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Die Angst vorm bösen Raubkopierer
28.10.2004








So ein Raubkopierer muß schon ein abstoßendes Subjekt sein. Vor dem geistigen Auge tauchen bei diesem Begriff unwillkürlich Bilder aus Stanley Kubricks "Uhrwerk Orange" auf, nur daß sich die Täter nicht mit vergewaltigen und morden begnügen, sondern auch noch die DVD-Sammlung ihrer Opfer kopieren.

Offenbar wird dieses Horrorszenario gern weiter bedient. So titelte der Spiegel am Mittwoch "Immer mehr illegal gebrannte DVDs".

Erstaunlicherweise sagte allerdings der Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA), Peter Dinges, bei der Vorstellung der diesjährigen "Brenner-Studie", daß die "Explosion von Kopien, die man auf Grund des stark verbesserten und flächendeckenden Equipments vermuten könnte, verhindert wurde". Mehr noch, die Filmwirtschaft könne "sich über einen ersten Etappensieg freuen", so Dinges.

Das klingt eigentlich gar nicht so dramatisch und führte bei Heise auch zu dem Titel "Brenner-Studie: Aufatmen bei der Filmwirtschaft".

Betrachtet man die Zahlen der Studie genauer, so muß sogar von einem relativen Rückgang gesprochen werden. Zwar ist die Zahl der "aus dem Internet heruntergeladenen Filme" - inwieweit es sich hierbei um urheberrechtlich geschützte Filme handelt, ist völlig unklar - in den ersten acht Monaten dieses Jahres gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahrs um 10 Prozent auf 14,6 Millionen gestiegen - wobei auch diese Zahl nur auf eine Hochrechnung basierend auf den Befragten ist - die Kinos verzeichneten aber zwischen Januar und September einen Zuwachs von 12,53 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bereits für das Jahr 2003 meldete die GfK einen Anstieg des Umsatzes durch Verkauf und Vermietung von Bildtonträgern um 11 Prozent auf 1,555 Milliarden Euro. Ausgehend von einem durchschnittlichen Kaufpreis von 15 Euro also rund 100 Millionen Exemplare. Die Ausleihvorgänge wurden nochmals mit 113,6 Millionen - was allerdings ein Abfall um 13 Prozent war - angegeben.

Noch bemerkenswerter wird dieser Anstieg um nur 10 Prozent bei den "heruntergeladenen Filmen" angesichts der Tatsache, daß sich die Zahl der DVD-Brenner in den Haushalten im gleichen Zeitraum auf 3,1 Millionen mehr als verfünffacht hat. Dieses offenbar gesunkene Interesse spiegelt sich auch in der Nutzung der DVD-Rohlinge wieder. So wurden im Vorjahr der Studie zufolge 71 Prozent der DVD-Rohlinge mit Spielfilmen und Kinofilmen bespielt, für dieses Jahr wird diese Zahl auf nur noch 55 Prozent geschätzt.

Nach dem Ursprung der gebrannten Spielfilme/Kinofilme befragt, antworteten in diesem Jahr 42 Prozent "Internet-Tauschbörsen", 59 Prozent "bereits kopierte Spielfilm-CD/Spielfilm-DVDs", 54 Prozent "Original-Spielfilm-DVDs" und 29 Prozent "Spielfilme oder Sendungen aus dem Fernsehen" - offenbar waren hier Mehrfachantworten zulässig.

Das Aufzeichnen von Sendungen aus dem Fernsehen für den eigenen Gebrauch fällt vollständig unter das Recht der Privatkopie - oder was davon übrig ist.

Die Quellen "Internet-Tauschbörsen" und "bereits bestehende Kopien" - die wiederum zu einem großen Teil aus Internet-Tauschbörsen stammen - erfüllen kaum das so beliebte Szenario der Filmindustrie, daß es sich hierbei um "Eins-zu-Eins"-Kopien handelt. Vielmehr liegen diese häufig - im Vergleich mit dem Original - in einer äußerst schlechten Qualität vor. Diese mangelhafte Qualität läßt sich dann allerdings tatsächlich "Eins-zu-Eins" kopieren.

Die Aussage, das "Brennen von Content jeglicher Art ist mittlerweile ein Massenphänomen, jeder dritte Deutsche ab 10 Jahren hat sich im 1. Halbjahr 2004 Inhalte gebrannt/brennen lassen" zeigt nur zu deutlich, wie hier eine notleidende Industrie beschworen werden soll. In einer der Fragen werden "Inhalte" als "Musik, Fotos, Filme, etc." definiert. Tatsächlich weist die Studie sogar ausdrücklich darauf hin, daß "vor allem das Brennen von Fotos stark zunimmt."

Der Grund hierfür ist angesichts der immer weiter steigenden Verkaufszahlen von Digitalkameras nicht schwer zu erraten, wird aber offenbar gern verschwiegen.

Zweifellos ist das Anfertigen von Kopien urheberrechtlich geschützter Werke - nicht zuletzt "dank" deutlicher Verschärfungen der entsprechenden Gesetze zugunsten der Rechteinhaber und zu Lasten der Bürger - in vielen Fällen unzulässig. Auch verursacht es in vielen Fällen - sicherlich nicht in allen, wie dies gern glaubengemacht wird, da häufig eben andernfalls der Film nicht angesehen werden würde - einen wirtschaftlichen Verlust für den Rechteinhaber. Wegen des wirtschaftlichen Verlustes der Bürger durch Preisabsprachen wurde zwar schon "ermittelt", zu einem vergleichbar kompromißlosen Vorgehen hiergegen hat dies allerdings bisher nicht geführt.





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