www.Freace.de
Impressum und Datenschutz


Nachrichten, die man nicht überall findet.




America's finest
09.12.2004








Amerikanische Soldaten, speziell Infanteristen, werden in den USA gern als "America's finest" - "Amerikas Edelste" bezeichnet. Ein am Dienstag bei der Washington Times veröffentlichter UPI-Bericht belegt, daß dieses Ansehen zumindest aus Sicht der Behörden mit dem Ausscheiden aus dem Dienst schlagartig beendet ist.

Wie schon während des Vietnamkriegs beginnen nun erneut Irakkriegsveteranen nach ihrer Rückkehr in die USA obdachlos zu werden und in Obdachlosenunterkünften Hilfe zu suchen.

"Wenn wir schon Leute aus dem Irak auf den Straßen haben, mein Gott", sagte Linda Boone, Geschäftsführerin der "National Coalition for Homeless Veterans" ("nationale Vereinigung für obdachlose Veteranen"). "Ich habe mit genügend [Unterkünften] gesprochen, um zu wissen, daß wir sie bekommen. Es passiert und diese Nation ist nicht darauf vorbereitet."

Zahlreiche US-Soldaten kehren mit bleibenden Verletzungen und Behinderungen, so zum Beispiel amputierte Beine, aus dem Krieg zurück. Ihr Anteil ist so hoch wie nie zuvor, da sie einerseits dank fortschrittlicher Medizin und verbessertem Körperschutz Angriffe mit einer größeren Wahrscheinlichkeit überleben, andererseits Bomben, die vorrangig zu derartigen Verletzungen führen, nach wie vor sehr häufig vom irakischen Widerstand eingesetzt werden.

Letztlich hat der 34-jährige Maat Luis Arellano noch Glück gehabt. Splitter haben dem Linkshänder seinen linken Daumen fast abgerissen. Er hat immer noch Schwierigkeiten, ihn wieder zu bewegen und Splitter "kommen immer noch ab und zu heraus", sagte er. Aufgrund dieser Verletzung erhält er monatlich 100 US-Dollar.

Für die Betroffenen häufig noch weitaus schwerwiegender, da sie kaum Unterstützung bekommen, sind allerdings psychologische Probleme, die in vielen Fällen zu Drogenkonsum und letztlich Obdachlosigkeit führen.

Auf die Frage, ob er an "Post-Traumatic Stress Disorder" (PTSD, "Post-traumatisches Belastungssyndrom") http://www.tombeck.com/gewalt/ptsd.html leide, antwortete Arellano: "Ich glaube, das tue ich, weil ich Alpträume habe. Ich erinnere mich immer noch an einen von den Jungs, der getötet wurde."

Arellano, der 16 Jahre Mitglied des US-Militärs war, wurde, wie er glaubt, nach seiner Rückkehr im September 2003 gedrängt, aus dem Militär auszuscheiden. So erhielt er weder für seine Hand noch seinen Geist eine angemessene ärztliche Versorgung.

"Es war mehr eine schnelle Abfertigung. Sie haben uns für eine Weile in ein Lagerhaus gesteckt. Sie haben uns wie Vieh behandelt", berichtete er von seiner Rückkehr.

Der Maat scheint überzeugt, daß dies nicht ohne Absicht geschah.

"Ich hatte, wie auch andere, das Gefühl [daß das Militär sagte] ‚Wir können uns nicht um Euch im aktiven Dienst kümmern.' Wir mußten eine Erklärung unterzeichnen, daß wir uns an die VA [Veterans Affairs, Behörde für Veteranenangelegenheiten] wenden würden", berichtete Arellano. "Als wir dort hinkamen war die VA überfüllt. Sie sagten, ‚Wir rufen Sie an.' Aber ich entwickelte Depressionen."

Als Folge der Depressionen gab er seine Arbeit auf, wurde von seiner Frau geschieden und fuhr weg.

"Ich fuhr mit meinem Truck weg. Ich packte meine Sachen. Ich lebte eine Weile in meinem Truck", erzählte er. Mittlerweile lebt er in einem Obdachlosenheim im US-Bundesstaat California.

Nach Angaben der "Homeless Veterans coalition" ("Koalition für obdachlose Veteranen"), einer Vereinigung gemeindebasierter Hilfsorganisationen für obdachlose Veteranen, sind jede Nacht fast 300.000 Veteranen obdachlos. Fast die Hälfte von ihnen stammen noch aus dem Vietnamkrieg.

Es wird aufgrund der ähnlichen Umstände befürchtet, daß die obdachlosen Irakveteranen das erste Anzeichen einer neuen solchen Welle sind.

"Das ist, was den Vietnamveteranen passiert ist. Ich war in Vietnam", sagte John Keaveney, leitender Geschäftsführer von New Directions, das Veteranen in Los Angeles Unterkunft und Entziehungsmöglichkeiten bietet. "Es ist, als würde man dabei zusehen, wie sich die Geschichte wiederholt", sagte er.

Umfragen in Unterkünften zeigen zwar, daß es sich bisher bei obdachlosen Irakveteranen eher um Einzelfälle handelt, dies mag aber auch daran liegen, daß es körperlich unversehrten Soldaten derzeit nicht leicht gemacht wird, die Armee zu verlassen.

Peter Dougherty, Direktor des Programms für obdachlose Veteranen bei der VA, betonte, daß sich die Unterstützung für Veteranen in den vergangenen 30 Jahren stark verbessert habe. Insgesamt würden jährlich 100.000 obdachlose Veteranen von der VA versorgt.

Linda Boones Organisation schätzt die Gesamtzahl der in einem Jahr auch teilweise obdachlosen Veteranen allerdings auf 500.000 Menschen.

Hier zeigt sich deutlich, daß die US-Regierung gegenüber den eigenen Soldaten - wenn sie nicht mehr für den Kampfeinsatz von Nutzen sind - ebenso rücksichtlos ist, wie sie es gegenüber den Menschen in den besetzten Ländern ist.





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail