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Humanitäre Katastrophe in Fallujah
12.11.2004








Wie IslamOnline (IOL) am Freitag berichtete, hat die Hilfsorganisation Roter Halbmond - die Schwesterorganisation des Roten Kreuzes - die Folgen des seit Tagen andauernden schweren Bombardements der irakischen Stadt Fallujah als "große Katastrophe" bezeichnet.

IOL sprach telephonisch mit Hassan al-Ali. "Die US-Besatzungskräfte haben auf meinen Krankenwagen gezielt, das Feuer auf das Fahrzeug absichtlich eröffnet", sagte er. Er habe den Angriff nur "durch ein Wunder" überlebt, mußte den zerstörten Krankenwagen aber durch einen kleinen Lastwagen ersetzen, um Verwundete in die Häuser von Ärzten - statt in das von den USA bombardierte städtische Krankenhaus - zu bringen.

"Sie sind Feinde der Menschlichkeit. Ich kann dies aufgrund ihrer Angriffe auf medizinisches Personal und Krankenwagen beurteilen", so al-Ali.

"US-Besatzungskräfte stürmten das Krankenhaus, für das ich in Fallujah arbeitete, verhafteten und eröffneten das Feuer auf medizinisches Personal", sagte ein Arzt, der sich nur als Rafae identifizierte.

"Ich mußte meinen Beruf verbergen, um nicht auch getötet oder verhaftet zu werden", sagte er. "Ich habe eine häusliche Ambulanz eingerichtet, aber ich habe nicht genug Medikamente und Antiseptika um erste Hilfe zu leisten", so Rafae.

Ali Abbas, ein anderer Arzt, sagte gegenüber dem arabischen Fernsehsender Al-Jazeera, daß die Stadt ein "Massengrab" geworden ist. "Überall sind tote Körper und wir können sie nicht entfernen. Kein Wasser, kein Strom. Wer flehen die Welt an, uns zu helfen", so Abbas.

"Jeder der verletzt wird, stirbt mit hoher Wahrscheinlichkeit weil es keine Medikamente gibt und man sie nicht zu Ärzten bringen kann", sagte Andul-Hameed Salim, ein Mitarbeiter der Irakischen Roten Halbmonds. "Überall sind Scharfschützen. Geh raus und Du wirst erschossen."

Trotz dieser katastrophalen Bedingungen für die Zivilbevölkerung hindert das US-Militär die Hilfsorganisation daran, die Stadt zu betreten.

"Wir haben die Amerikaner um Erlaubnis gebeten, in die Stadt zu gehen und den Menschen dort zu helfen, aber wir haben von ihnen überhaupt keine Antwort bekommen", sagte Firdaws al-Ibadi vom Irakischen Roten Halbmond gegenüber Reuters. "Es gibt keine Medikamente, kein Wasser, keinen Strom. Sie brauchen unsere Hilfe."

"Vom humanitären Gesichtspunkt aus ist es eine Katastrophe, es gibt keine andere Art es zu beschreiben. Und wenn wir nicht bald etwas tun, wird es sich auf andere Städte ausbreiten", sagte sie.

Einem Bericht Al-Jazeeras zufolge stehen sieben Ärzteteams und Lastwagen mit Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern vor der Stadt bereit.

Die Hinderung des Hilfsorganisation an der Durchführung ihrer Arbeit stellt ein weiteres Mal eine Verletzung der Genfer Konventionen dar - auch wenn mittlerweile der Eindruck entstehen könnte, daß bereits alle gebrochen worden seien.

"Artikel 70 - Hilfsaktionen

1. Ist die Zivilbevölkerung eines der Kontrolle einer am Konflikt beteiligten Partei unterliegenden Gebiets, das kein besetztes Gebiet ist, nicht ausreichend mit den in Artikel 69 genannten Versorgungsgütern versehen, so sind ohne jede nachteilige Unterscheidung unparteiische humanitäre Hilfsaktionen durchzuführen, sofern die davon betroffenen Parteien zustimmen. Solche Hilfsangebote gelten weder als Einmischung in den bewaffneten Konflikt noch als unfreundlicher Akt. Bei der Verteilung der Hilfssendungen werden zuerst Personen berücksichtigt, denen nach dem IV. Abkommen oder nach diesem Protokoll Vorzugsbehandlung oder besonderer Schutz zu gewähren ist, wie beispielsweise Kinder, schwangere Frauen, Wöchnerinnen und stillende Mütter.

2. Die am Konflikt beteiligten Parteien und jede Hohe Vertragspartei genehmigen und erleichtern den schnellen und ungehinderten Durchlaß von Hilfssendungen, -ausrüstungen und -personal, die nach diesem Abschnitt bereitgestellt werden, auch wenn die Hilfe für die Zivilbevölkerung der gegnerischen Partei bestimmt ist.

3. Die am Konflikt beteiligten Parteien und jede Hohe Vertragspartei, die den Durchlaß von Hilfssendungen, -ausrüstung und -personal nach Absatz 2 genehmigen,

a) haben das Recht, die technischen Einzelheiten für einen solchen Durchlaß, einschließlich einer Durchsuchung, festzulegen;

b) können ihre Genehmigung davon abhängig machen, daß die Verteilung der Hilfsgüter unter der örtlichen Aufsicht einer Schutzmacht erfolgt;

c) dürfen Hilfssendungen keiner anderen als ihrer ursprünglichen Bestimmung zuführen noch ihre Beförderung verzögern, ausgenommen in Fällen dringender Notwendigkeit im Interesse der betroffenen Zivilbevölkerung.

4. Die am Konflikt beteiligten Parteien gewährleisten den Schutz der Hilfssendungen und erleichtern ihre schnelle Verteilung.

5. Die am Konflikt beteiligten Parteien und jede betroffene Hohe Vertragspartei fördern und erleichtern eine wirksame internationale Koordinierung der in Absatz 1 genannten Hilfsaktionen."


Dem Vater dreier Kinder Rasul Ibrahim gelang am Donnerstagmorgen mit seiner Familie die Flucht aus Fallujah.

"Es gibt kein Wasser. Die Menschen trinken schmutziges Wasser. Kinder sterben. Menschen essen Mehl weil es keine richtigen Nahrungsmittel gibt", berichtete er von der Stadt.

Insbesondere angesichts der Tatsache, daß die US-Soldaten allen Männern im Alter zwischen 15 und 55 Jahren die Flucht aus der Stadt verweigern drängt sich hier der Schluß auf, daß die verbliebene Bevölkerung der Stadt systematisch ausgehungert werden soll.





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