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Neue Zweifel an Kellys Selbstmord
12.12.2004








Zwei Sanitäter, die als zwei der ersten an der Fundstelle der Leiche des britischen Wissenschaftlers und Waffenexperten Dr. David Kelly eintrafen, haben einem Bericht des britischen Observer vom Sonntag zufolge größte Zweifel an dem offiziellen Ergebnis der "Untersuchung" seines Todes, es habe sich um Selbstmord gehandelt, geäußert.

"Ich habe immer gesagt, daß, wenn es ein Mitglied meiner Familie gewesen wäre, ich nicht akzeptiert hätte, was sie behauptet haben", sagte Dave Bartlett, einer der Sanitäter.

"Es gab einfach nicht viel Blut... Wenn jemand eine Arterie durchtrennt, egal ob versehentlich oder absichtlich, spritzt das Blut überallhin. Ich glaube einfach, daß es unglaublich unwahrscheinlich ist, daß er an der Verletzung an seinem Handgelenk gestorben ist", so Vanessa Hunt, die andere Sanitäterin, die seit über 15 Jahren in diesem Beruf arbeitet.

In den Jahren ihrer Arbeit als Sanitäter haben sie dutzende Fälle erlebt, in denen Menschen versuchten, sich durch das Aufschneiden der Adern an den Handgelenken das Leben zu nehmen. Von denen, die keine weitergehenden Maßnahmen ergriffen, ist nur ein einziger tatsächlich gestorben.

"Das war wie in einem Schlachthaus", erinnerte sich Hunt. "Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn zweieinhalb bis dreieinhalb Liter Milch überall verspritzt wären." Dies ist nicht im entferntesten die Szene gewesen, die sie am Fundort von Kellys Leiche sahen.

Kurz vor 10:00 Uhr morgens am Freitag, dem 18. Juli 2003 trafen die beiden Sanitäter an dem Wald, wo die Leiche gefunden worden war, ein. Zu dem Zeitpunkt war ihnen noch nicht der genaue Grund ihres Einsatzes klar, was sich aber schnell änderte.

"Da waren viele Polizisten", sagte Hunt. "Einige waren in Zivil gekleidet und andere in schwarzen Jacken und militärischen Tarnuniformen. Ich dachte, es könnte vielleicht ein Schußwaffenvorfall gewesen sein, da Jungs von den speziellen bewaffneten Eingreiftruppen da waren."

Mit ihren Wiederbelebungsgeräten folgten die Sanitäter zwei bewaffneten Polizisten ungefähr eineinhalb Kilometer, bis sie auf einer Lichtung Kellys Körper sahen.

"Er war ungefähr 20 Meter entfernt und lag flach da, mit seinen Füßen in unserer Richtung", so Hunt. Bartlett sagte, sein erster Gedanke wäre gewesen, daß der "arme Bursche sich erhängt hatte und von dem Baum gefallen sei." Allein dies ist schon ein Widerspruch zum "Untersuchungsbericht", da Kelly demnach an einen Baum gelehnt gefunden wurde. Keiner der damals anwesenden Polizisten sagte, sie hätten den Körper bewegt.

Nachdem Hunt nach einem Puls gesucht, Bartlett die Pupillen kontrolliert und mit vier Elektroden erfolglos nach einem Herzschlag gesucht worden war, wurde Kelly um 10:07 Uhr von ihnen für tot erklärt.

Beide sahen, daß der linke Ärmel seiner Jacke bis über den Ellbogen hochgeschoben war und daß an seinem linken Handgelenk Blut war.

"Es gab keine klaffende Wunde... es gab keine Blutlache", sagte Hunt. "Es gab ein wenig Blut an den Brennesseln links von seinem linken Arm. Aber es gab nicht wirklich Blut auf seinem Hemd. Das einzige bißchen Blut, das ich sah, war an seiner Kleidung. Es hatte die Größe einer 50-Pence-Münze oberhalb seines rechten Knies auf seiner Hose."

Insbesondere diese Tatsache schließt eine solche Todesursache nach Ansicht der Sanitäter praktisch aus. "Wenn man es schafft, ein Handgelenk aufzuschneiden und eine Arterie zu treffen, wird man mit Blut bespritzt, gleichgültig, ob es sich um einen Unfall handelt... Aufgrund der Natur einer durchtrennten Arterie erhält man einen pumpenden Ablauf. Ich würde ganz sicher viel mehr Blut auf seiner Kleidung, auf seinem Hemd erwarten. Wenn man sich entschließt, sich die Pulsadern aufzuschneiden kümmert man sich nicht um Blut auf seiner Kleidung."

"Ich habe kein Blut an seiner rechten Hand gesehen... Wenn er seine rechte Hand benutzt hätte, um sich die Pulsadern aufzuschneiden, würde man von einer arteriellen Wunde Spritzer erwarten", sagte die Sanitäterin.

