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Bürger zweiter Klasse
18.12.2004








Eine von der Cornell University durchgeführte Studie zeigt, daß ein großer Teil der US-Bürger die Grundrechte von Muslimen in den USA aufgrund einer grundlegenden Angst vor Terrorismus einschränken möchte.

Hierbei spielt offenbar sowohl der Fernsehkonsum, die bevorzugte politische Partei, aber auch die persönliche Religiosität eine Rolle.

So antworteten 9 Prozent der 715 im November telephonisch Befragten, die angaben, nur wenig fernzusehen, daß sie sich persönlich der Gefahr eines Terroranschlags ausgesetzt sähen. Schon bei "mäßigem" Fernsehkonsum stieg dieser Wert auf 17 Prozent, bei starkem Fernsehkonsum lag er bei 18 Prozent. Der Wert aller Befragten lag mit 15 Prozent allerdings niedriger als im Jahr 2002, als er noch 21 Prozent betrug.

63 Prozent aller Befragten sind der Ansicht, daß es den Behörden möglich sein sollte, Terrorismusverdächtige auf unbegrenzte Zeit zu inhaftierten. Anhänger der Republikansichen Partei des derzeitigen US-Präsidenten George W. Bush sind sogar zu 76 Prozent dieser Ansicht.

33 Prozent aller Befragten glauben, daß die Medien in Zeiten einer "Krise" oder des Kriegs nicht über Demonstrationen berichten sollten und 31 Prozent denken, daß sie auch nicht über Kritik berichten sollten. Auch diese Standpunkte sind unter Republikanern mit 48 und 45 Prozent deutlich stärker vertreten.

In Zeiten einer "Krise" oder eines Krieges sollte es nach Ansicht von nur 60 Prozent aller Befragten den Menschen erlaubt sein, gegen die Regierung oder ihre Politik zu demonstrieren und nur 63 Prozent glauben, es sollte Menschen in derartigen Zeiten gestattet sein, Kritik zu äußern.

Obwohl seit der vorangegangenen Umfrage im Jahr 2002 diverse Lügen der US-Regierung, insbesondere auch hinsichtlich der vorgeblichen Gründe für den Irakkrieg, bekannt geworden sind, glauben jetzt nur noch 48 Prozent der Umfrageteilnehmer, daß Politiker manchmal lügen. 2002 waren es noch 57 Prozent. Interessanterweise ist auch dieser Wert bei Anhänger der Republikaner mit 62 Prozent deutlich höher als bei Anhängern anderer Parteien.

Wie nicht anders zu erwarten, werden derartige Einschränkungen von Bürgerrechten von jenen Befragten deutlich stärker unterstützt, die einen zukünftigen Terroranschlag befürchten. Während sich beispielsweise "nur" 59 Prozent derjenigen, die eine geringe Angst vor Anschlägen haben, für die unbegrenzte Inhaftierung Terrorverdächtiger aussprachen, waren es bei denen mit großer Angst 73 Prozent.

Noch auffallender sind die Unterschiede im Verhältnis zur Religiosität. Diejenigen, die von sich sagten, nur wenig religiös zu sein, sprachen sich "nur" zu 50 Prozent für die unbegrenzte Inhaftierung aus. Jene, die sich als stark religiös bezeichneten, befürworteten diese zu 79 Prozent. Fast die Hälfte der stark Religiösen sprach sich auch für Verbote von Demonstrationen und Kritik aus.

Nur 54 Prozent aller Befragten konnten die beiden Fragen nach der islamischen Bezeichnung für Gott (Allah) und dem Namen dem islamischen Gegenstück zur Bibel (Koran) richtig beantworten.

Dies hinderte die Befragten aber offenbar nicht, genaue Vorstellungen vom Islam zu haben.

So stimmten nur 27 Prozent der Umfrageteilnehmer der Aussage zu, daß die islamischen Werte und Überzeugungen christlichen Werten und Überzeugungen sehr ähnlich sind. 47 Prozent zeigten sich überzeugt, daß der Islam eher zu Gewalt ermuntert als andere Religionen.

Jeweils rund ein Viertel aller Befragten sprach sich dafür aus, die Meldepflicht für alle Amerikaner muslimischen Glaubens einzuführen, Moscheen von US-Behörden überwachen zu lassen, Profile von Personen mit muslimischem Glauben oder einer Herkunft aus dem Mittleren Osten zu erstellen und muslimische Organisationen durch verdeckte Ermittler zu unterwandern, um diese zu beobachten. 48 Prozent der Teilnehmer stimmten keiner dieser Aussagen zu und 29 Prozent zwei oder mehr.

Auch hier war die Zustimmung erneut unter Republikanern und Menschen mit großer Angst vor Anschlägen oder hoher Religiosität am größten und auch höherer Fernsehkonsum bewirkte offenbar eine höhere Zustimmung.

So sprachen sich 41 Prozent der befragten Republikaner, aber nur 21 Prozent der Demokraten, 40 Prozent der hoch religiösen, aber nur 19 Prozent der kaum religiösen Menschen, 42 Prozent der Verängstigten, aber nur 25 Prozent der kaum Verängstigten und 36 Prozent jener mit hohem Fernsehkonsum, aber nur 24 mit einem niedrigen für die Unterwanderung von Organisationen aus.

Wie schon gezeigt, führt ein hoher Fernsehkonsum auch zu einer gesteigerten Angst vor Terroranschlägen, die wiederum die Bereitschaft erhöht, die bürgerlichen Freiheiten zu beschränken.

Tatsächlich kann diese Studie einen deutlichen Einblick in die US-Politik liefern und zeigt auch, daß das Vorgehen der jetzigen Regierung zumindest von einem überwiegenden Teil seiner Wähler voll und ganz unterstützt, wenn nicht sogar für nicht weitgreifend genug erachtet, wird. Die Tatsache, daß "hoch religiöse" Menschen den Umfrageergebnissen zufolge neben Republikanern besonders geneigt sind, den Kurs der Regierung zu akzeptieren und zu fördern mag neben Bushs "Erleuchtung" ein weiterer Grund für die "Rückbesinnung auf christliche Werte" innerhalb der US-Regierung sein. Auch wird hier ein weiteres Mal die Macht der Medien deutlich, so daß es sicherlich nachvollziehbar ist, daß die US-Regierung alles daransetzt, kritische Berichterstattung zu verhindern.

Die Bereitschaft von über einem Viertel der Bevölkerung der USA, einen Teil der eigenen Bevölkerung allein aufgrund seiner Religionszugehörigkeit oder seiner Herkunft in seinen Grundrechten zu beschneiden, weckt hier zweifellos äußerst unangenehme Assoziationen.





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