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Folter überall
30.11.2004








Ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte Folter durch die Bilder von irakischen Gefangenen, die von US-Soldaten gefoltert wurden - auch wenn es schon zuvor zahlreiche entsprechende Berichte gab, die allerdings kaum Beachtung fanden.

Seit einigen Tagen nun ist bekannt, daß auch deutsche Soldaten foltern - wenn auch "nur" Untergebene. Die Informationen, die über die Folterungen von Rekruten insbesondere in der Kaserne Coesfeld bisher bekanntgeworden sind, erinnern geradezu fatal an die Vorgänge im Irak. "Ein gefesselter Rekrut liegt am Boden, maskierte Ausbilder stellen ihre Füße auf ihn - und strecken die Siegesfaust in die Höhe", Stromstöße und auch die Photographien all dessen durften in Coesfeld ebensowenig fehlen wie im Irak.

Während das US-Militär offiziell keinen Zweifel an seiner Überzeugung läßt, daß es sich nur um "Einzelfälle" und "wenige Täter" handelte - obwohl die Indizien hier eine ganz andere Sprache sprechen - ist der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck hier schon etwas vorsichtiger. So sagte er gegenüber dem Deutschlandfunk, daß er vermute, "daß sich jetzt in den nächsten Tagen noch eine Reihe von weiteren Soldaten melden werden, denen Ähnliches widerfahren ist oder widerfahren sein könnte."

Ein Blick nach Großbritannien schließlich wirft die Frage auf, inwieweit derartiges Verhalten durch die Grundstrukturen des Militärs gefördert wird.

Wie der britische Guardian am Dienstag unter Berufung auf Untersuchungsberichte der Polizei von Surrey berichtete, ist es in den vergangenen Jahren in der Kaserne Deepcut, dem berüchtigsten Ausbildungslager der britischen Armee, zu über 100 Fällen körperlicher und seelischer Mißhandlungen gekommen. Darunter waren auch Vergewaltigungen und andere Sexualverbrechen und erniedrigende Behandlungen.

Die reguläre Polizei hatte die Untersuchung der Fälle übernommen nachdem Angehörige von vier dort stationierten Rekruten, die Selbstmord begangen hatten, eine unabhängige Untersuchung gefordert hatten.

Den Berichten zufolge sind zahlreiche weibliche Rekruten vergewaltigt worden. Ein Rekrut beschuldigte einen Unteroffizier, auf dem Exerzierplatz mit einem Fahrrad über Rekruten gefahren zu sein.

Ein anderer sagte aus, daß eine Gruppe innerhalb der Kaserne, der "Black Card Club" Karten mit einem Kreuz darauf auf dem Bett oder an dem Spind von Rekruten plazierten, die ausgewählt worden waren, verprügelt zu werden.

Eine Rekrutin erzählte, wie sie gezwungen worden war, nur mit einem Gürtel, an dem Proviantdosen hingen "bekleidet", um den Exerzierplatz zu laufen. Eine andere wurde Mitte Januar direkt aus der Dusche geholt, um "nackt und naß" an einer Parade mit anderen Soldaten teilzunehmen.

Im vergangenen Monat war mit Leslie Skinner bereits ein Ausbilder der Kaserne wegen sexueller Vergehen an männlichen Rekruten in fünf Fällen verurteilt worden.

All diese Fälle waren sicherlich nicht möglich, ohne daß Vorgesetzte die Mißhandlungen unterstützt oder zumindest toleriert haben. Derartiges Verhalten wurde - und wird - auch von höheren Diensträngen also offenbar als für die Ausbildung der Soldaten notwendig erachtet. Dies wirft sicherlich nicht nur hinsichtlich der von befehlshabenden Offizieren bei Kampfeinsätzen erteilten Befehle Fragen auf, sondern hinsichtlich des dabei zu erwartenden Verhaltens der Soldaten.

Wenn alle Menschen, die unfreiwillig oder auch freiwillig unter die (Befehls-) Gewalt von Soldaten gelangen, befürchten müssen, von diesen gefoltert zu werden, so sollte dies ein deutliches Indiz dafür sein, daß hier grundlegende Änderungen erforderlich sind.





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