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Integration durch Ausgrenzung?
27.11.2004








Die Diskussion um die "Notwendigkeit der Integration" von Muslimen und Muslimas ist auch in Deutschland voll entbrannt, wobei von einer Diskussion tatsächlich kaum die Rede sein kann, da sich die unterschiedlichen Standpunkte größtenteils nur darin unterscheiden, wie diese "Integration" zu erreichen sei.

In diesem Zusammenhang kam durch Edmund Stoiber auch der unselige Begriff der "deutschen Leitkultur" erneut auf und es wurden von "etablierten Politikern" Positionen eingenommen, die eher dem rechten Rand zuzuordnen wären, wenn sie beispielsweise fordern, daß "Ausländer, die hier leben wollen, sich auch an die deutsche Kultur anpassen" müßten.

Auslöser dafür, daß diese schon lange schwelende Debatte plötzlich so offen geführt wird, war die Ermordung des Niederländers Theo van Gogh - auch wenn die Hintergründe dieser Tat bisher alles andere als klar sind. Obwohl es sich dabei um einen Einzeltäter oder schlimmstenfalls eine kleine radikale Gruppe handelte, wurden sofort Forderungen an alle Muslime laut, sich von der Tat zu distanzieren. Man verdächtigte sie also unterschwellig, die Tat zu befürworten.

Daß diese Distanzierung - so unnötig sie an sich auch war - tatsächlich erfolgte wurde allerdings erfolgreich ignoriert.

Ebenso wurden weder die Niederländer aufgefordert, sich von den Brandanschlägen gegen Moscheen und andere muslimische Einrichtungen zu distanzieren, wie US-Bürger aufgefordert werden, sich von den Kriegsverbrechen ihrer Soldaten im Irak zu distanzieren. Und selbst Deutsche jüdischen Glaubens, die aus ihrer Unterstützung für die israelische Politik keinen Hehl machen werden genausowenig aufgefordert sich von den Verbrechen dieses Staates zu distanzieren, wie schon jemals der Inhaber eines China-Restaurants aufgefordert worden ist, sich von dem Massaker an Demonstranten auf dem Tiannanmen-Platz zu distanzieren.

Islam-Gläubigen wird dabei immer wieder vor Augen geführt, daß der Staat nicht versucht, sich möglichst von allen Religionen abzuschotten, wie dies aus der "Trennung von Staat und Kirche" ja abzuleiten wäre oder ein "gleiches Recht für alle" durchzusetzen, sondern vielmehr, ganz gezielt Maßnahmen ergreift, um diese Glaubensrichtung zumindest optisch aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. Nicht anders ist es zu erklären, wenn Politiker allen Ernstes fordern, Lehrerinnen das Tragen des Hijab, des islamischen Kopftuchs, zu verbieten, im gleichen Atemzug aber klarstellen, daß ein solches Verbot "natürlich" nicht katholische Nonnen träfe.

Gleichgültig, was die wahren Hintergründe für derartige Äußerungen von Politikern sind, so ist doch völlig klar, wie diese von Muslimen aufgefaßt werden müssen.

Zweifellos gibt es auch unter Einwanderern muslimischen Glaubens Menschen, die seit Jahren hier leben, bisher nicht die deutsche Sprache erlernt haben und dies anscheinend auch nicht vorhaben oder können. Ebensolche Menschen sind aber zweifellos auch unter chinesischen, kolumbianischen und nigerianischen Einwanderern wie auch unter Bayern und Nordfriesen zu finden.

Spätestens durch den Generalverdacht gegen jeden praktizierenden Muslim, er könne in Wahrheit ein "islamistischer Terrorist" - was gemäß dem Koran an sich schon ein Widerspruch ist - sein und dem diesem Verdacht folgenden Mißtrauen werden deutsche Muslime, gleichgültig wie weit sie bisher "integriert" sind, ganz automatisch ausgegrenzt.

Daß diese Ausgrenzung dazu führt, daß sie sich schließlich bewußt auch von "deutschen Deutschen" - in Wahrheit sind die Muslime zumeist ja ebenfalls hier geboren, aufgewachsen und haben die deutsche Staatsbürgerschaft - abgrenzen und sich in ihren Kontakten vermehrt auf "Glaubensgeschwister" beschränken.

Auch die Tatsache, daß eine wachsende Zahl von Muslimen der Ansicht ist, daß diese Entwicklung trotz aller Integrations-Rhetorik erwünscht ist, kann angesichts solcher Pauschalisierungen kaum noch verwundern.

Ein Mensch, der zu Verwandten in ein weit entferntes Dorf zieht und dort - aufgrund welcher Unterschiede auch immer - von Beginn an offen wie auch unterschwellig ausgegrenzt und aufgefordert wird, "sich anzupassen", der wird in den meisten Fällen entweder wieder wegziehen oder schließlich den Kontakt zu den Bewohnern auf das Nötigste beschränken.

Während "Integration" beispielsweise bei Behinderten so verstanden wird, daß sich die Gesellschaft und ihre Einrichtungen an die Bedürfnisse dieser Menschen anpassen und sie als gleichberechtigte Personen akzeptieren soll, bedeutet "Integration" für Muslime offenbar, daß sie sich vollständige an das "übliche Bild eines Deutschen" anpassen und ihre Identität verleugnen sollen.

Das deutsche Strafrecht gilt auch jetzt schon für alle hier lebenden Menschen - eben auch Muslime. Wer kein Deutsch sprechen kann und nicht daran interessiert ist, dies zu ändern, erschwert vor allem sich selbst das Leben, wie dies auch Deutsche tun, die nicht Lesen können und diesen Zustand nicht ändern wollen - wobei in beiden Gruppen die Zahl jener, denen es nur an entsprechenden Möglichkeiten mangelt, zweifellos überwiegt.

Angehörigen einer anerkannten Religion die freie Ausübung derselben zu untersagen ist eines Staates, in dessen Grundgesetz es bereits im 4. Artikel heißt "Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet" mehr als nur unwürdig.

Wer bereit ist, an solch grundlegenden Rechten zu rütteln und sie umzustoßen, gleich, ob dies aus ehrlicher "Angst vor dem Terror", populistischen Gründen, zwecks der "Verteidigung des christlichen Abendlandes" oder anderen Motivationen heraus geschieht, muß sich die Frage gefallen lassen, welche Grundrechte er in Zukunft noch zu ignorieren gedenkt.





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