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"Wir sind Kollaborateure"
09.10.2004








Bereits am Mittwoch berichtete der britische Guardian von einem Gespräch mehrerer "irakischer Polizisten", daß der Journalist Ghaith Abdul-Ahad bei einer Fahrt in einem Polizeiwagen mitangehört hat.

Vor einigen Wochen begleitete der Journalist einen Konvoi von 60 Polizeiwagen und 6 Fahrzeugen der US-Marines auf dem Weg in die Stadt Latifiyah, 30 Kilometer südlich der Hauptstadt Baghdad, wo nach Waffen, Widerstandskämpfern und entführten Menschen gesucht werden sollte.

Die 8 Polizisten in dem Geländewagen, in dem er mitfuhr, standen unter dem Befehl eines Leutnants in den 20ern, der gerade seine Ausbildung in einem Ausbildungslager im jordanischen Amman unter US-Aufsicht beendet hatte.

Er stammte aus der Gegend um Latifiyah und wurde nervös, sowie sich die Fahrzeuge in Bewegung setzten, da er befürchtete, daß er von jemandem erkannt werden könnte. Als der Konvoi in einen Stau geriet und ihm zwei Männer vom Straßenrand verdächtig zuwinkten, begann er sein Hemd aufzuknöpfen und wandte sich an seinen Stellvertreter.

"Wenn die Mujaheddin auf Sie schießen, schießen Sie ja nicht zurück."

"Was soll das heißen, Sir?"

"Das heißt, Sie sollen keinesfalls zurückschießen, da es Mujaheddin, heilige Krieger, sind."

"Aber diese Leute schießen auf uns und versuchen ständig, uns zu töten", sagte sein Untergebener mit großen Augen, weil er nicht glauben konnte, was er hörte.

"Natürlich schießen sie auf uns! Wir sind Kollaborateure."

"Was soll das heißen, Sir?" wurde der Leutnant wieder gefragt.

"Wir arbeiten mit den Amerikanern, den ungläubigen Besatzern. Deshalb haben sie das Recht, uns zu töten."

"Aber wir stoppen die Kriminellen, verhaften diebe und schützen die Bürger - sollten Polizisten das nicht tun? Nennen Sie das Kollaboration?"

"Ja, weil die Polizei manchmal den Amerikanern hilft, Widerstandskämpfer zu verhaften."

"Aber diese Leute sind Terroristen. Sie töten und entführen Zivilisten."

"Zuerst einmal", so der Leutnant, "tötet der Widerstand keine Zivilisten, sie greifen nur die Amerikaner an. Sie versuchen, unser Land zu befreien. Zweitens entführen sie ausschließlich Juden."

"Und was ist mit all den Leuten, die durch Autobomben getötet werden? Sind sie auch Besatzer?", fragte der Offizier sichtlich wütend.

"Aber nein, diese Autobomben werden von dem Amerikanern und den Juden gelegt um das Ansehen des Widerstandes zu beschmutzen."

"Was ist mit den russischen Arbeitern, die an der Reparatur von Elektrizitätswerken gearbeitet haben? Sind das auch Juden und Kollaborateure?"

"Es ist so: der Widerstand verhaftet Leute und stellt Nachforschungen über sie an. Wenn sie in Ordnung sind, werden sie freigelassen und sie werden übrigens alle über den Islam unterrichtet und man gibt ihnen vor ihrer Freilassung einen Koran." - Eine Aussage, die sich tatsächlich mit dem Bericht von Simona Torretta deckt. - "Andernfalls werden sie getötet, wenn sie von dem Scharia-Gericht schuldig befunden werden."

Zu diesem Zeitpunkt war der Konvoi am Stadtrand von Latifiyah angekommen und der Leutnant, der jetzt ein buntes T-Shirt trug, sprang aus dem Auto und mischte sich unter die Menschen.

Dieses Gespräch zeigt, daß die von den USA aufgebaute und kontrollierte "irakische Polizei" wie auch die "irakische Armee" von Menschen durchzogen ist, die sich im Zweifelsfall für "die andere Seite" entscheiden. Im günstigsten Fall für die Besatzer haben diese Menschen ihren Dienst nur angetreten, um an einen der wenigen im Irak verfügbaren Arbeitsplätze zu gelangen, im ungünstigsten Fall, um Informationen zu sammeln.

Es wird aber auch einmal mehr deutlich, daß Sympathisanten der Widerstandskämpfer wie auch der Widerstand selbst alle Personen, die direkt oder indirekt mit den Besatzer zusammenarbeiten, als Kollaborateure betrachtet werden, genau wie dies in anderen solchen Konflikten wie beispielsweise Vietnam, Frankreich, Palästina oder auch Irland der Fall war beziehungsweise ist.

Auch die Ansicht des Leutnants, daß Verbrechen gegenüber Unschuldigen ausschließlich durch die Besatzer begangen werden, ist sicherlich bemerkenswert, belegt diese Glorifizierung des Widerstandes doch, wie groß der Haß auf die Besatzer ist.





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