www.Freace.de
Impressum und Datenschutz


Nachrichten, die man nicht überall findet.




Ein Hauch von Vietnam
16.10.2004








Wie der US-amerikanische Clarion-Ledger am Freitag berichtete, haben sich 19 US-Soldaten geweigert, einen ihnen gegebenen Befehl auszuführen.

Es handelt sich dabei um ein Platoon (einen "Zug") der Reserve der US-Army.

Allerdings haben die Soldaten sich keineswegs wie die israelischen und die irakischen "Refuseniks" aus Gewissensgründen entschieden, den gegebenen Befehl zu verweigern, sondern weil sie den erhaltenen Auftrag als eine "Selbstmordmission" ansahen.

Sie weigerten sich am Mittwoch, einen Konvoi von Tanklastwagen in die irakische Stadt Taji zu fahren, weil die Fahrzeuge ihrer Meinung nach äußerst unsicher waren. Amber McClenny, eine der beteiligten Soldaten sagte in einer Nachricht auf dem Anrufbeantworter ihrer Mutter Teresa Hill, daß dem Konvoi außerdem nicht der sonst übliche Schutz durch Hubschrauber und Humvees zur Verfügung gestellt werden sollte.

Die Frau des Unteroffiziers Larry O. McCook berichtete, daß ihr Mann ihr gegenüber gesagt hatte, daß die Tanklastwagen in einem äußerst schlechten Zustand waren. Dies wurde von Teresa Hill bestätigt. Nach Aussage ihrer Tochter konnten die Fahrzeuge nicht mehr schneller als 60 km/h fahren. "Sie wußten, daß es eine 99-prozentige Wahrscheinlichkeit gab, daß sie angegriffen oder beschossen werden würden", so Hill.

Einer Erklärung des US-Militärs zufolge ist eine Untersuchung gegen die betreffenden Soldaten eingeleitet worden. Den Soldaten drohen unehrenhafte Entlassungen, Soldkürzungen und bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Dieser Vorfall ist sicherlich ein weiteres Indiz dafür, wie schwerwiegend die Probleme des US-Militärs im Irak bereits geworden sind. Wenn es nicht mehr möglich ist, Treibstoffkonvois - ohne deren Nachschub das Militär zum Stillstand kommen würde - zumindest einen Begleitschutz zur Verfügung zu stellen und die Fahrzeuge zu reparieren, so kann dies nur bedeuten, daß Soldaten und Material hierfür nicht zur Verfügung standen.

Hier könnte sich der Beginn einer Entwicklung abzeichnen, die den Irak noch näher an den Vietnamkrieg bringt. Soldaten, die von ihren zunehmend verzweifelten Vorgesetzten auf Selbstmordmissionen geschickt werden, verweigern diese Befehle. Sollte es auch zu Fällen kommen, in denen Soldaten sich derartiger Befehle mit Waffengewalt erwehren, sie also ihre Waffen gegen die eigenen Offiziere richten, so kann mit Sicherheit angenommen werden, daß das US-Militär alles daransetzen wird, daß derartige Fälle nicht an die Öffentlichkeit dringen.

Auch diese "Meuterei" ist offenbar nur durch Anrufe der betroffenen Soldaten an ihre Angehörigen, die sich wiederum an die Presse wandten, bekanntgeworden.





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail