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Gaza: "ein nazi-mässiger Amoklauf"
05.10.2004








Angesichts des anhaltenden israelischen Vorgehens in Gaza, bei dem bisher mindestens 68 Palästinenser getötet worden sind, verglich der palästinensische stellvertretende Außenminister Abd Allah Abd Allah das israelische Verhalten mit "Nazi-Taktiken", berichtete Al-Jazeera am Dienstag.

Die Methoden Israels seien "nichts anderes als ein nazi-mässiger Amoklauf von Mord und Terror gegen eine wehrlose Zivilbevölkerung", so Abd Allah. "Israel schlachtet einfach unschuldige Zivilisten unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung ab. Ich weiß nicht, wieviel palästinensisches Blut den israelischen Durst stillen wird. Ich weiß nicht, wieviele palästinensische Kinder getötet werden müssen, um den Ausgleich für zwei jüdische Kinder zu schaffen, die vergangene Woche starben."

Schon in einem vorangegangenen Artikel hatte Al-Jazeera die Frage gestellt, ob Israel absichtlich palästinensische Zivilisten ins Visier nimmt.

"Die Zahl der zivilen Opfer übersteigt bei weitem die Zahl der getöteten Widerstandskämpfer. Hinsichtlich der Verletzten kann ich sagen, daß 99 Prozent von ihnen unschuldige Männer, Frauen und Kinder sind, die keine Verbindung zu den Feindseligkeiten hatten", sagte Isa Dhahir, der stellvertretende Bürgermeister von Jabalya.

Am Sonntag hatte Dhahir die israelische Armee beschuldigt, "bewußt und absichtlich" auf Zivilisten, insbesondere Kinder, zu schießen. "Eine Armee, die mit hochmoderner Technologie ausgerüstet ist, kann problemlos zwischen Kämpfern und Nichtkämpfern unterscheiden. Eine Armee, die eine in einem kleinen Auto durch eine belebte Straße fahrende Person treffen und ermorden kann, kann problemlos Kinder und Frauen von Widerstandskämpfern unterscheiden."

Seiner Aussage nach wurden bisher 35 palästinensische Zivilisten, darunter 10 Kinder, während der derzeitigen israelischen Militäraktion in Gaza getötet.

Das israelische Militär widersprach dieser Darstellung, gab allerdings zu, daß "einige Zivilisten" versehentlich getötet worden seien. "Die Terroristen benutzen Anwohner als menschliche Schutzschilde und die Zivilisten bezahlen den Preis dafür", sagte Yoav Mordechai, ein Oberst der israelischen Armee. Eitan Arusi, ein Sprecher des israelischen Militärs, sagte, daß es zu den israelischen Grundsätzen gehöre "so weit als möglich" nicht auf Zivilisten zu zielen.

Die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem ist in einer eigenen Untersuchung allerdings zu dem Schluß gekommen, daß 41 Prozent der Getöteten Zivilisten waren, "die sich in keiner Weise an den Kämpfen beteiligt haben". Außerdem seien 19 Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren von israelischen Soldaten getötet worden.

Diese Zahlen wurden von Arusi allerdings scharf bestritten. "Mir ist es egal, daß B'Tselem diese Zahlen genannt hat", sagte er gegenüber Al-Jazeera. Mit Ausnahme von etwa 10 Zivilisten und einem 65-jährigen Mann seien alle getöteten Palästinenser im Alter zwischen 20 und 40 Jahren gewesen, so Arusi. Die Frage, ob das israelische Militär jeden Mann in diesem Alter als rechtmäßiges Ziel erachte, ließ Arusi hingegen unbeantwortet.

Der von Arusi ebenfalls vorgebrachte Vorwurf, Palästinenser würden Fahrzeuge der Vereinten Nationen für den Transport von Waffen nutzen, wurde von Israel zwischenzeitlich zurückgezogen. Offenbar handelte es sich nicht um eine Qassam-Rakete, sondern um eine Tragbahre.

Abd Allahs Formulierung scheint trotz aller Brutalität kaum angemessen zu sein, zeigt aber nur zu deutlich die immer weiter wachsende Wut und Ohnmacht der palästinensischen Seite. Genau diese Ohnmacht ist es aber, die den Organisationen, die Israel hier vorgeblich versucht zu bekämpfen, immer neuen Zulauf verschafft.

Zwar hat der US-Außenminister Colin Powell Israel am Dienstag "gedrängt", die Militäraktion zu beenden, andererseits wurde eine Resolution des UN-Sicherheitsrats, die genau dieses Ende zum Ziel hatte, durch ein Veto der USA zu Fall gebracht.

Die von B'Tselem vorgelegten Zahlen stützen sicherlich den Vorwurf, daß zumindest keinerlei Rücksicht auf die palästinensische Zivilbevölkerung genommen wird. Ein Alter von unter 17 Jahren mag nicht unbedingt eine Beteiligung an Kampfhandlungen ausschließen, wenn aber 41 Prozent der Todesopfer Zivilisten sind, so kann dies kaum mit einzelnen "Versehen" begründet werden.





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