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Bürgerkrieg in Thailand?
27.10.2004








Nachdem am Montag in Thailand bei einer Demonstration 85 Menschen durch die Staatsgewalt getötet wurden, verdichten sich einem Bericht Al-Jazeeras vom Mittwoch zufolge die Anzeichen für ein Wiederaufflammen der gewaltsamen Abspaltungsbestrebungen des muslimischen Südens.

Die Demonstration war durch die Verhaftung von sechs muslimischen Sicherheitsbeamten ausgelöst worden, denen vorgeworfen wurde, im Süden Thailands, wo es in diesem Jahr bereits zu bewaffneten Abspaltungsversuchen gekommen ist, Waffen an Separatisten ausgehändigt zu haben.

Wie AP berichtete, wurden die Demonstranten von thailändischen Polizisten und Soldaten erst mit Wasserwerfern und Tränengas angegriffen und anschließen gezwungen, mit entblößten Oberkörpern auf der Straße zu Lastwagen zu kriechen, während sie getreten und mit Gewehrkolben geschlagen wurden.

Insgesamt 1.300 Menschen waren von den thailändischen Sicherheitskräften gefesselt und in sechs Armeelastwagen verfrachtet worden. Augenzeugenberichten lagen die Menschen in den Lastwagen in bis zu sechs Schichten. In den Lastwagen starben 78 Menschen.

Nach Aussage eines Gerichtsmediziners des Justizministeriums ist die Mehrzahl der Opfer erstickt. Einige starben an Wassermangel und mindestens zwei an gebrochenen Genicken.

"Dies ist ein tragisches und wirkliches Massaker eine Gruppe von Menschen, die nur friedlich demonstrierten und dies wird eine große Wirkung auf die Gefühle der Menschen im südlichen Thailand haben", sagte Muhammad Hatta, der Vorsitzende des Komitees für ausländische Angelegenheiten der Parti Islam se-Malaysia (PAS) im angrenzenden Malaysia. "Dieser Vorfall wird zu weiterer Instabilität und Unzufriedenheit führen und wir sind sehr besorgt, daß sich die Menschen gegen die Regierung erheben."

Tatsächlich hat sich bereits eine Separatistenorganisation gemeldet, die auf einer Website Vergeltung angedroht hat.

"Ihre Hauptstadt wird ebenso niedergebrannt werden, wie die Hauptstadtt Pattanis verbrannt worden ist", so die Vereinigte Pattani Befreiungsorganisation (PULO). Die seit den 80er Jahren nicht mehr auffällig gewordene und im Ausland beheimatete Organisation kämpfte in den 70er und 80er Jahren für ein unabhängiges muslimisches Gebiet Pattani im Süden Thailands und im Norden Malaysias. Die drei Provinzen Narathiwat, Yala und Pattani waren bis 1902, als sie von Thailand annektiert wurden, Teil des unabhängigen muslimischen Königreichs Pattani.

Während der thailändische Premierminister Thaksin Shinawatra das Vorgehen der Behörden als "sanften Ansatz" bezeichnete, da "nicht ein einziger Schuß abgefeuert worden" sei, starben in Wahrheit mindestens 7 Menschen durch Schüsse von Polizei und Militär.

Thaksin sprach in einer Rede vor dem thailändischen Senat zwar sein "Bedauern" aus und sagte ein Untersuchung zu, bestand aber darauf, das Vorgehen des Militärs zu verteidigen und vermied eine Entschuldigung.

Mehrere Abgeordnete griffen ihn infolge dessen scharf an.

"Sie müssen erklären, wie 78 starben, während sie in staatlichem Gewahrsam waren, dieser Fall ist eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte und beschädigt das Ansehen des Landes", so Senator Kaewsan Atipote.

Die Tatsache, daß sich dieser Vorfall während des muslimischen Fastenmonats Ramadan ereignete, ist sicherlich nicht dabei hilfreich, die wachsenden Spannungen zu mindern.

Dies brachte auch der Premierminister Malaysias, Abdullah Ahmad Badawi in einem Gespräch mit seinem thailändischen Amtskollegen zum Ausdruck. "Ich habe [unsere Befürchtungen] zum Ausdruck gebracht, daß Vorfälle wie dieser im Monat Ramadan zu einer Menge ... Wut und Feindseligkeit innerhalb der Mitglieder der Gemeinschaft führen kann", sagte er.

Auch wenn bisher nicht klar ist, inwieweit die Drohung der PULO ernstzunehmen ist, so wird der tod der 85 Menschen doch in jeden Fall dazu beitragen, die Spannungen zwischen dem Süden des Landes und dem Rest Thailands zu verstärken und den militanten Separatisten weiteren Zulauf sichern.





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