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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Die andere Seite Najafs
24.08.2004








Der freie Journalist Philip Robertson hat zusammen mit dem Kameramann Thorne Anderson drei Tage - vom Dienstag, dem 17. bis zum Donnerstag, dem 19. August - in der schwer umkämpften Imam-Ali-Moschee in der heiligen Stadt Najaf im Irak verbracht.

Am vergangenen Sonntag fand auf IslamOnline eine Onlinefragestunde mit Robertson statt, die viele der in den Medien verbreiteten Bilder ins wanken bringt.

"Ich und Thorne Andersone lebten dort drei Tage lang. Wir haben etwas völlig anderes gesehen, als das in den Nachrichten beschriebene. Das ist kein Wunder, da die meisten westlichen Reporter weggeblieben sind, da sie glaubten, daß die al-Mahdi-Armee sie gefangennehmen oder töten würde.

Wir wollten die derzeitige Situation in Najaf und dem Schrein unter menschlichen Gesichtspunkten zeigen, ohne Propaganda oder Ideologie. Auf eine Art war es eine Pilgerfahrt. Wir werden niemals vergessen, was dort passierte. Wir werden niemals die Menschen vergessen, mit denen wir sprachen."

"Ich lebte drei Tage lang in der Imam-Ali-Moschee, wo ich mit Muslimen überall aus dem Irak Schutz fand. Es ist ein heiliger Ort, einer der bewegensten Orte, die ich je besucht habe. Ich möchte sagen, daß mir, als Gast, nur Freundlichkeit und Gastfreundschaft entgegengebracht worden ist und daß ich niemals um meine Sicherheit besorgt war. Es ist unerläßlich, daß der Krieg in Najaf umgehend aufhört und daß die Angriffe der USA auf die Umgegend des Schreins beendet werden.

Das Gebäude ist nicht schwer beschädigt. Kugeln und Splitter von Mörsern haben das Gebäude und den Boden im Marmorinnenhof getroffen. Es gibt Scharten und Schrammen, aber nichts ernstes. Natürlich setzen die anhaltenden Angriffe das Gebäude und jeden im Innern einer Gefahr aus. Es hat viele Desinformationen über den Schrein gegeben. Es gibt keine Waffen innerhalb des Schreins. Es ist ein Ort der Zuflucht, kein militärisches Lager.

Mitglieder der al-Mahdi-Armee sind im Schrein, aber sie sind wie alle anderen im Innern unbewaffnet. Ich möchte diesen Punkt betonen. Alle Reporter, die den Schrein besucht haben, möchten dies klarstellen."

Später ging er auf diesen Punkt noch einmal ein, als er gefragt wurde, ob Berichte, daß Kämpfer von innerhalb der Moschee Mörser abfeuern, der Wahrheit entsprächen.

"Während der drei Tage in der Moschee habe ich keine Waffen gesehen, weder schwere noch andere. Alle Waffen bleiben außerhalb der Moschee. Es ist ein Ort der Zuflucht. Anderslautende Berichte kommen von Quellen, die nicht vor Ort waren. Die Moschee wird nicht als ein Ort benutzt, von dem aus Kämpfer Mörser abfeuern. Ich hätte jede solche Aktivität sehen und hören können und ich konnte gehen, wohin ich wollte."

In der Zeit seit Robertsons Besuch ist die Moschee allerdings mehrfach durch Angriffe beschädigt worden.

Auch die in Medien häufig wiederholte Behauptung, die Anhänger al-Sadrs seien zum großen Teil arm und ungebildet, wird von Robertson bestritten.

"Wer die Anhänger des Geistlichen sind, das ist eine weitere gute Frage. In der Presse sind sie häufig als die arme, ungebildete Schicht des Iraks dargestellt worden. In Wirklichkeit ist das nicht der Fall. Al-Sadr hat viele arme Anhänger, wie sie auch sein Vater, Sayeed Mohammed Sadiq al-Sadr, hatte. Viele der Gruppenführer der al-Mahdi-Armee haben eine höhere Schulbildung. Die Miliz zieht sowohl gebildete Menschen als auch Arbeiter an. Die Bewegung hat eine breite Basis und beruht auf vielen Gesellschaftsschichten. Viele westliche Zeitungen stellen es nicht so dar - zu ihrer Schande".

Robertsons Ansicht nach können die USA durch das militärische Vorgehen in Najaf nur verlieren.

"Es ist schwierig, die Zukunft vorauszusagen. Saeed Hosam al-Husseini, ein Mitarbeiter al-Sadrs, sagte mir, daß wenn die USA militärisch gewinnen, indem sie die Stadt und den Schrein einnehmen, sie politisch verlieren werden. Wenn sie es nicht schaffen, den Schrein einzunehmen und die al-Mahdi-Armee zu vertreiben, verlieren sie militärisch. Das ist eine starke Analyse. Ich glaube, die USA haben nichts durch diesen Kampf gewonnen. Das ist meine persönliche Meinung. Der Krieg muß aufhören. Es hat schon viel zu viel Blutvergießen gegeben."

Auf die Frage nach Opfern auf Seiten der USA sagte er:

"Bezüglich des zweiten Teils der Frage, ja, es gibt Opfer auf US-Seite, aber ich kenne ihre Zahl nicht. Die al-Mahdi-Armee leidet unter einem ständigen Strom von Opfern durch US-Panzer, Flugzeuge, Artillerie und Scharfschützen. Es ist schrecklich, dies mitanzusehen."

Während die Kämpfer auf beiden Seiten sich diese Rolle zumindest ausgesucht haben, leiden die Einwohner der Stadt unter den Kämpfen um sie herum und der Tatsache, daß die Versorgung der Stadt vom US-Militär unterbrochen wurde.

"Die Situation in Najaf für Zivilisten, insbesondere jene, die in der Altstadt geblieben sind, ist verzweifelt. Kein Strom, keine brauchbaren Quellen für Lebensmittel und Krieg draußen in den Straßen. Scharfschützen sind eine große Gefahr und sie sind unsichtbar. Die meisten Menschen verstecken sich, sind gefangen in ihren Häusern. Ich glaube, einige Männer sind geblieben, um ihre Häuser vor Plünderern zu schützen. Das passierte auch in Kerbala."

Robertson bestätigte auch Berichte des Widerstands, daß sich die "irakische Armee" bisher bei den Kämpfen völlig zurückgehalten hat.

"Die Situation in Najaf ist folgende: Es finden schwere Kämpfe zwischen Soldaten der USA und der al-Mahdi-Armee statt. Diese Kämpfe haben zu einer großen Zahl von Opfern als auch zu verbreiteten Zerstörungen am Rande der Altstadt Najafs geführt. Die irakische Regierung hat durch Erklärungen des Premierministers Allawi die Situation nicht verbessert. Ich habe das Gefühl, daß die irakische Regierung in Najaf nicht sonderlich wichtig ist. Ich habe dort keine Soldaten der Regierung gesehen, aber sie könnten irgendwo versteckt gewesen sein."





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