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Bericht aus der belagerten Stadt
18.10.2004








Am Montag veröffentlichte die britische BBC den Bericht eines Reporters, der sich derzeit innerhalb der von den USA belagerten und täglich bombardierten Stadt Fallujah aufhält.



Die Stimmung in der Stadt ist finster.

Es ist der Beginn des Monats Ramadan, aber es kann nirgends gefeiert werden und es gibt keine Lebensmittel für Feiern.

Fallujahs beliebtestes Kebab-Restaurant war die Anlaufstelle, um am Ende des Tages das Fasten zu brechen - aber es wurde von den Amerikanern diese Woche bombardiert.

Viele Familien haben eine Pause in den Bombardierungen genutzt, um die Stadt zu verlassen.

Kämpfer sind in den östlichen und südlichen Gebieten in Gefechte mit US-Soldaten verwickelt. US-Positionen liegen etwa einen halben Kilometer von Fallujah entfernt.

Die Stadt wird nicht von einer einzelnen Miliz kontrolliert.

Verschiedene Stämme in der Stadt haben ihre eigenen Milizen, aber sie scheinen alle zusammenzuarbeiten, um die US-Soldaten abzuwehren.

Die Menschen in Fallujah sind sehr stammesbezogen - aber sie sind ebenso seit jeher sehr religiös und gerade jetzt ist der Glaube eine stärkere Bindung als die Familie.

Polizei und Milizen

Zwei Elemente regeln die Angelegenheiten der Stadt - die Polizei und die örtlichen Milizen.

Beziehungen zwischen den beiden sind gut - ich habe Polizisten auf den Straßen mit den Kämpfern plaudern gesehen.

Tatsächlich sind die Beziehungen zwischen einheimischen Kämpfern und der Polizei immer gut gewesen - ein vor einigen Monaten getroffenes Abkommen besagt, daß die Polizisten in der Stadt willkommen sind, solange sie keine Befehle von den Amerikanern entgegennehmen.

Es gibt mehr Polizisten auf den Straßen als üblich - möglicherweise, um das Eigentum von Anwohnern zu schützen, die die Stadt verlassen.

Aber die Gefahr von Plünderungen ist gering - die örtlichen Milizen sind dafür bekannt, hart mit Kriminellen umzugehen.

Keine ausländischen Kämpfer

Ich weiß von keinen ausländischen Kämpfern in Fallujah.

Wenn es hier Ausländer gibt, dann haben sie sich sehr gut unter die Einheimischen gemischt.

Früher kamen Ausländer häufig in die Stadt, aber viele von ihnen wurden im Rahmen eines Abkommens der Oberhäupter der Stadt mit der Regierung zum Verlassen gezwungen.

99 Prozent der Kämpfer hier stammen aus Fallujah.

Einheimische Stammesführer stehen jeder Art ausländischer Anwesenheit ablehnend gegenüber, da sie befürchten, es könnte sich um Spione handeln.

Vorräte aufgebraucht

Den Krankenhäusern sind die Vorräte ausgegangen und die meisten Menschen wissen das.

Aber trotzdem werden die Verletzten weiter dorthin gebracht - einfach, damit sie in der Nähe der Ärzte sind und etwas Trost erhalten.

Das irakische Gesundheitsministerium hat keinerlei zusätzliche Versorgungsgüter geschickt.

Auch die Nahrungsvorräte gehen zur Neige. Alle Geschäfte sind geschlossen.

Einige Menschen, die vor ein paar Tagen aus der Stadt geflohen sind, kehren zurück, weil ihnen die Nahrungsmittel ausgegangen sind.

Sie kommen sogar zurück, obwohl immer mehr Menschen versuchen, die Stadt zu verlassen.

Keine Frage der Religionsgemeinschaft

Die einfachen Leute in Fallujah möchten nach wie vor eine friedliche Lösung - aber sie wußten, daß der Krieg unvermeidlich ist, als Premierminister Iyad Allawi vor einigen Tagen sein Ultimatum aussprach.

Zu dem Zeitpunkt begannen sie, Nahrungsmittel zu horten.

Die Menschen glauben, sie würden angegriffen weil sie den US-Streitkräften während der Belagerung vor einigen Monaten schwere Verluste beigebracht haben.

Sie sagen, die Amerikaner würden sie angreifen, weil ihr Stolz verletzt sei. Sie sagen, sie wären von Rachsucht getrieben.

Die meisten Menschen in Fallujah glauben, daß die Regierung in Baghdad in zwei Lager gespalten ist.

Sie glauben, daß der Präsident Ghazi Yawer, ein Sunnit, die Fraktion anführt, die eine Verhandlungslösung der Krise anstrebt.

Auf der anderen Seite, sagen sie, steht Premierminister Allawi, ein Shiit, der glaubt, daß es nur eine militärische Lösung geben kann.

Aber viele Menschen in Fallujah, obwohl größtenteils Sunniten, lehnen das ab.

Sie sagen, Allawi mag zwar ein Shiit sein, aber das sei nicht der Grund dafür, daß er Krieg gegen Fallujah führt.

Sie glauben, daß er die Befehle zur Bombardierung der Stadt einfach deshalb gibt, weil die Amerikaner es so wollen.





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