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Rabbis fordern härteres Vorgehen
07.09.2004








Einem Bericht der israelischen Haaretz vom Dienstag zufolge hat eine Gruppe von Rabbis, Leiter jüdisch-orthodoxer Schulen (Yeshivas) in der West Bank, der Yesha-Rat der West Bank und des Gaza-Streifens sowie Rabbis aus Gaza ein härteres und rücksichtsloseres Vorgehen des israelischen Militärs gefordert.

In einem öffentlichen Aufruf an die israelische Regierung forderten sie eine Verschärfung der Vorgehensweise des Militärs und erklärten, daß die Armee weniger Rücksicht auf palästinensische Zivilisten nehmen solle, wenn sich "Terroristen in ihrer Mitte" verstecken.

Der in einem offenen Brief an den israelischen Verteidigungsminister Shaul Mofaz gesandte Aufruf wurde von zahlreichen rechtsgerichteten Rabbis unterzeichnet. Unter ihnen sind Haim Druckman, Leiter der religiösen Jugendorganisation Bnei Akiva, Eliezer Melamed, Leiter der Yeshiva Har Bracha und Yuval Sharlo, der eine Yeshiva in Petah Tikva leitet, die das Studium der Torah mit aktivem Militärdienst verbindet.

"Es gibt keinen Krieg in der Welt, in dem es vollständig möglich ist, die Bevölkerung von der [gegnerischen] Armee abzugrenzen, weder im US-Krieg im Irak, dem russischen Krieg in Tschetschenien noch in Israels Kriegen mit seinen Feinden", so der Brief.

In dem Schreiben wird die Frage gestellt "Sollte die israelische Armee den Feind bekämpfen, wenn Zivilisten [auf der anderen Seite] getötet werden oder sollte die israelische Armee vom Kämpfen abstand nehmen und so unsere Zivilisten gefährden?" Als Antwort auf diese Frage wird in dem Brief Ein Ausspruch Rabbi Akivas zitiert: "Unsere Leben haben Vorrang."

Ebenfalls am Dienstag hat das israelische Militär ein Fußballfeld angegriffen, auf dem Mitglieder der palästinensischen Organisation Hamas ausgebildet wurden, was auch von einer Hamas-Erklärung bestätigt wurde. Al-Jazeera berichtete, daß "vier oder fünf" Raketen in dem Gebiet eingeschlagen sind.

Einigkeit herrscht bisher nur bei der Anzahl der Todesopfer des Angriffs. Demnach sind 14 Menschen getötet und 25 (AP) oder 40 (Al-Jazeera) verletzt worden. Während es sich nach AP-Angaben bei allen Todesopfern um Hamas-Mitglieder gehandelt hat, berichtete der Al-Jazeera-Korrespondent in Gaza, daß es sich "bei einigen der Getöteten" um "Hamas-Kämpfer gehandelt haben könnte".

Da auch AP berichtete, daß es sich bei den 25 Verletzten um "Palästinenser" - im Gegensatz zu den 13 getöteten "Milizionären" - handelte, ist zumindest fraglich, ob tatsächlich alle Todesopfer Mitglieder der Hamas waren.

Abgesehen hiervon und der Tatsache, daß dieser Angriff sicherlich kaum dazu beitragen wird, den palästinensisch-israelischen Konflikt zu entschärfen - Hamas-Sprecher Mushir al-Masri kündigte in einer Erklärung bereits Vergeltung an und sprach von einem "offenen Krieg zwischen den Zionisten und uns" - handelte es sich aber offensichtlich um ein militärisches Ziel. Den Angriff als ein "Kriegsverbrechen" zu bezeichnen, wie dies von einem anderen Hamas-Sprecher getan wurde, oder auch als "terroristischen Angriff", wie es der palästinensische Außenminister Nabil Shaath formulierte, ist angesichts der derzeitigen Informationslage zumindest fragwürdig.

Zweifellos handelt es sich um von Israel besetzte Gebiete. Wer den palästinensischen Organisationen zugesteht, deshalb mit Waffengewalt gegen das israelische Militär vorzugehen, muß dieses Recht auch der Gegenseite einräumen. Dies ändert allerdings weder etwas an der rechtswidrigen Besetzung des Landes, der menschenunwürdigen Behandlung der Palästinenser noch der Tatsache, daß Kriegsverbrechen begangen werden, wenn unbeteiligte Zivilisten verletzt oder getötet werden.

Was die Rabbis hier fordern kommt palästinensischen Bombenanschlägen, bei denen neben Zivilisten auch israelische Soldaten getötet werden wie jener auf eine Bushaltestelle, schon sehr nahe. Die Folgen einer solchen Vorgehensweise wären unabsehbar.





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