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Die Schmerzen der anderen
04.10.2004








Am vergangenen Freitag erschien in der Süddeutschen Zeitung eine ganzseitige Anzeige, in der sich 62 bekannte Personen - "Persönlichkeiten" würde hier möglicherweise einen nicht vollständig richtigen Eindruck erwecken - eindeutig, unmißverständlich und kompromißlos hinter den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder und die geplanten Einschnitte in das soziale Netz unter dem Titel "Hartz IV" stellen.

Man mag die Unterzeichner nicht unbedingt als "who-is-who" Deutschlands bezeichnen und doch sind zahlreiche bekannte Namen darunter.

Wirtschafts-Berater - Verzeihung, -"Consultant" - Roland Berger, der ehemalige SPD-Generalsekretär Peter Glotz, Schriftsteller Günter Grass, Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, der Aufsichtsratsvorsitzende von Karstadt-Quelle Thomas Middelhoff, Musiker Marius Müller-Westernhagen, "Starphotograph" Jim Rakete, BDI-Präsident Michael Rogowski, der frühere RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma, sie alle und noch viele andere haben unter dem Titel "Auch wir sind das Volk" diesen Aufruf unterzeichnet, der den Deutschen das Jammern abgewöhnen soll.

Demnach ist nun "die Stunde der Wahrheit" gekommen. "Jetzt hilft nur noch ein radikaler Kurswechsel. Solche Einschnitte tun weh wie alle schweren Operationen, aber aus Furcht vor Schmerzen nichts zu tun, wäre verantwortungslos", so der Text.

Müssen wir ihnen nicht dankbar dafür sein, daß sie ihr Geld für diese kostspielige Zeitungsanzeige aufwenden, um das Volk aufzurütteln?

Wer, wenn nicht diese ebenso klugen wie erfolgreichen Köpfe könnte besser wissen, was das Beste für die Menschen in Deutschland ist?

Wer, wenn nicht sie wüßte, wie das "Unternehmen Deutschland" in eine erfolgreiche Zukunft zu führen ist?

Wer, wenn nicht sie hat durch geradezu beispiellose Erfolge gezeigt, daß sie mit Geld umgehen können?

Wer, wenn nicht sie könnte die nun erforderlichen Schmerzen nachfühlen?

Doch halt - ist es nicht bei genauerer Betrachtung so, daß die Unterzeichner ebenso große Gefahr laufen, die von ihnen geforderten und als unbedingt erforderlich bezeichneten Schmerzen nachzufühlen, wie der Jockey, der sein Pferd bis aufs Blut peitscht, ums als Erster ins Ziel zu gelangen?

Ist es nicht vielmehr so, daß jeder einzelne der Unterzeichner den vollständigen Seitenpreis (Adobe Acrobat-Datei) von derzeit 45.008 Euro problemlos allein hätte tragen können ohne dafür auch nur eine Yacht verkaufen zu müssen?

Und ist es nicht schließlich auch so, daß die Unterzeichner genau auf der Seite der Vermögensschere stehen, die von solchen "Reformen", die das "Einkommen" der sozial Schwächsten noch weiter beschneiden, nur profitieren kann?





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