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Tod eines Journalisten
22.12.2004








Der Journalist, Gewinner des Pulitzer-Preises und Autor des Buches "Dark Alliance", in dem er engste Verbindungen der CIA zum Drogenschmuggel nachwies, Gary Webb ist tot.

Der offiziellen Darstellung zufolge starb er am 10. Dezember in seinem Haus in Sacramento durch eine von ihm selbst gegen sich gerichtete Waffe.

Während sich die Behörden überzeugt zeigen, daß es sich um einen Selbstmord handelte, bestehen allerdings noch offene Fragen und offensichtliche Widersprüche in Berichten.

Die L.A.Times berichtete unter Berufung auf das Büro des Leichenbeschauers, Webb sei an einer Schußwunde im Kopf gestorben. Der Sacramento Bee andererseits sprach - ebenfalls unter Berufung auf Behörden - von mehreren Schußwunden.

Michael C. Ruppert rief am Morgen des auf Webbs Tod folgenden Samstags selbst im Büro des Leichenbeschauers an. Eine namentlich nicht bekannte Mitarbeiterin bestätigte ihm, daß Webb durch eine einzelne Schußverletzung im Kopf getötet worden war. Er war nicht sicher, ob es sich tatsächlich um Gary Webb handelte und so glich er Webbs Geburtsdatum, seine Augen- und seine Haarfarbe mit ihr ab. Um ganz sicher zu gehen beschrieb er ihr schließlich, daß Webb ein "gutaussehender Mann mit einem Schnauzbart" war und fragte, ob auch dies zuträfe. Nach einigem Zögern sagte sie "Das weiß ich nicht." Ruppert schloß daraus, daß es sich bei der Waffe vermutlich um eine Schrotflinte gehandelt hat.

Am vergangenen Donnerstag berichtete Mercury News wiederum unter Berufung auf den Leichenbeschauer, daß Webb durch eine Handfeuerwaffe Kaliber 38 getötet wurde.

Als Grund für Webbs vorgeblichen Selbstmord wird angegeben, daß es ihm nicht mehr gelungen ist, bei einer "großen" Zeitung Arbeit zu finden und daß es ihm finanziell so schlecht ging, daß er nicht mehr in der Lage war, die Kreditraten für sein Haus zu bezahlen und dieses verkaufen mußte. Außerdem ist ihm eine Woche zuvor sein Motorrad gestohlen worden. Tatsächlich wurde sein Tod durch die Mitarbeiter eines Umzugsunternehmens entdeckt. Diese fanden einen Zettel vor der Haustür, der sie aufforderte, das Haus nicht zu betreten sondern einen Krankenwagen zu rufen.

Zweifellos kann es sich bei Webbs Tod um einen Selbstmord handeln. Er hatte ein Motiv und alle Indizien deuten darauf hin. Letztlich bleiben aber einige Fragen offen.

Wenn es ihm finanziell so schlecht ging, warum beauftragte er dann ein Umzugsunternehmen?

Warum warnte er die Mitarbeiter davor, das Haus zu betreten? Anderen gegenüber soviel Mitgefühl zu zeigen, ihnen den Fund der Leiche ersparen zu wollen gehört nicht zu den üblichen Gefühlsregungen eines Menschen, der kurz davor ist, Selbstmord zu begehen.

Wieso wurde er von zwei Kugeln getötet? Wenn es sich bei der Waffe um einen Revolver gehandelt haben sollte wäre es praktisch unmöglich, eine zweite Kugel abzufeuern, bei einer Pistole wäre es zumindest äußerst ungewöhnlich.

Angenommen, es handelte sich in Wahrheit um einen als Selbstmord getarnten Mord, so würde sich hier als erstes die Frage nach dem Motiv stellen. Sein letzter veröffentlichter Artikel behandelte überaus kritisch das vom US-Militär erstellte Programm "America's Army" und seinen Einfluß auf die meist jugendlichen Spieler. In dem Artikel berichtet er, daß Jack Thompson, ein Anwalt aus Miami, in einer ABC-Sendung drohte, eine einstweilige Verfügung gegen das Spiel erlangen zu wollen. Daraufhin hat er eigener Aussage zur Folge wütende E-Mails und Todesdrohungen erhalten.

Inwieweit es hier einen Zusammenhang mit Webbs Tod gibt ist allerdings ebenso unklar wie das Thema, zu dem er danach recherchierte.

Ein weiteres mögliches Motiv wäre natürlich auch immer noch seine Berichterstattung über die Verbindungen der CIA zur südamerikanischen "Drogenmafia".

Selbst wenn es sich tatsächlich um einen Selbstmord gehandelt hat, so wäre die CIA hieran doch indirekt mitschuldig. Nach seinen Veröffentlichungen wurde offenbar starker Druck auf die Besitzer großer Zeitungen ausgeübt, was zur Folge hatte, daß es ihm nicht mehr möglich war, eine Arbeit in einem großen Verlagshaus zu finden. Trotz seiner Berühmtheit und zahlreicher von ihm gewonnener Preise steuerte er also immer weiter in die Armut, die ihn nun vorgeblich in den Tod getrieben hat.





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