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Zahlreiche Zivilisten getötet
24.11.2004








Ein Artikel des britischen Independent vom Mittwoch belegt aufgrund von Augenzeugenberichten ein weiteres Mal, daß zahlreiche Zivilisten bei der US-geführten Großoffensive gegen die irakische Stadt Fallujah von US-Soldaten getötet worden sind.

Während das US-Militär weiterhin behauptet, die Zahlen über durch das US-Bombardement der Stadt getötete Zivilisten seien weit übertrieben und diese Anschuldigungen als von Sympathisanten verbreitete Desinformation bezeichnet, passen diese Aussagen aber lückenlos zu vorangegangenen Berichten von Augenzeugen.

Gegenüber dem Independent berichteten die Augenzeugen, daß es neben zahlreichen Toten durch das Bombardement der Stadt auch zu vielen durch Scharfschützen getöteten Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, gekommen ist. Demnach wurden alle in der Stadt verbliebenen Zivilisten als vermutlich am Widerstand beteiligt angesehen. Es ist angesichts des anhaltenden Widerstands in der Stadt nur wenig wahrscheinlich, daß sich dies mittlerweile geändert hat.

Dr. Ali Abbas, der vor vier Tagen aus Fallujah in Baghdad ankam, berichtete, daß die Klinik, in der er arbeitete, trotz anderslautender Zusicherungen des US-Militärs bombardiert worden ist.

"Wir hatten fünf Menschen in Behandlung und sie wurden getötet. Wir wissen nicht, warum die Klinik getroffen wurde. Unsere Kollegen vom städtischen Krankenhaus von Fallujah, das weiter außerhalb liegt, hatten mit Amerikanern gesprochen und uns gesagt, daß sie uns nicht angreifen würden", so Abbas.

"Danach gingen ich und andere Mitarbeiter wenn möglich von Haus zu Haus, um Menschen zu helfen, der verletzt worden waren. Viele von ihnen starben vor unseren Augen, weil wir weder die Medikamente noch die Geräte hatten, um Operationen durchzuführen. Wir nahmen Kontakt zu den Ärzten im Krankenhaus von Fallujah auf und sagten ihnen, wie schlecht die Lage war. Wir baten sie, die schwerer Verletzten zu evakuieren und Medikamente und mehr Ärzte zu schicken. Sie versuchten dies, aber die Amerikaner hinderten sie daran", sagte er.

"Eines der Dinge, die uns am meisten auffielen, war die Zahl der durch amerikanische Scharfschützen getötete Menschen. Es waren nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder. Das jüngste, das ich gesehen habe, war ein vier Jahre alter Junge. Fast allen diesen Menschen war in den Kopf, die Brust oder den Nacken geschossen worden", berichtete der Arzt.

Die Familie des 33 Jahre alten Aziz Radhi Tellaib wurde bereits vor dem Beginn der Offensive getötet. Sie waren auf dem Weg in die nahegelegene Stadt Ramadi, als ihr Auto während einer Kontrolle beschossen wurde und in einen Nebenarm des Euphrats stürzte.

Nur er selbst überlebte verletzt. Seine 26 Jahre alte Frau Ahlam, sein siebenjähriger Sohn Omar, sein drei Jahre alter Sohn Barat, seine Tochter Zainab, seine 26-jährige Nichte Rokyab, ihr dreijähriger Sohn Fadhi und ihre drei Monate alte Tochter Farah starben.

"Wir wurden in einer Autokolonne von einigen Humvees, die uns überholt hatten, angehalten. Ein Soldat winkte uns vorwärts, aber als ich losfuhr feuerte ein anderer Humvee. Ich wurde seitlich am Kopf getroffen und meine Frau und mein älterer Sohn wurden in der Brust getroffen. Ich glaube, sie sind da gestorben. Vor meinen Augen war überall Blut. Ich verlor die Kontrolle über das Auto, das in den Fluß fiel. Ich schaffte es herauszukommen und versuchte dann die anderen herauszuholen, aber ich schaffte es nicht und das Auto versank. Die Amerikaner sagten der Polizei, daß es alles ein Irrtum gewesen sei und daß ich eine Entschädigung bekommen könne. Aber was ist mit meiner Familie? Mein Leben ist vorbei. Sie hätten mich ebensogut auch töten können", sagte er.

Auch der 46 Jahre alte Lehrer Rahim Abdullah berichtete, daß jeder in den Straßen von den US-Soldaten als Feind angesehen wurde. "Ich versuchte, zum Haus meines Onkels zu gelangen und schwenkte ein Stück weißen Stoff, wie es uns gesagt worden war, als sie begannen, auf mich zu schießen. Ich sah, wie zwei Männer erschossen wurden. Sie waren nur einfache Leute. Die einzige Möglichkeit am Leben zu bleiben war, im Haus zu bleiben und zu hoffen, daß es nicht von einer Granate getroffen wird", so der Lehrer.





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