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Der namenlose Erfolg
23.10.2004








Am Samstag berichteten die Agenturen unter Berufung auf das US-Militär, daß ein ranghohes Mitglied der "Terrororganisation von Abu Musab al-Zarqawi" in Fallujah (Falludscha) verhaftet worden sei.

Bei genauerer Betrachtung kann diese Meldung allerdings nur als Propaganda bezeichnet werden. Einerseits soll hierdurch offenbar die Behauptung der USA, al-Zarqawi würde sich in Fallujah aufhalten, gegenüber immer lauter werdenden Aussagen der Bevölkerung der Stadt, in denen dies bestritten wird, verteidigt, andererseits aber auch ein "Erfolg" im "Krieg gegen den Terror" geliefert werden.

Allein die Umstände der "Gefangennahme" können kaum als glaubwürdig bezeichnet werden. Vorgeblich ist er - "zusammen mit fünf weiteren Terroristen" - im Süden Fallujahs gefangengenommen worden. Nun wird zwar Fallujah seit Wochen vom US-Militär belagert und seit Monaten aus der Luft bombardiert, die Stadt selbst kann von den US-Soldaten aber aufgrund des massiven Widerstands nicht betreten werden. Zwar wäre es sicherlich denkbar, daß ein Haus am Stadtrand von einer Kommandoeinheit erstürmt worden ist, eben aus diesem Grund scheint es allerdings auch äußerst unwahrscheinlich, daß sich eine angeblich derart große und durchorganisierte Terrororganisation wie "Tawhid wal Jihad" ausgerechnet ein Haus am Stadtrand als Basis wählen würde.

Auffällig ist sicherlich auch, daß das US-Militär keinerlei weiteren Angaben zur Person des vorgeblich "hochrangigen Terroristen" gemacht hat. Weder sein Name noch seine Position in der "Terrororganisation" wurden mitgeteilt.

Einer AP-Meldung zufolge sagten Geheimdienstquellen sogar, man habe bisher angenommen, er sei ein unwichtiges Mitglied der Organisation. Da aber so zahlreiche Mitglieder von "Tawhid wal Jihad" gefangengenommen oder getötet worden seien, sei er in der Rangfolge aufgestiegen. Bei den in Fallujah durch US-Bomben getöteten "Terroristen" handelt es sich allerdings zumindest zum überwiegenden Teil um Zivilisten. Es scheint zumindest wenig wahrscheinlich, daß Kinder Mitglieder von Terrororganisationen sind.

Auch stellt sich hier die Frage, woher das US-Militär weiß, daß es sich bei dem vorgeblich Gefangengenommenen um ein "hochrangiges" Mitglied handelt, wenn der US-Geheimdienst selbst bisher vom Gegenteil überzeugt war. Der Gedanke, daß er die angreifenden US-Soldaten mit den Worten "Ich bin der Großwesir des Terrorkönigs, ihr habt nicht das Recht mich gefangenzunehmen" mag zwar eine gewisse Komik haben, scheint aber kaum überzeugend.

Daß es dem US-Militär trotzdem gelungen ist, eine solche Ansammlung nicht vorhandener Informationen und offensichtlicher Widersprüche als Erfolgsmeldung in die Medien zu bringen, belegt ein weiteres Mal, daß diese ihre kritische Rolle in weiten Teilen aufgegeben haben und bereit sind, Propagandameldungen unkritisch zu übernehmen.





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