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Hunger in Gaza
13.10.2004








Der israelische Militäreinsatz hat bisher nicht nur zum Tod von mindestens 116 Palästinensern - darunter zahlreiche Kinder - geführt, sondern einem Bericht Al-Jazeeras vom Dienstag zufolge auch zu ernsten Versorgungsproblemen, verursacht durch den Belagerungszustand.

Die Zahl der Palästinenser, die sich im Innern des israelischen Belagerungsrings im nördlichen Gaza-Streifen aufhalten, wird auf 15.000 geschätzt. Seit dem Beginn des israelischen Angriffs am 28. September haben sie keinen Zugang mehr zu Nahrungsmitteln und Krankenhäusern. Auch die Strom- und Wasserversorgung sind unterbrochen.

"Seit dem 6. Oktober sehen wir die Lage als zunehmend drastisch an", sagte Iyad Nasr, Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (ICRC) in Gaza.

"Die Menschen leiden unter einem Mangel an Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Der Bevölkerung ist es seit neun Tagen nicht erlaubt, ihre Häuser zu verlassen, um an Nahrungsmittel und notwendige Versorgungsgüter zu gelangen. Das widerspricht natürlich der 4. Genfer Konvention", so Nasr.

Den Genfer Konventionen zufolge muß ein Besatzer der Zivilbevölkerung Zugang zu Nahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs gewähren, wenn er ihre Bewegungsmöglichkeiten beschränkt. Sollte auch dies nicht gewährt werden, so muß der Besatzer selbst die Bevölkerung mit den entsprechenden Gütern versorgen oder zumindest zulassen, daß Hilfsorganisationen dies tun.

"Tatsächlich ist nichts von all dem passiert", sagte Nasr. "[Hunger] gibt es bereits. Wir reden hier von durchschnittlich sieben bis zehn Familienmitgliedern in einem Haus, also wer könnte Nahrungsmittelvorräte im Haus haben, die für mehr als zehn Tage reichen? Sie haben keinen Strom, also können die Nahrungsmittelvorräte nicht gelagert werden und sie gehen den Menschen aus."

Das israelische Militär behauptet zwar, eine "humanitäre Strecke" ausgewiesen zu haben, über die Hilfsorganisationen die Menschen versorgen könnten, dies wird von eben diesen Organisationen aber bestritten.

So sagte Hamada Bayari vom Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung Humanitärer Angelegenheiten (OCHA): "Es ist eine Katastrophe, es ist sehr problematisch. Das ICRC empfiehlt, daß sie niemand nutzt. Es ist sehr gefährlich."

Nasr berichtete, daß in einem Fall selbst Mitarbeiter des ICRC beschossen wurden, als sie versuchten, die Stromversorgung zu reparieren.

In einem anderen Fall wurden Mitarbeiter des Roten Halbmonds, der Schwesterorganisation des ICRC, von einem israelischen Panzer beschossen, als sie eine Familie mit Hilfsgütern versorgen wollten.

"Wir schickten einen Krankenwagen, um sie zu erreichen und nachdem die Israelis grünes Licht gegeben hatten, mußte das Team aussteigen und den Rest des Weges zu der Familie Fuß zurücklegen. Sie waren ungefähr 25 Meter von dem Haus entfernt, als ein Panzer begann, dicht neben sie zu schießen. Sie mußten sich auf den Boden fallen lassen und zu dem Haus kriechen", so Nasr.

Der Zugang des ICRC ist Nasr zufolge so stark beschränkt, daß bisher nur 250 Familien mit Nahrungsmitteln und Wasser versorgt werden konnten.

7.000 weitere Menschen benötigen "umgehend Hilfe", sagte er.





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