www.Freace.de
Impressum


Nachrichten, die man nicht überall findet.




Perspektiven und Wahrnehmungen
01.01.2005








Das Erdbeben und die von ihm ausgelösten Tsunamis vor der Küste Sumatras vom 26. Dezember 2004 ist mit seinen mittlerweile auf bis zu 150.000 Opfern ohne jeglichen Zweifel eine gigantische Katastrophe. Millionen von Menschen sind obdachlos geworden, Infrastrukturen wurden zerstört und der Ausbruch von Krankheiten droht.

Die weltweite intensive Berichterstattung, Anteilnahme und Hilfsbereitschaft ist daher sicherlich nicht zu kritisieren.

Was allerdings zu kritisieren ist, ist die Tatsache, daß andere, offenbar "unangenehmere" Tatsachen in den Medien praktisch vollständig ausgeblendet werden.

So werden nach UN-Angaben jährlich schätzungsweise 25.000 Menschen durch - häufig in "westlichen" Rüstungsunternehmen produzierten - Landminen getötet oder schwer verletzt.

Ebenfalls nach Angaben einer Organisation der Vereinten Nationen sterben jährlich über 5 Millionen Kinder an Hunger und den Folgen von Unterernährung.

Bis zum September 2004 sind einer Studie zufolge bereits über 100.000 Menschen im Irak als Folge des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen den Irak und die andauernde Besatzung getötet worden.

Könnte man die Mißachtung der beiden erstgenannten Fakten noch damit "entschuldigen", daß es sich hierbei um bereits bekannte Tatsachen handelt, die nicht wiederholt werden sollen - obwohl dies angesichts der anhaltenden Mißstände offenbar nötig ist - so trifft dies für die Opfer des Irakkriegs sicher nicht zu.

Ebenso, wie die Bilder von im Irak getöteten Zivilisten - aber auch Soldaten der Besatzer - "aus Pietätsgründen" von den Medien fast vollständig ignoriert werden, so daß vielen Menschen der Umfang des Leids im Irak nicht klar ist, gilt diese Zurückhaltung bei Bildern aus den von den Tsunamis getroffenen Gegenden offenbar kaum. Bilder von Leichen, die einen Strand entlanggezogen werden, von Leichen in den Straßen, unter Trümmern, gesammelt in Hallen. Hier wird das Ausmaß des Grauens greifbar. Der Tod von über 100.000 Menschen im Irak hingegen scheint kaum eine Meldung wert zu sein. Die praktisch vollständige Zerstörung der irakischen Stadt Fallujah durch die wochenlange Bombardierung und die Großoffensive des US-Militärs ist offenbar nach Ansicht der überwiegenden Zahl der Zeitungen, Fernsehsender und anderen Medien nicht berichtenswert - obwohl es sich hierbei nicht um eine nicht zu verhindernde Naturkatastrophe, sondern um Kriegsverbrechen der "letzten Supermacht", der "Überdemokratie" USA handelt.

Auch wenn der Bezug zu der durch das Erdbeben ausgelösten Katastrophe durch Tausende getötete, verletzte und vermißte Touristen den Menschen vermutlich leichter fällt, so kann dies kaum eine ausreichende Begründung für eine derart selektive Berichterstattung sein.

Zweifellos ist es allerdings politisch - und damit auch wirtschaftlich - wesentlich weniger "gefährlich", über eine solcherart "natürliche" Katastrophe zu berichten als über aus wirtschaftlichen Gründen, Desinteresse oder Rücksichtslosigkeit getötete Menschen.

Die durch diese intensive Berichterstattung ausgelöste Anteilnahme und Hilfsbereitschaft ist absolut positiv und begrüßenswert. Sie zeigt, daß die Menschen trotz eigener Probleme sehr wohl in der Lage sind, Mitleid mit Menschen zu entwickeln, denen es wirklich schlecht geht. Eine Berichterstattung, die aus welchen Gründen auch immer eine solche Vorauswahl über die Themen trifft, verhindert, daß die Menschen in anderen Fällen, in denen dies ebenso angebracht wäre, gleichermaßen reagieren.





Zurück zur Startseite





Impressum

contact: EMail