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Die gewollte Plünderung
05.11.2004








Ein Bericht der Los Angeles Times vom Donnerstag kann kaum noch einen Zweifel daran lassen, daß die Plünderung der irakischen Anlage Al-Qaqaa, bei der 377 Tonnen hochexplosiver Sprengstoff gestohlen wurden, beabsichtigt oder zumindest bewußt in Kauf genommen wurde.

Vier US-Soldaten sagten gegenüber der LA Times unter der Bedingung, namentlich nicht genannt zu werden, daß sie beobachtet haben, wie die Anlage geplündert wurde. Nach ihrer Aussage konnten sie die Plünderung nicht verhindern, weil ihnen die Plünderer zahlenmäßig überlegen waren. Ein Funkspruch an die Befehlshaber in Baghdad, in dem Unterstützung angefordert wurde, blieb demnach unbeantwortet.

Die Soldaten gehörten zwei unterschiedlichen Einheiten an, dem 258th Rear Area Operations Center, einer Einheit der Nationalgarde und dem in Wiesbaden stationierten 317th Support Center. Diese Einheiten waren zum damaligen Zeitpunkt nahe Al-Qaqaa im Logistics Support Area (LSA, "Nachschublager") Dogwood stationiert. Nach ihrer Aussage fuhren sie schon kurz nach ihrem Eintreffen dort nach Al-Qaqaa.

Ein Mitglied des Militärgeheimdienstes, der für das Aufspüren von Einrichtungen, die der Lagerung von chemischen oder biologischen Waffen verdächtigt wurden, bestätigte die Aussagen der US-Soldaten. Seiner Aussage nach war Al-Qaqaa zu Beginn des Krieges "unter den Top 200" solcherart verdächtigter Einrichtungen.

Trotz dieses Verdachts und der tatsächlichen Lagerung sehr großer Mengen Sprengstoffs - wenn auch wie überall im Irak keinerlei Massenvernichtungswaffen - in Al-Qalqaa wurde keine Einheit des US-Militärs für die Bewachung der Anlage eingeteilt. Bei Patrouillen in dem Gebiet stellten die 27 Soldaten des 258th Rear Area Operations Center fest, daß es zu Plünderungen kam und wurden daraufhin von Mitgliedern des 317th Support Center bei der Sicherung der Anlage unterstützt.

Ein hochrangiger Mitarbeiter des Geheimdienstes sagte, es habe keinerlei Befehl zur Sicherung der Anlage gegeben. Seiner Ansicht nach hätte die Zahl der im Irak eingesetzten US-Soldaten nicht ausgereicht, neben der Durchführung der Invasion auch derartige Sicherungsaufgaben zu übernehmen.

Quellen innerhalb der US-Marines erinnerten sich, daß, als sie die Verantwortung für den Bereich, in dem auch Al-Qaqaa liegt, Ende April 2003 übernahmen, die Anlage vollständig unbewacht gewesen ist - zu einem Zeitpunkt, da die von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versiegelten Bunker bereits von US-Soldaten aufgebrochen, durchsucht und offengelassen worden waren.

"Die Anlage war von der 101st Airborne einfach aufgegeben worden und es gab niemals eine tatsächliche Übergabe der 101st an die Marines. Sie sind einfach gegangen", so ein hochrangiger Offizier, der damals im höchsten Kontrollzentrum der Marines arbeitete.

Insbesondere bemerkenswert ist sicherlich die Aussage, daß die US-Soldaten angesichts der Plünderer Verstärkung anforderten und dies vollständig ignoriert wurde. Offenbar wurden hier die Soldaten bewußt ihrem Schicksal überlassen, ganz zu schweigen von der zum damaligen Zeitpunkt zumindest angeblich angenommenen Brisanz von Al-Qaqaa.





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