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Der ungewinnbare Krieg im Irak
22.09.2004








Vor über eineinhalb Jahren begannen die USA den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak. Nur wenige Wochen später war das ganze Land besetzt und schon am 1. Mai 2003 verkündete der US-Präsident George W. Bush den Krieg für beendet.

Bis zum 1. Mai starben im Irak offiziellen Angaben zufolge 130 amerikanische und 33 britische Soldaten. Seit dem 2. Mai 2003 sind bisher 898 US-Soldaten, weitere 33 britische und 69 aus anderen, die Besatzung unterstützenden Ländern stammende Soldaten getötet worden. Allein in diesem Monat kamen bereits 63 Soldaten der Besatzungstruppen ums Leben. Seit dem Beginn des Krieges wurden mindestens 12.800 irakische Zivilisten getötet. Es ist davon auszugehen, daß alle genannten Zahlen in Wahrheit noch weitaus höher sind.

Die Erkenntnis, daß es sich im Irak um einen Guerillakrieg handelt, ist nicht wirklich neu, wird aber von den Politikern sehr gern verdrängt, da auch ihnen die Konsequenzen bewußt sind. Es ist für eine Besatzungsmacht praktisch unmöglich, einen Krieg gegen Guerillas mit Waffengewalt zu gewinnen, solange diese von der Bevölkerung unterstützt werden.

Obwohl es in der Geschichte zahllose Beispiele dafür gibt, daß die Besatzer ihre Probleme durch brutales und rücksichtsloses Verhalten gegenüber der Bevölkerung nur vergrößern können, wird diese "Strategie" weiterhin im Irak angewendet. Mit jeder Bombe, die ein Wohnhaus zerstört und Zivilisten tötet, verstümmelt und zu Waisen macht erhält der irakische Widerstand neuen Zulauf. Jede Maschinengewehrsalve, die ein Auto durchsiebt, das nicht schnell genug an einem US-Kontrollpunkt anhält, der vor wenigen Stunden noch nicht da war, bestärkt die Menschen darin, wegzusehen, wenn eine Bombe gelegt wird.

Weder hat Frankreich es in Algerien, Israel im Libanon, Deutschland in Frankreich oder Großbritannien in Irland geschafft, den Widerstand mit Waffengewalt zu brechen. Sogar die sowjetischen Truppen waren schließlich gezwungen, sich aus Afghanistan zurückzuziehen und die USA selbst mußten schließlich aus Vietnam abziehen - auch wenn es sich dabei nicht um einen reinen Guerillakrieg handelte.

Das ständige Wissen der Soldaten, daß im nächsten Moment eine Mörsergranate das Lager treffen, hinter der nächsten Ecke ein Mann mit einer Panzerfaust warten oder im Asphalt der Straße eine Bombe versteckt sein kann, führt dazu, daß die Anspannung praktisch nicht mehr nachläßt. Dies wiederum läßt die Soldaten immer gereizter werden und damit immer rücksichtsloser gegen die Bevölkerung handeln, da "sie uns ja alle hassen". In der Folge kommt es zu immer mehr getöteten Zivilisten, Mißhandlungen, Diebstählen, Vergewaltigungen und auch Massakern - hier sei nur an My Lai in Vietnam erinnert, obwohl es sich dabei offenbar keineswegs um eine Ausnahmeerscheinung handelte. Dies wiederum führt dazu, daß die Widerstandskämpfer erneut mehr Zulauf bekommen, ein Kreislauf, in dem sich beide Seiten gegenseitig verstärken.

Daß der Irak zumindest in Teilen eine Stammesgesellschaft ist verstärkt diese Wirkung ebenso wie die Tatsache, daß die Bevölkerungsmehrheit Shiiten sind, zu deren religiösen Grundsätzen "unterdrücke nicht und laß dich nicht unterdrücken" gehört.

Die einzige Möglichkeit, Guerillas zu "besiegen" ist, ihnen den Rückhalt in der Bevölkerung zu entziehen. Ein Besatzer, der tatsächlich - zumindest teilweise - als "Befreier" empfunden wird, sieht sich auch nicht derartigen Schwierigkeiten gegenüber. Dies ist auch einer der Gründe, warum die britischen Soldaten im Südirak lange Zeit weitaus weniger Probleme mit Angriffen von Widerstandskämpfern hatten - bis schließlich der Haß auf die US-Besatzer auch auf sie projiziert wurde und auch dort der Kreislauf aus Angriffen und toten Zivilisten immer mehr anwuchs.

Während es aber Saddam Hussein trotz massivster Wirtschaftssanktionen innerhalb kürzester Zeit nach dem ersten Krieg der USA gegen den Irak nach seinem Angriff auf Kuwait gelungen war, beispielsweise die Stromversorgung wieder komplett herzustellen, fällt der Strom heute im Irak immer noch mehrere Stunden täglich aus - bei Temperaturen weit jenseits der 40 Grad Celsius. Erst kürzlich wurden Pläne veröffentlicht, weitere Gelder, die bereits für den "Wiederaufbau" freigegeben worden waren, in die "Sicherheit" umzuleiten.

Auch den USA ist offenbar bewußt, daß die Besatzung noch eine lange Zeit andauern wird. So berichtete die amerikanische "Stars and Stripes" kürzlich, daß dem US-Militär im Irak "bis zum Sommer 2005" eine neue Waffe zur Verfügung gestellt werden soll, die mit Mikrowellenstrahlung starke Schmerzen verursachen aber "nicht tödlich" sein soll. Ernste Gesundheitsschäden, insbesondere Erblindung, sind allerdings Ärzten zufolge zu erwarten.

Letztlich stellt sich also kaum die Frage, ob die USA gezwungen sein werden, sich aus dem Irak zurückzuziehen, sondern nur wann dies geschehen wird und wieviele Opfer die US-Regierung bis dahin bereit ist, auf beiden Seiten hinzunehmen.





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