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Der britische Eiertanz
29.09.2004








Am Dienstag hat der britische Premierminister Tony Blair bei einer Rede vor der Konferenz der Labour-Partei zugegeben, daß die "Geheimdienstinformationen", Saddam Hussein hätte Massenvernichtungswaffen besessen - einer der Hauptgründe für die britische Beteiligung an dem Angriffskrieg gegen den Irak - falsch waren.

Vor seiner Rede hatten Mitarbeiter Blairs Zeitungen mit einem frühen Redaktionsschluß gesagt, in seiner Rede würde er den Satz "Ich weiß, daß diese Angelegenheit die Nation gespalten hat und das tut mir wirklich leid und ich verstehe, warum viele anderer Ansicht sind" sagen. In der Rede fehlte allerdings der Einschub "das tut mir wirklich leid", was zu entsprechendem Unmut in den Redaktionen führte. Der britische Guardian nannte dies "wilde Änderungen in letzter Minute".

Auch ein weiterer Satz Blairs war zwar sicherlich dazu geeignet, den gewünschten Eindruck zu erwecken, allerdings ohne einer wirklichen Entschuldigung auch nur nahe zu kommen.

"Ich kann mich für die Informationen, die sich als falsch erwiesen haben, entschuldigen, aber ich kann mich nicht, zumindest nicht ernsthaft, dafür entschuldigen, Saddam entfernt zu haben", so Blair. Tatsächlich hat er sich hier auch nicht für die falschen Informationen entschuldigt, sondern nur festgestellt, daß dies möglich wäre.

Am Mittwoch nun bezeichnete Blair den Irakkrieg in einem Interview mit der BBC als "gerechtfertigt" und widersprach der Ansicht des UN-Generalsekretärs Kofi Annan, der den Krieg als "illegal" bezeichnet hatte. Vielmehr sei der Krieg "legal gerechtfertigt" gewesen, da Hussein UN-Resolutionen verletzt habe. Mit dieser Argumentation hätte Großbritannien allerdings schon seit langem auch über einen Angriff auf Israel und andere Länder nachdenken müssen.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hätten Staaten "agieren" müssen statt zu "reagieren", so Blair. Er habe nur getan, was jeder "vernünftige" Premierminister getan hätte. Es sei "lebenswichtig" gewesen, daß die internationale Staatengemeinschaft nach den Anschlägen "einen völlig neuen Ansatz" ergriffen habe.

Blair versucht hier also ein weiteres Mal, eine Verbindung zwischen der angeblich für die Anschläge verantwortlichen Al-Qaida und dem Irak unter Saddam Hussein zu ziehen, obwohl hierfür keinerlei Beweise vorliegen.

Blair sagte, er würde nicht akzeptieren, daß Hussein "keine Bedrohung" war, obwohl er zugab, daß es "niemals der Fall war", daß er davor stand, die USA oder Großbritannien anzugreifen.

Blair sagt also, daß der Irak nicht die Mittel dazu besaß, Großbritannien anzugreifen, er aber trotzdem eine Bedrohung darstellte, die nun beseitigt worden ist, bevor sie handeln konnte - was sie Blairs Worten zufolge aber gar nicht vorhatte.

Es scheint, daß Briten - oder zumindest Tony Blair - nicht nur eine eigene Vorstellung von Humor, sondern auch von Logik haben.





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