassung von Entführten eingesetzt hatte verdächtigten sie uns, daß wir Verbindungen zu den Entführern hätten, aber die Wahrheit ist, daß die AMS hochangesehen ist und die einzige Verbindung zwischen uns und ihnen sind unsere Aufrufe, in denen wir sie an die Grundlagen des Islams erinnern, die es Muslimen verbieten, Menschen zu verletzen.

Sie erwähnten auch die Namen von Gefangenen in Abu Ghurayb und wollten wissen, ob ich welche von ihnen kannte. Die Vernehmungsbeamten waren scharf darauf, irgendetwas über den irakischen Widerstand zu erfahren.

Sie glauben, weil wir eine hochangesehene sunnitische Muslimorganisation sind, daß wir vielleicht Informationen über den sogenannten sunnitischen Widerstand haben, aber die Wahrheit ist, daß der Widerstand irakisch und nicht sunnitisch ist.

Sie fragten mich, warum wir sie hassen. Ich sagte ihnen, daß wie die amerikanischen Menschen nicht hassen, sie sind willkommen als Touristen, Händler uns so weiter, aber nicht als Besatzer.

Ein Vernehmungsbeamter gab dem israelisch-arabischen Konflikt die Schuld für die Feindschaft zwischen Arabern und Amerikanern und meinte, wenn Israel die Siedlungen entfernen würde, wäre alles in Ordnung.

Ich war anderer Meinung und erinnerte ihn an Jerusalem und daß es besetzt ist. Ich machte ihm klar, daß Muslime nichts dagegen haben, mit Juden und Christen in Jerusalem zu leben, aber daß sie hierfür um Erlaubnis fragen müßten und nicht mit Gewalt kommen."

"Ich gewann den Eindruck, daß die US-Vernehmungsbeamten und CIA-Offiziere keine Ahnung haben, was sie tun. Ihre Fragen waren oberflächlich und ließen auf schwerwiegende Ahnungslosigkeit der irakischen Gegebenheiten schließen.

Mir fiel auch auf, daß sie so scharf darauf sind, uns zu verspotten, lächerlich zu machen und zu beleidigen. Einige von ihnen sind gute Menschen und sind sehr wütend auf George Bush, einer von ihnen sagte mir, wenn er [Bush] den Irak so sehr liebt, warum bringt er dann nicht seine Familie her und lebt hier?

Aber interessanterweise sind einige von ihnen [US-Soldaten] einfach nur Diebe. Sie haben mein Notizbuch und meine Armbanduhr vor meinen Augen gestohlen."





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