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UN wartet auf Entschuldigung
02.11.2004








Obwohl die israelische Regierung nur wenige Tage nach der Anschuldigung, ein Krankenwagen des Hilfswerks der Vereinten Nationen für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) sei zum Transport einer Qassam-Rakete genutzt worden, zugeben mußte, daß es sich in Wahrheit um eine Tragbahre gehandelt hat, hat sich Israel bisher nicht bei dem Leiter der UNRWA, Peter Hansen, entschuldigt. Vielmehr werden bereits neue Vorwürfe von Israel vorgebracht, allerdings nicht mehr öffentlich.

Einem Bericht Al-Jazeeras vom Dienstag zufolge sagte er vor der Präsentation seines Jahresberichts vor der UN-Generalversammlung am Montaggegenüber Journalisten : "Ich habe um eine Entschuldigung gebeten. Ich habe nie eine erhalten und ich warte weiterhin auf eine, wenn auch nicht mit angehaltenem Atem."

"Sie bezeichnen mich als Israel-Hasser", wurde Hansen von AP zitiert. "Wenn sie eine Karikatur von mir zeichnen, sollte die Karikatur eine gewisse Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit haben. Ich kann keine Ähnlichkeit mit der von ihnen gezeichneten Karikatur von mir entdecken, wenn ich mich im Spiegel betrachte."

Die Sprecherin der israelischen UN-Botschaft, Anat Friedman, sagte, Israel würde nicht auf Hansens Bemerkungen antworten und wollte auch nicht darauf antworten, ob er von israelischer Seite als Hauptproblem betrachtet würde. Außerdem sei keine Entschuldigung notwendig, so Friedman.

"Wir hoffen, mit der Behörde [der UNRWA] zu arbeiten und wir antworten ihm nicht persönlich", sagte sie.

Tatsächlich schrieb Uri Avnery bereits im vergangenen Monat, daß der israelische Premierminister "Sharon die UNRWA zerstören möchte", weil sie durch ihre Hilfen die Bestrebungen "Sharons und seiner Generäle, den Widerstand der Palästinenser zu brechen, indem sie ihnen das Leben zur Hölle machen" behindern.

Im Juli ist sogar ein UN-Konvoi, in dem sich auch Peter Hansen befand, von israelischen Soldaten beschossen worden.

Statt einer Entschuldigung erhebt Israel Hansen zufolge bereits neue Vorwürfe gegen die UNRWA. Demnach werden in einer den Außenministern von mindestens vier Ländern gezeigten Diashow 29 Anschuldigungen erhoben.

"Unnötig zu sagen, daß niemand aus Israel uns jemals diese Diashow gezeigt hat", so Hansen. "Wir würden gern sehen, wie Israel dies öffentlich tut und die Anschuldigungen gegen uns direkt, offen und ehrlich vorbringt." Seiner Aussage nach könnten sämtliche Anschuldigungen - die auch von ihm nicht genannt wurden - durch die UNRWA widerlegt werden.

In seinem Jahresbericht selbst betonte Hansen die schwerwiegenden Folgen nicht nur des massiven militärischen Vorgehens Israels, sondern auch der "Mauer".

"Letztes Jahr habe ich mich besorgt über den Bau 'der Mauer/des Zauns' in der West Bank gezeigt. Ich hätte Angst zum Ausdruck bringen sollen. Diese 'Trennungsbarriere' hat eine äußerst nachteilige Wirkung auf die palästinensische Bevölkerung und die Operationen der UNRWA. Flüchtlingsfamilien werden von ihrem Ackerland getrennt und der Zugang zu Schulen und Gesundheitseinrichtungen ist schwieriger. Das Genehmigungssystem für die 'Randzone' besteht aus 13 unterschiedlichen Arten von Genehmigungen. Anwohner benötigen Genehmigungen um in ihren eigenen Häusern zu leben, manche von ihnen sind nur drei Monate gültig", so Hansen in seinem Bericht.

Darüberhinaus wirft er Israel vor, bei seinen Militäroperationen nicht nur Eigentum der UNRWA zu zerstören, sondern auch weder Schadensersatzforderungen folge zu leisten oder auch nur auf diese zu antworten.

"Einfälle der israelischen Armee haben zur Zerstörung von Ausrüstung in Schulen, Ausbildungszentren und Gesundheitseinrichtungen der UNRWA geführt. Diese Einrichtungen wurden außerdem von der israelischen Armee besetzt und zeitweise als Gefängnisse und Verhörzentren benutzt. Angestellten der UNRWA wurde regelmäßig aus nichtgenannten Gründen die freie Bewegung in und aus dem Gaza-Streifen, häufig für lange Zeit, untersagt.

Im Berichtszeitraum wurden 34 Mitarbeiter aus der West Bank und dem Gaza-Streifen von den israelischen Behörden verhaftet und 23 befinden sich derzeit in Gefangenschaft. In den meisten Fällen wurden der UNRWA keine ausreichenden oder rechtzeitigen Informationen hinsichtlich der Gründe für die Verhaftungen/Inhaftierungen ihrer Mitarbeiter gegeben und ihr wurde systematisch der Zugang zu ihnen verweigert", so der Bericht.

Israel vernichtet also Eigentum einer den Vereinten Nationen direkt unterstehenden Organisation und verhaftet deren Mitarbeiter. Allein dies reicht sicherlich aus, um die Vorwürfe Israels gegenüber der UNRWA als völlig unglaubwürdig erscheinen zu lassen.





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