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"Verlorene" Beweise
10.09.2004








Am Freitag berichtete AP über das Kriegsgerichtsverfahren gegen den Major der US-Marines Clarke Paulus. Demnach sind zahlreiche wichtige Beweise in dem Verfahren gegen Paulus, der beschuldigt wird, für den Tod eines irakischen Gefangenen verantwortlich zu sein, "verschwunden".

Der 52 Jahre alte Nagem Hatab starb im vergangenen Jahr in einem von den US-Marines geleiteten provisorischen Gefangenenlager. Es gab Gerüchte, er sei Mitglied der Baath-Partei und außerdem an dem Angriff auf einen US-Konvoi, der zum Tod von 11 Soldaten und der Gefangennahme der Gefreiten Jessica Lynch geführt hatte, beteiligt gewesen. Ersteres wäre im Irak wenig verwunderlich, letzteres scheint angesichts seines Alters höchst unwahrscheinlich, auch wenn die USA mittlerweile Soldaten in - für einen Kampfeinsatz -derart hohem Alter "an die Front" schicken. Paulus war zum damaligen Zeitpunkt Aufseher in dem Lager.

Der Richter Oberst Robert Chester hatte das Verfahren in der vergangenen Woche aufgrund der "verschwundenen" Beweise vertagt und die Ankläger aufgefordert, diese wiederzufinden. Er nannte die fehlenden Beweismittel "ernste Probleme, die einer ordentlichen und gerechten Lösung dieses Falls zuwiderlaufen."

Tatsächlich sind in dem Verfahren derart viele Beweise "verschwunden" oder anderweitig unbrauchbar geworden, daß es wenig glaubwürdig scheint, hier von Zufällen zu sprechen.

Bei den Beweismitteln, die nun "verschwunden" sind, handelt es sich um Knochen aus dem Hals und der Brust Nagem Hatabs. Der Ankläger Major Leon Francis sieht diese Knochen als bedeutende Beweise dafür an, daß Hatab mißhandelt worden ist. Ein Gerichtsmediziner hatte als Todesursache einen gebrochenen Knochen in seinem Rücken uns außerdem mehrere gebrochene Rippen festgestellt.

Die inneren Organe Hatabs, die bei der Obduktion entnommen worden waren, sind zerstört worden, als sie mehrere Stunden lang in der prallen Sonne auf einer Landebahn im Irak standen.

Die schriftliche Zusammenfassung einer Befragung Hatabs durch Marines kurz vor seinem Tod ist ebenso nicht mehr aufzufinden wie ein während des Verhörs aufgenommenes Photo.

Paulus wird beschuldigt, einem ihm unterstehenden Soldaten befohlen zu haben, Hatab an seinem Hals wegzuschleifen, als dieser schweren Durchfall bekam und ohnmächtig wurde.

Aufgrund der zahlreichen fehlenden Beweise - deren Wiederauftauchen sicherlich kaum anzunehmen ist - dürfte dem Richter dem Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" kaum etwas anderes übrigbleiben, als Paulus freizusprechen.

Der Fall zeigt ein weiteres Mal, daß das US-Militär nur sehr bedingt - nämlich, wenn der öffentliche Druck in einem Fall zu groß wird - geneigt ist, gegen die Verantwortlichen von Folter und Mord vorzugehen. Bisher sind keine Schritte eingeleitet worden, um diejenigen Soldaten, die für das "Verschwinden" der Beweise und den dadurch zu erwartenden Freispruch verantwortlich sind, zu finden und zu bestrafen.





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