Dem stimmte Bartlett zu. "Ich erinnere mich, daß ich zu einem Polizisten gesagt habe, es sähe nicht aus, als sei er daran [der Wunde am Handgelenk] gestorben und vermutete, er habe eine Überdosis oder etwas anderes genommen."

Er erinnert sich an einen Fall, zu dem er gerufen worden ist, bei dem das Blut bis an die Decke gespritzt ist. "Selbst in dem Fall hat das Opfer überlebt. Es war wie das Kettensägenmassaker und der Typ kam lebend heraus. Wir waren bei einer großen Zahl von Fällen, bei denen Leute sich ihre Handgelenke aufgetrennt haben, absichtlich oder nicht. Die meisten von ihnen werden ins Krankenhaus gebracht, mit einigen Stichen genäht und direkt wieder nach Hause geschickt. Aber es gibt viel Blut. Es ist überall auf ihnen."

Erschwerend kommt hinzu, daß dem pathologischen Befund zufolge durch den Schnitt keine Hauptarterie sondern nur die Ulnar-Arterie komplett durchtrennt worden ist.

Martin Birnstingl war bis vor kurzem Präsident der Gesellschaft für Gefäßchirurgie von Großbritannien und wird als einer der angesehensten Gefäßchirurgen des Landes bezeichnet. Er nannte es "äußerst unwahrscheinlich", daß Kelly an einer Verletzung der Ulnar-Arterie gestorben sei. Im Fall einer Verletzung einer Arterie ziehen sich um die Arterie liegende Muskeln zusammen. "Es würde herumspritzen und eine Sauerei geben. Aber nachdem der Blutdruck zu fallen begänne würde sich die Arterie zusammenziehen und die Blutung stoppen", sagte er.

Dieser Ansicht ist auch Dr. Bill McQuillan, ein früherer Berater am Königlichen Krankenhaus von Edinburgh, der in 20 Jahren hunderte von Handgelenksverletzungen behandelt hat. "Ich habe nicht einen Todesfall aufgrund einer durchtrennten Ulnar-Arterie gesehen", sagte er. Ein warmes Bad mag eine längere Blutung ermöglichen, aber an der Luft würde sich die Arterie verschließen. "Mir ist nicht klar, wie er mehr als einen halben Liter Blut verloren haben könnte", sagte er.

Der von Lord Hutton verfaßte "Untersuchungsbericht" gab an, daß es einen ein Meter langen Blutfleck neben Kellys Körper gegeben habe, was von den Sanitätern aber bestritten wird. "Ich bin sicher, daß mir die Menge Blut nicht entgangen wäre", so Hunt.

Die weitere mögliche Todesursache einer Überdosis von Schmerzmitteln ist schon während der "Untersuchung" von dem gerichtsmedizinischen Toxikologen Dr. Alexander Allan ausgeschlossen worden. Nur ein Drittel der zum Tode führenden Dosis des bei Kelly gefundenen Schmerzmittels Coproxamol wurde in Kellys Körper nachgewiesen.

Eine Kelly sehr nahestehende Person, die nicht namentlich genannt werden möchte, zweifelt ebenfalls einen Selbstmord an.

"Er war ein Wissenschaftler, ein hochintelligenter Mann. Wenn er sich entschieden hätte, sich selbst zu töten, hätte er etwas sicheres gewählt, wie sich zu erhängen oder sich vor einen Zug zu werfen. Er hätte es nicht riskiert zu überleben. Ich kann nicht glauben, daß er sich entschieden hätte, eine kleine Arterie zu durchtrennen und einige Tabletten zu nehmen. Das Endergebnis wäre zu unsicher", so die Person.

Wenn es sich bei Kellys Tod nicht um Selbstmord handelte, so kann es nur Mord gewesen sein.

Auch im vergangenen Jahr gab es schon deutliche Hinweise, die gegen die Behauptung, es handle sich um einen Selbstmord, sprachen. So sprach er in einer E-Mail an die amerikanische Autorin Judy Miller von "vielen dunklen Akteuren die Spiele spielen". Miller glaubt, daß er damit auf den britischen Geheimdienst und das Verteidigungsministerium anspielte.

Tatsächlich hatte Kelly sogar schon im Februar seinen Tod vorausgesagt.

Kelly hatte irakischen Beamten im Februar im Rahmen der Waffeninspektionen zugesichert, daß "sie nichts zu befürchten hätten", wenn sie mit den Waffeninspektoren zusammenarbeiteten, so der britische Diplomat David Broucher in seiner Aussage bei der "Untersuchung".

Auf Brouchers Frage, was passieren würde, falls der Irak trotz Kellys Zusicherungen angegriffen werden sollte, habe dieser geantwortet "Ich werde tot im Wald gefunden werden."





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