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Dialog ohne Gesprächspartner
10.10.2004








Wie die Copenhagen Post am Freitag berichtete, ist der dänische Premierminister Anders Fogh Rasmussen in die Kritik geraten, weil er zu einem Gespräch über bessere Integration keine muslimischen Vertreter eingeladen hat.

Vielmehr enthält die veröffentlichte Einladungsliste die Namen von 22 Dänen und Einwanderern, von denen sich die meisten öffentlich vom Islam distanziert haben.

Der Direktor des dänischen Instituts im jordanischen Damaskus, Jørgen Bæk Simonsen, hat sich während seiner mehr als 20 Jahre als Wissenschaftler an der Universität von Kopenhagen mit den Entwicklungen der Integration beschäftigt.

"Wenn man nicht die Repräsentanten der muslimischen Einrichtungen in Dänemark einlädt, dann ist es nicht wirklich eine Einladung zum Dialog über Integration. Das ganze Treffen ist sinnlos. Bestenfalls wird er ein einseitiges Bild der Wirklichkeit bekommen. Wenn der Premierminister einen besseren Dialog möchte, muß er sich an jene wenden, die wirklich etwas zu sagen haben. Wenn er das nicht tut zeigt er damit, daß er nicht will, daß sie an der Integration teilnehmen", so Simonsen.

Nach Rasmussens Darstellung handelt es sich bei dem geplanten Gespräch nicht um ein "religiöses Treffen", sondern um ein informelles Treffen von Integrationsexperten. Wenn sich diese Integrationsexperten allerdings mehrheitlich öffentlich gegen den Islam ausgesprochen haben, so kann ein Treffen kaum dazu führen, einen umfassenden und unparteiischen Überblick zu gewinnen. Vielmehr soll hier durch die Auswahl der Teilnehmer anscheinend bereits das Ergebnis des Treffens beeinflußt werden.

Auch der Professor für Islamwissenschaft an der Universität von Birmingham in Großbritannien Jørgen S. Nielsen kritisierte diese Einseitigkeit scharf.

"Wenn man nicht Leute, die tatsächlich den Islam repräsentieren, zu einem solchen Dialog über bessere Integration einlädt, dann erscheint das schon fast lächerlich. Man kann nicht behaupten, sich mit Repräsentanten von Einwanderern und Flüchtlingen - von denen viele einen muslimischen Hintergrund haben - zu treffen, ohne Repräsentanten der muslimischen Einrichtungen einzuladen. All die Erfahrungen aus anderen Ländern haben gezeigt, daß man die muslimischen Führer ernst nehmen muß", so Nielsen, der jahrelang die Bemühungen der britischen Regierung verfolgt hat, einen Dialog mit Einwanderern und Flüchtlingen zu eröffnen.

Mit 180.000 Muslimen bei einer Gesamtbevölkerung von 5,4 Millionen stellt der Islam die zweitgrößte Glaubensrichtung in Dänemark dar. 95 Prozent der Dänen sind evangelisch-lutherisch.





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