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Der geopferte Bauer
07.12.2004








Wie die Medien am Dienstag berichteten, ist in den Niederlanden ein Geschäftsmann verhaftet worden, der in den 80er Jahren an der Lieferung großer Mengen einer Chemikalie, die auch zur Herstellung von Giftgas verwendet werden kann, in den Irak beteiligt gewesen sein soll.

Der heute 62-jährige Frans van Anraat ist den aus dem Jahr 1989 stammenden Vorwürfen zufolge das letzte Verbindungsglied zwischen dem US-Hersteller Alcolac International und dem Irak - aber auch dem Iran - gewesen. Das Unternehmen soll den Irak mit über 500 Tonnen Thiodiglycol, das sowohl in chemischen Reinigungen als auch zur Herstellung von Pflanzenschutzmitteln und Farben, aber auch von Senfgas verwendet werden kann, beliefert haben.

Van Anraat ist daraufhin bereits am 26. Januar 1989 auf Antrag der US-Behörden in Italien verhaftet worden. Sechs Monate später lehnte ein italienisches Gericht einen Auslieferungsantrag der USA ab. Im Februar 1990 hob der Oberste Gerichtshof Italiens diese Entscheidung zwar auf, zu diesem Zeitpunkt war van Anraat aber schon die Flucht gelungen.

Auch dem Deutschen Peter Walaschek wurde vorgeworfen, an dem gesetzwidrigen Export der Chemikalie beteiligt gewesen zu sein. Er wurde im Juli 1988 in den USA verhaftet und bekannte sich schuldig. Auch ihm gelang allerdings im Dezember 1988 die Flucht.

Tatsächlich war schon seit langem öffentlich bekannt, daß van Anraat sich in den Niederlanden aufhielt. So strahlte der Sender netwerk bereits im November des letzten Jahres ein Interview mit ihm aus. Zuvor hatte bereits der Politiker Van Bommel eine dahingehende parlamentarische Anfrage gestellt. Gegenüber der "Nieuwe Revu" sagte ein Sprecher der niederländischen Staatsanwaltschaft damals, van Anraat habe sich niederländischem Recht zufolge keiner Straftat schuldig gemacht. "Möglicherweise nach amerikanischem Recht, aber es liegt kein Auslieferungsersuchen vor", so der Sprecher.

Über die Gründe für die plötzliche Meinungsänderung der niederländischen Behörden könnte nur spekuliert werden.

Während die Verhaftung des Niederländers nun bereits zu Schlagzeilen wie "Saddams Giftgaslieferant gefaßt?" geführt hat, ist der Fall in Wahrheit zumindest unter diesem Gesichtspunkt also alles andere als spektakulär. Andererseits drängt sich zweifellos die Frage auf, wie es beiden Männern nach ihren Verhaftungen gelingen konnte zu fliehen. Der Verdacht, daß ihr Entkommen nicht gar so unerwünscht war, wie dies bei Inhaftierten üblicherweise der Fall ist, ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen.

Viel entscheidender ist hier aber, daß in den zugehörigen Meldungen dieser eine Mann praktisch als alleiniger Lieferant für Giftgas dargestellt wird. Nicht nur, daß auch zahlreiche andere Unternehmen den Irak während des Iran-Irak-Kriegs mit Waffen und Technologie für deren Herstellung, bis hin zu Atomwaffen, versorgt haben, der Irak wurde dabei auch von der damaligen US-Regierung tatkräftig unterstützt.

So stellte der CIA beispielsweise dem Irak ab 1985 Aufnahmen von US-Spionagesatelliten zur Verfügung.

Im Dezember 1983 reiste der heutige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Auftrag der Reagan-Regierung in den Irak, um Saddam Hussein persönlich zu versichern, daß er trotz des Einsatzes von Giftgas weiter von den USA im Krieg gegen den Iran unterstützt werden würde. Im März 1984 reiste er erneut nach Baghdad, um diesen Standpunkt gegenüber dem irakischen Außenminister Tariq Aziz zu bekräftigen und ihm zu versichern, daß die vorangegangene öffentliche Verurteilung des Giftgaseinsatzes "ausschließlich" prinzipiell erfolgt sei.


Donald Rumsfeld 1983 mit Saddam Hussein



Schließlich wurde der Irak von den USA mit behördlicher Genehmigung sogar mit Kulturen zur Herstellung biologischer Waffen, darunter auch Milzbrand, beliefert. Zwischen 1985 und 1988 erfolgten über 70 solcher Lieferungen. Acht weitere, ebenfalls von der Regierung von George Bush - dem Vater des derzeitigen US-Präsidenten - genehmigten Lieferungen des "Center for Disease Control" wurden von diesem als "mit Bedeutung für biologische Kriegführung" eingestuft.

Während van Anraat nun wegen "Beihilfe beim Völkermord" und "Kriegsverbrechen" angeklagt werden soll sind solche Anklagen für George Bush und Donald Rumsfeld nicht zu erwarten.





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