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"Wahrnehmungen der Wirklichkeit"
22.10.2004








Am Donnerstag veröffentlichte das Programme on International Policy Attitudes (Programm für Internationale politische Stimmungen, PIPA) der US-University of Maryland die Ergebnisse einer Umfrage, denen zufolge noch immer fast drei Viertel der Anhänger des derzeitigen US-Präsidenten George W. Bush der Überzeugung sind, daß der Irak vor dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg durch die USA Massenvernichtungswaffen besessen oder an deren Herstellung gearbeitet hat.

Ebenso überzeugt zeigten sie sich, daß der durch die US-Invasion gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein Terroristen "erhebliche Unterstützung" gewährt habe - all dies im Gegensatz zu - zumindest theoretisch - allgemein bekannten Informationen und sogar Aussagen der US-Regierung selbst.

Selbst der Abschlußbericht des US-Waffeninspektoren im Irak unter Leitung von Charles Duelfer konnte hieran kaum etwas ändern. Obwohl auch er sagte, daß der Irak vor dem Krieg weder Massenvernichtungswaffen noch ein Programm zu deren Erlangung besessen hat, glauben trotzdem weiterhin 19 Prozent der Bush-Anhänger, daß der Irak Massenvernichtungswaffen besessen hat. Weitere 38 Prozent glauben, daß es zumindest großangelegte Programme gab, um an Massenvernichtungswaffen zu gelangen. Insgesamt 57 Prozent - mehr als die Hälfte - der Bush-Anhänger haben also anscheinend einen vollständig anderen Bericht gelesen. Aber selbst 23 Prozent der Anhänger John Kerry fallen in diese Kategorie.

Ebensowenig hat offenbar der Abschlußbericht der "Untersuchungskommission" zu den Anschlägen vom 11. September 2001, dem zufolge es keinerlei Beweise dafür gibt, daß der Irak "Al-Qaida" unterstützt hat, die Bevölkerung erreicht. 75 Prozent der Bush-Anhänger sind weiterhin der Ansicht, daß der Irak "Al-Qaida" in erheblichem Maße unterstützt habe. 63 Prozent glauben, daß dafür eindeutige Beweise gefunden worden seien. 20 Prozent glauben sogar, daß der Irak direkt an den Anschlägen vom 11. September 2001 beteiligt gewesen ist. Aber auch 30 Prozent der Kerry-Anhänger glauben noch immer an eine Unterstützung "Al-Qaidas" durch den Irak.

Die Tatsache, daß 56 Prozent der Bush-Anhänger glauben, daß nach Meinung der "Untersuchungskommission" der Irak direkt an den Anschlägen beteiligt war oder Al-Qaida zumindest tatkräftig unterstützt hat, zeigt, wie groß das Mißverhältnis zwischen "gefühlten Informationen" und der tatsächlichen Wirklichkeit sind.

Die Befragten zeigten sich auch mit einer überwältigenden Mehrheit von 83 Prozent überzeugt, daß die Bush-Regierung derzeit sage, der Irak habe direkt vor dem Krieg Massenvernichtungswaffen besessen. Dies verdeutlicht, wie erfolgreich die dahingehende Propaganda der US-Regierung war. Tatsächlich ist dieser Wert gegenüber Umfragen im August sogar leicht angestiegen.

58 Prozent der Bush- und 92 Prozent der Kerry-Anhänger sind der Ansicht, daß der Krieg nicht hätte geführt werden sollen, hätten die US-Geheimdienste vorher festgestellt, daß der Irak weder Massenvernichtungswaffen besaß noch Al-Qaida unterstützte.

Anhand dieser Zahlen - und auch aufgrund vorangegangener Studien - ist es kaum noch verwunderlich, daß 57 Prozent der Bush-Anhänger glauben, daß die Menschen weltweit mehrheitlich Bush als Sieger in den kommenden Präsidentschaftswahlen bevorzugen würden. 51 Prozent der Bush-Anhänger glauben sogar, daß die Mehrheit der Menschen in islamischen Ländern die "Anstrengungen der USA im Kampf gegen den Terrorismus" befürworten.

Mehrheiten der Bush-Anhänger glauben auch, daß Bush internationale Verträge und andere Abkommen unterstützt, obwohl das Gegenteil der Fall ist.

So glauben 69 Prozent an eine Unterstützung des Atombombenteststopvertrags. Beim Vertrag, der den Einsatz von Landminen verbietet sind es 72 Prozent, 51 Prozent beim Kyoto-Klimaschutzabkommen, 74 Prozent glauben, er würde Arbeitsrecht und Umweltschutz beim Abschluß von Handelsabkommen befürworten und 53 Prozent glauben, er würde den Internationalen Strafgerichtshof befürworten.

Was von dem Bericht als unterschiedliche "Wahrnehmungen der Wirklichkeit" bezeichnet wird, ist doch tatsächlich eher eine vollständige Verleugnung derselben. Vom psychologischen Standpunkt mag hier die Frage interessant sein, ob derart uninformierte Menschen zu Bush-Anhängern werden oder ob Bush-Anhänger die Augen vor der Wirklichkeit verschließen, letztlich ausschlaggebend ist aber, wie groß die Zahl derjenigen Menschen, die ein derart falsches Bild der Wirklichkeit haben, ist.





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