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Nationalheld oder Söldner?
23.10.2004








Einem Bericht der italienischen la Repubblica vom Donnerstag zufolge hat ein italienischer Richter keinen Zweifel daran gelassen, daß es sich bei dem im Irak getöteten Fabrizio Quattrocchi um nichts anderes als einen Söldner gehandelt hat.

Quattrocchi war zusammen mit drei anderen Italienern von einer - vorgeblich - irakischen Gruppe gefangengehalten worden und schließlich durch einen Genickschuß getötet worden, was auf Video aufgezeichnet und den Medien zur Verfügung gestellt worden war. Diese weigerten sich allerdings, die Bilder auszustrahlen. Die drei anderen Gefangenen, Cupertino, Stefio und Agliana waren am Ende nach 56 Tagen freigelassen worden.

In einem Verfahren, bei dem es um die Auswanderung von Giampiero Spinelli ging und diese verweigert wurde, schrieb der Untersuchungsrichter Giuseppe De Benedictis: "Sie waren reguläre Helfer der Koalitionstruppen und dies erklärt das Verhalten ihrer Geiselnehmer - auch wenn es dies nicht rechtfertigt." Dieses Urteil wurde später vom gleichen Gericht aufgehoben.

Spinelli ist ein Freund Cupertinos, gegen den wegen der Anwerbung und Bewaffnung von Personen ohne die Genehmigung eines anderen Landes ermittelt wird.

Spinelli hatte dem Urteil zufolge Italiener in dem Ort Sammichele di Bari mittels des Unternehmens "Presidium Corporation", das anscheinend "ein Übungs- und Anwerbungslager für Söldner (oder schlimmeres, wie sich angesichts der Wahl einer Steueroase als Firmenhauptsitz vermuten läßt)" ist. Salvatore Stefio war demnach eine Hauptfigur dieses Unternehmens.

Spinelli wird vorgeworfen, "zusammen mit anderen Personen" persönlich Umberto Cupertino und Maurizio Agliana in Sammichele di Bari angeworben zu haben, um "auf irakischem Gebiet den ausländischen (amerikanischen und britischen) Streitkräften zu dienen und mit ihnen gegen ausländische bewaffnete Gruppen zu arbeiten."

Nach Ansicht des Richters haben es die Ermittlungen "ermöglicht, die Wahrheit der unmittelbar nach der Geiselnahme aufgestellten Hypothese, daß vier Italiener auf irakischem Gebiet als Söldner oder zumindest als 'Gorillas' zum Schutz von Geschäftsleuten in dem aufgewühlten Land aufgetreten sind."

Der Richter bezog sich dabei vor allem auf die Aussage von Paolo Casti, der aussagte, daß die Männer "die Befugnis hatten, Leute anzuhalten und zu kontrollieren und, wenn nötig, das Feuer zu eröffnen, wann immer und ausschließlich wenn es sich um einen bewaffneten Angriff handelte."

Die Betroffenen bestreiten dies. So sagte Agliana: "Das ist nicht wahr. Wir waren im Irak im Rahmen eines Vertrags eines privaten Sicherheitsunternehmens, offensichtlich innerhalb des Programms der Koalitionsstreitkräfte. Mehr nicht." Auch Stefio sagte: "Ich sage es nochmal: wir waren jederzeit Sicherheitsmitarbeiter."

Nach der Erschießung war Quattrocchi von den italienischen Medien als Held hochstilisiert worden. Unter Berufung auf den italienischen Außenminister Franco Frattini, der als einziger die Aufzeichnung der Tötung Quattrocchis gesehen hatte, berichteten die Medien, daß er sich vor seiner Tötung die Kapuze vom Kopf gezogen und gesagt habe "Ich werde euch zeigen, wie ein Italiener stirbt."

Während diese vorgeblichen letzten Worte Quattrocchis genutzt wurden, um ihn als Held darzustellen, läßt die Urteilsbegründung des Richters De Benedictis keinen Zweifel daran, daß es sich bei ihm um einen gewöhnlichen Söldner gehandelt hat.





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