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Freie Presse unerwünscht
05.09.2004








Am Samstag meldete AP, daß das Anfang August von der irakischen "Übergangsregierung" geschlossene Büro des arabischen Fernsehsenders Al-Jazeera in Baghdad auf unbegrenzte Zeit geschlossen bleiben wird.

Das "irakische Ministerialkomitee für Nationale Sicherheit" sagte in einer Erklärung gegenüber AP, daß es beschlossen habe "die Aussetzung der Aktivitäten des Senders im Irak zu verlängern, bis der Sender eine schriftliche Erklärung über die Motive hinter seiner Politik gegenüber dem Irak vorlegt."

Erst am Donnerstag hatte Al-Jazeera einen Artikel veröffentlicht, in dem sich drei der betroffenen Journalisten kritisch über das Verbot und die offensichtlichen Vorstellungen der irakischen "Übergangsregierung" äußerten.

Atwar Bahjat, Udai al-Katib und Abd al-Adhim Muhammad haben für Al-Jazeera bis zur zwangsweisen Schließung des Büros in Baghdad aus dem Irak berichtet. Seitdem halten sie sich in Doha im benachbarten Qatar auf, wo die Zentrale des Senders beheimatet ist.

"Wir haben getan, was jeder Fernsehsender an unserer Stelle getan hätte. Jeden Tag kommen im Baghdader Büro hunderte von Presseerklärungen, Briefen und Paketen von unterschiedlichen Quellen an", sagte Abd al-Adhim Muhammad. "Manchmal finden wir darunter ein Videoband einer Gruppe, die im Irak tätig ist. Für uns sind diese Aufnahmen Meldungen und wir behandeln sie als Nachrichten, nicht mehr. Ich denke, jedes unabhängige Medienunternehmen würde das gleiche tun."

Der Vorwurf an andere Medienunternehmen ist in dieser Aussage kaum zu überhören.

Atwar Bahjat wiederum zeigte sich überzeugt, daß die irakischen "Regierungsstellen" einsehen würden, daß Al-Jazeera eine nicht vernachlässigbare Marktmacht besitzt - eine Hoffnung, die sich nun bereits als falsch herausgestellt hat.

"Obwohl es einige gibt, die nicht mit uns reden und uns keine Interviews geben, beschäftigt sich die Mehrheit von ihnen mit uns, weil sie wissen, was Al-Jazeera hinsichtlich der Zahl der Menschen, die ihnen beim sprechen zuhören werden, bedeutet", sagte sie.

Muhammad wurde an dieser Stelle deutlicher, als er sagte: "Irakische Beamte wollen neutrale Berichterstattung von ihrem Standpunkt aus. Sie geben uns die Schuld dafür, daß wie nicht die Errungenschaften der Zeit nach Saddam zeigen. Aber wenn wir sie fragen, was ihre Errungenschaften sind, bekommen wir keine klaren Antworten."

"Einmal luden sie uns zur Einweihung einer neuen Schule ein, aber als wir dort ankamen, fanden wir heraus, daß es keine neue Schule sondern eine renovierte war. Das ist vom journalistischen Standpunkt aus keine Story", sagte er.

Auch Bahjat zeigte sich überzeugt, daß vielen "Regierungsbeamten" die Berichterstattung des Senders nicht positiv genug ist.

"Obwohl die meisten derzeitigen irakischen Beamten zuvor im Exil und Gegner Saddam Husseins waren und einen bedeutenden Teil ihres Lebens im Westen verbracht haben, können sie nicht die Wahrheit akzeptieren, wenn sie nicht zu ihrem Vorteil ist", sagte sie. "Wann immer ich sie gefragt habe, welche Fortschritte sie von uns betont haben möchten, habe ich gehofft, daß sie mir von solchen Fortschritten erzählen. Denn, wenn sie berichtenswert sind, warum nicht? Aber sie sehen die Wiederherstellung der städtischen Dienste, die es in jeder Stadt der Welt gibt, als berichtenswert an. Ich denke nicht, daß die Medien jede einzelne Erfüllung der normalen Pflichten eines Regierungsbeamten feiern sollten."

Udai al-Katib vermutet, daß das Verbot der Arbeit des Senders im Irak mit dem Konflikt in der heiligen Stadt Najaf zusammenhing.

"Al-Jazeera war der einzige Nachrichtensender, der im vergangenen April von dem Konflikt in Fallujah berichtet hat und die Welt erinnert sich daran, wie entnervt die USA und irakische Beamte über die Tatsache waren, daß jemand Nachrichten aus Fallujah brachte", sagte er. "Vielleicht hatte die Regierung Pläne, die Krise in Najaf ebenso zu beenden und schloß daher das Büro Al-Jazeeras in Baghdad, um den Sender daran zu hindern, über die Fakten zu berichten und alle Gesichtspunkte zu zeigen. Ich glaube, der Stil Al-Jazeeras mißfällt einigen Parteien."





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