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Iraker mögen Amerikaner nicht
02.09.2004








Am Donnerstag veröffentlichte AP eine Zusammenfassung aller Opfer von "Entführungen" im Irak. Der Begriff "Entführung" scheint hier allerdings kaum für alle Betroffenen gleichermaßen angemessen zu sein.

Während die ermordeten Nepalesen ganz sicher "entführt" worden sind, scheint dieser Begriff für Angehörige beispielsweise des US-Militärs kaum zutreffend. Passender wäre hier vermutlich "Kriegsgefangene".

Faßt man die Betroffenen nach Staatsangehörigkeit zusammen, so ergibt sich ein - nicht nur auf den ersten Blick - ungewöhnliches Bild.



Während es eigentlich zu erwarten wäre, daß Bürger der USA und Großbritanniens zu den meist"entführten" zählen - einerseits, da sie als Hauptbesatzungsmächte sicherlich die größte Wut auf sich ziehen, andererseits aber auch aus der schieren Anzahl der aus diesen Ländern stammenden Menschen heraus.

Dem ist aber bei weitem nicht so. Obwohl sich mindestens 150.000 US-Bürger - allein 130.000 Soldaten und eine unbekannte Zahl von Mitarbeitern von Privatunternehmen, unter anderem auch Söldner- im Irak aufhalten, sind bisher nur 7 von ihnen "entführt" worden.

Demgegenüber sind bereits 22 Türken, 12 Libanesen, 12 Nepalesen und 8 Jordanier "entführt" worden. Bisher ist genau ein britischer Staatsbürger, der Journalist James Brandon, entführt worden.

Offenbar ist die Abneigung nicht nur innerhalb der irakischen Bevölkerung sondern auch unter den "Entführern" gegenüber US-Bürgern und Briten so groß, daß sie es sogar vorziehen, Bürger anderer Länder zu "entführen".

Die mögliche Argumentation, daß das Mißverhältnis nur auf der Tatsache beruhe, daß vorrangig "leichte Ziele" wie Lastwagen angegriffen worden seien, kann kaum als stichhaltig bezeichnet werden. Unter den Entführten befinden sich beispielsweise der iranische Konsul in Kerbala, ein ägyptischer Diplomat, zwei Direktoren von libanesischen Unternehmenen, ein libanesischer Geschäftsmann, zwei jordanische Geschäftsleute und zahlreiche Bauarbeiter.

Nur in den wenigsten Fällen waren mit den Entführungen strategisch nachvollziehbare Forderungen verbunden, wie beispielsweise im Fall des am 23. Juli entführten ägyptischen Diplomaten Mohammed Mamdouh Helmi Qutb. Nach Angabe seiner Entführer war er entführt worden, da Ägypten angekündigt hatte, "Sicherheitsexperten" in den Irak zu entsenden. Am 26. Juli ist er wieder freigelassen worden.

Andere Fälle sind unter keinem Aspekt nachvollziehbar, beispielsweise die Entführung und Ermordung der 12 nepalesischen Köche und Reinigungsarbeiter. Ein anderes Beispiel ist die Entführung der zwei französischen Journalisten - die am späten Donnerstag freigelassen worden sein sollen - mit der für den irakischen Widerstand sicherlich völlig unwichtigen Forderung, das Kopftuchverbot an französischen Schulen aufzuheben.

Letztlich muß die Frage, wem derartige Verbrechen nützen, erlaubt sein. Während die Entführung der französischen Journalisten in Frankreich - unerwartet - zu einem Schulterschluß von Muslimen und Christen geführt hat, ist es in Nepal zu schweren Ausschreitungen gekommen. Hierbei wurde unter anderem eine Moschee in Brand gesteckt und es wurden Rufe nach Vergeltung laut - in einem Land, daß sich bisher standhaft geweigert hat, Soldaten in den Irak zu entsenden.

Die überwiegende Zahl der Herkunftsländer der "entführten" Menschen hat sich bisher nicht aktiv an der Besetzung des Iraks beteiligt.





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