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Angst in Hamburg
16.12.2004








Wie das Hamburger Abendblatt am Mittwoch berichtete, ist am Dienstag in einem Wohncontainer vor dem US-Konsulat an der Außenalster ein Schuß aus einer Maschinenpistole gefallen. Als Folge wurde ein "Angestellter im Polizeidienst" (AiP) durch einen Splitter leicht verletzt.

Die offizielle Darstellung der Umstände, die zu dem Schuß führten, weckt dabei ebenso Zweifel, wie sie auch massive Bedenken gegen die grundsätzliche Eignung der AiP weckt.

Demnach löste sich der Schuß durch eine "Kettenreaktion". Eine 30 Jahre alte AiP ist demnach mit ihrem Bürostuhl versehentlich gegen einen Heizkörper gerollt, der umstürzte und gegen die ordnungsgemäß abgestellte Waffe fiel. Dadurch löste sich ein Schuß, der in einem Fensterrahmen einschlug. Ein Splitter des Rahmens verletzte ihren 34-jährigen Kollegen im Gesicht.

Schon diese Darstellung wirkt kaum glaubhaft und erinnert eher an die Geschichte eines Sechsjährigen, der mit dem Finger im Honigglas erwischt wird und behauptet, er sei bei dem Versuch, ein versehentlich in das Glas geratenes Haar zu entfernen, gestolpert.

Tatsächlich handelte es sich bei der Maschinenpistole nicht um eine für ihre Empfindlichkeit berüchtigte Uzi, sondern vielmehr um eine MP5 des Unternehmens Heckler & Koch. Auch das Dezernat für interne Ermittlungen kann sich eine solche Reaktion der Waffe im gesicherten Zustand offenbar kaum anders als durch "einen technischen Defekt" erklären.

Der Verdacht, daß die Waffe entweder nicht gesichert war, ist also zumindest naheliegend. Inwieweit die beiden "Angestellten im Polizeidienst" womöglich eine aktivere Rolle bei dem Abfeuern der Waffe gespielt haben dürfte kaum nachvollziehbar sein.

Allein die Tatsache, daß diesen AiP nach einer nur zehn Wochen dauernden Schulung derartige Waffen anvertraut werden, kann nur ein ungutes Gefühl hinterlassen. Während diese Angestellten gegenüber Bürgern kaum Befugnisse haben und überwiegend "zur Kontrolle des ruhenden Verkehrs" - also dem Verteilen von Strafmandaten an Falschparker - eingesetzt werden, bekommen sie hier Waffen an die Hand, deren Gefährlichkeit die von üblichen Dienstpistolen noch bei weitem überschreitet. Nicht umsonst wird die MP5 weltweit von zahlreichen Armeen eingesetzt.

Ein Blick auf die Website der Hamburger Polizei läßt keinen Zweifel daran, daß die zehnwöchige Schulung nach Ansicht der Hamburger Innenbehörde vollkommen ausreicht, Menschen ohne jegliche entsprechende Vorbildung auch im Umgang mit solchen Waffen auszubilden und sicherzustellen, daß diese nur in entsprechenden Notsituationen eingesetzt werden.

Dort wird die 42-jährige Angelika Beyer vorgestellt, die derzeit eine solche Schulung erhält.

"Eigentlich war ich immer für die Familie da, die mich sehr gebraucht hat. Nach der Scheidung mußte ich mich beruflich neu orientieren. Zunächst habe ich vier Jahre im Einzelhandel gearbeitet und war mehrfach von Rationalisierungsmaßnahmen betroffen", sagte sie.

Für einen offenbar schwerbewaffneten "Objektschutz" wie vor dem US-Konsulat werden die AiP dem Polizeipressesprecher Ralf Meyer nur eingesetzt, "um das Berufsbild etwas interessanter zu gestalten", berichtete Telepolis.

Es ist anzunehmen, daß Anwohner in Gegenden, in denen solche AiP zum "Objektschutz" mit Maschinenpistolen stationiert sind, dem alten chinesischen Fluch "Mögest Du in interessanten Zeiten leben" folgend ebenfalls das Gefühl haben, daß ihr Leben hierdurch "interessanter", wenn auch nicht unbedingt länger, geworden ist.





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