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Der Preis der Söldner
27.10.2004








Ein am Montag im Lexington Herald-Leader veröffentlichter Artikel beleuchtet eingehend die Kosten, die die zahlreichen Söldner im Irak den USA verursachen.

Ausgangspunkt für die Recherchen war der Tod des Söldners Jerko "Jerry" Zovko zusammen mit den anderen Söldnern Scott Helvenston, Wesley Batalona und Michael Teague in der irakischen Stadt Fallujah. Ihr Tod, die "Mißhandlung" ihrer Leichen und das Aufhängen einiger der Leichen an einer Brücke hatten zu einem internationalen Aufschrei geführt und das massive Vorgehen des US-Militärs gegen die Stadt ausgelöst.

Zovko war von dem "Sicherheitsunternehmen" Blackwater Security Consulting angestellt worden und erhielt für die Bewachung von Konvois im Auftrag des Pentagons 600 US-Dollar täglich von Blackwater. Sein Jahresgehalt von über 180.000 US-Dollar ist aber nur ein Bruchteil dessen, was er das Pentagon schließlich gekostet hat - und die 20.000 anderen immer noch kosten.

Bevor das Pentagon schließlich die Rechnung für Zovkos Dienste erhielt wurden diese noch drei Mal anderen Unternehmen weiterberechnet, jedes Mal zuzüglich Kosten und eines stattlichen Gewinns.

So wurden aus den 600 US-Dollar, die Zovko erhielt, in der Rechnung Blackwaters an Regency Hotel & Hospital Co., ein Unternehmen mit Sitz in Kuwait, das vom Besitzer des Regency Hotels in Kuwait geführt wird, bereits 815 US-Dollar. In getrennten Rechnungen wurden außerdem weitere Kosten wie Versicherungen, Unterkunft, Waffen, Munition, Fahrzeuge und Steuern berechnet.

Regency stellt daraufhin Rechnungen an ESS (früher Eurest Support Services), ein Tochterunternehmen der Compass Group. Jameel al-Sane, Besitzer des Regency Hotels und sein Partner, Robert "Tim" Tapp, der 17 Jahre lang Soldat der US-Army war, verweigerten Kommentare hierzu.

Kathy Potter, eine frühere Mitarbeiterin des Blackwater-Büros in Kuwait, nannte allerdings Zahlen.

"Tim und Jameel machten Dinge wie ESS eine Summe zu berechnen, sagen wir 1.500 US-Dollar pro Mann und Tag und dann Blackwater zu sagen, sie hätten 1.200 US-Dollar berechnet", sagte sie.

ESS wiederum stellt eine Rechnung an KBR (Kellog, Brown & Root), eine Abteilung von Halliburton. Die Höhe dieser Rechnungen ist nicht bekannt, es ist aber von einem vergleichbaren Aufschlag auszugehen.

"Jegliche Vertragsdetails zwischen Compass/ESS und seinen Lieferanten und Angestellten sind vertraulich und wir verfolgen eine Politik der Geheimhaltung", so Mike Moore Geschäftsführer von ESS im Mittleren Osten in einer E-Mail.

Nach eigenen Angaben kennen weder die US-Army noch die US-Regierung die Höhe der Zahlungen von KBR an ESS.

KBR/Halliburton schließlich stellt dem Pentagon die Rechnung. Die Vertragsgestaltung hierbei zeigt, wie gut es die US-Regierung mit Halliburton meint. Dem Unternehmen werden "alle Kosten" zuzüglich eines Gewinnaufschlags von 2 Prozent bezahlt. Dies wird als "cost-plus" bezeichnet.

Henry Bunting, ein ehemaliger Einkäufer bei Halliburton, berichtete, daß er im Jahr 2003 von KBR-Managern häufig einen Satz hörte: "Machen Sie sich keine Sorgen um den Preis. Es ist cost-plus."

Im Rahmen dieses "cost-plus"-Vertrags hat Halliburton bisher 7,2 Milliarden US-Dollar erhalten.

"Es steht außer Frage, daß der Steuerzahler aufs Kreuz gelegt wird", so Bunting. "Es gibt keinen Anreiz für KBR oder deren Auftragnehmer, die Kosten zu senken. Gleichgültig, was es kostet, KBR bekommt 100 Prozent zurück, zuzüglich der Gemeinkosten, zuzüglich ihres Gewinns."

Ein Soldat der US-Army mit Zovkos Erfahrung und Dienstrang erhält jährliche Bezüge von insgesamt etwas 38.000 US-Dollar. Vorsichtig geschätzt kostete Zovko das Pentagon 2.500 US-Dollar - täglich. Also 780.000 US-Dollar pro Jahr. Zu diesem Preis ließen sich 20 Soldaten bezahlen.

Auch das mögliche Argument, ein Soldat müßte auch aufwendig ausgebildet werden, kann hier nicht gelten. Tatsächlich ist Zovko von der US-Army ausgebildet worden. Er war mit 19 Jahren der US-Army beigetreten und verließ diese acht Jahre später im Jahr 2001 als Unteroffizier.

Der Grund für die Beauftragung von "privaten Sicherheitsmitarbeitern" - Söldnern - kann also sicher nicht wirtschaftliche Gründe haben.

Ein Vorteil für die US-Regierung liegt sicherlich darin, daß ihr Einsatz politisch kaum beachtet wird. Weder müssen weitere Reservisten eingezogen werden, noch erhöht ihr Tod die offiziellen Verluststatistiken.

"Wir brauchen keine weitere Division - wir haben 20.000 private Militärvertragspartner", so P.W. Singer, ein Experte für "private Vertragspartner" und das Militär am Brookings Insitute in Washington. Er kritisiert aber auch den "cost-plus"-Vertrag. "Eine cost-plus-Struktur steht allen Lehren der freien Marktwirtschaft entgegen", sagte er. "Sie ist überreif für Mißbrauch ... und indem man sie ineinander verschachtelt macht man es noch schlimmer."

Genau hier liegt aber der zweite große Vorteil für die US-Regierung - oder zumindest einzelne Personen.

Der US-Vizepräsident Richard "Dick" Cheney ist ehemaliger Vorstandsvorsitzender Halliburtons. Eine Rückkehr in den Konzern nach seinem Amtsende ist alles andere als unwahrscheinlich. Außerdem hat er ein ganz persönliches Interesse am finanziellen Wohlergehen des Konzerns, da der größte Teil seines Vermögens in ein Unternehmen investiert ist, das der zehntgrößte Anteilseigner Halliburtons ist.





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