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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Zuviel Information?
05.01.2005








Ein in der nordirakischen Stadt Mosul stationierter US-Militärarzt mußte auf Befehl von Vorgesetzten sein Weblog schließen, in dem er bisher über seine Arbeit berichtet hatte.

"Ich habe sehr unangenehme Nachrichten. Ränge über mir haben mir befohlen, ja BEFOHLEN, daß ich diese Website schließe. Sie behaupten, daß die Informationen auf diesen Seiten mehrere Regeln der Army verletzen. Ich bin entschieden anderer Meinung. Trotzdem habe ich mich entschieden, die Website abzuschalten, bis weitergehende Untersuchungen, ob ich diese Regeln der Army verletzt habe, abgeschlossen sind", so Major Michael Cohen auf seiner Website.

Zwar berichtete er am 21. Dezember auch detailliert von den von seiner Einheit behandelten Opfern des Angriffs auf das Speisezelt, bei dem offiziellen Angaben zufolge 14 US-Soldaten und 8 weitere Menschen getötet und 71 verletzt wurden, seine Angaben decken sich aber mit diesen offiziellen Zahlen. Zwar nennt er zweifellos mehr Einzelheiten, beispielsweise, daß seine Basis von vier Mörsergranaten getroffen wurde, als noch Verwundete des Angriffs vor dem Krankenhaus lagen, diese Informationen dürften aber kaum tiefgründig genug sein, um tatsächlich den Widerstandskämpfern zu helfen.

Vielmehr scheint durch den Befehl anscheinend verhindert werden, daß negative, wenn auch kleine, Details an die Öffentlichkeit gelangen. So schrieb er auch bereits am 20. November, daß die Basis von "vielen Mörsergranaten" getroffen werde.

Am 25. Dezember erwähnte er, daß es Alkoholiker unter den Soldaten gibt, als er schrieb: "Es gibt hier Leute, die trinken, aber sie schaffen es, es im Stillen zu tun." Später fügte er hinzu: "Von Zeit zu Zeit bekommen wir hier Patienten, die in einem ziemlichen Rausch sind."

Sein Bericht über die zahlreichen Verletzten und Toten vom 21. Dezember brachte ihm aber schließlich die Aufmerksamkeit der Medien. So berichtete der Philadelphia Inquirer auf der Titelseite über seine Mutter und insbesondere auch seine Website. Wie er am 24. Dezember schrieb, gab er auch zusammen mit dem Narkosearzt dem Sender MSNBC per Telephon ein Interview, das live ausgestrahlt wurde. In einem Interview mit WorldNetDaily vom 29. Dezember schließlich sagte er, daß den Verantwortlichen von Beginn an klar war, daß es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt habe - nicht wie anfänglich behauptet einen Raketenangriff.

Aber auch dies dürfte kaum erklären, warum er den Befehl erhielt, die Website zu schließen - letztlich bedeutet dies ja gerade angesichts der gestiegenen Medienaufmerksamkeit auch einen Imageschaden für das US-Militär, da ihm so sein Recht auf freie Meinungsäußerung genommen wird.

Ein Blick auf Berichte der letzten Tage mag hier Hinweise auf eine wesentlich schlüssigere Motivation geben.

Am Mittwoch berichtete der österreichische Standard unter Berufung auf den "irakischen Übergangssicherheitsminister" Kassim Daoud, daß eine "größere Militäroperation im Raum Mosul" bevorsteht. Demnach sind zusätzliche Einheiten nach Mosul verlegt worden. Bereits am Montag hatte AFP gemeldet, daß ein Sprecher des US-Militärs die Zahl der nach Mosul verlegten amerikanischen und "irakischen" Soldaten "bis zu 8.000" betragen könne. US-General John Abizaid hatte ebenfalls kürzlich gesagt, daß 6.000 bis 8.000 Soldaten nach Mosul verlegt werden würden.

Am Dienstag meldete die News Tribune, daß neben einer nicht genannten Zahl von US-Soldaten und "irakischen" Kommando-Einheiten auch Soldaten der 82. Luftlandedivision (82nd Airborne) nach Mosul verlegt worden sind.

"Von der Armee veröffentlichte Photographien zeigen Konvois von Stryker-Fahrzeugen, M1-Panzern, gepanzerten Truppentransportern, Bradley-Kampfpanzern und Humvees, die nach Mosul strömen", so der Bericht.

Die Anzeichen dafür, daß in Mosul eine ähnlich schwere Offensive droht wie dies bereits in Fallujah geschehen ist, sind also mehr als deutlich. Da die vom Pentagon veröffentlichten Zahlen verwundeter und getöteter US-Soldaten nur entfernte Ähnlichkeit mit der Realität haben scheint es zumindest nachvollziehbar, einem in dem zukünftigen Kampfgebiet stationierten, auch nur halbwegs offen schreibenden Arzt eben dies zu verbieten.





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