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Spannungen zwischen Israel und Rußland
12.01.2005








Am Mittwoch fügte die israelische Haaretz in einem Bericht - oder vielmehr die russische Kommersant, auf die sich die Haaretz beruft - den Spekulationen über die Gründe für die derzeitigen "massiven Spannungen zwischen Israel und Rußland" eine weitere Variante hinzu.

Der Kommersant zufolge hat Israel seinen Botschafter Arkady Mil-Man aus Moskau zurückberufen. Der Behauptung der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosty, der geplante Besuch des stellvertretenden russischen Außenministers, Alexander Saltanov, in Israel sei außerdem abgesagt worden, widerspricht die Meldung der Haaretz hingegen. Demnach kam dieser am Dienstag in Israel an und sprach mit dem israelischen Außenminister Silvan Shalom, dem stellvertretenden Premierminister Shimon Peres und hochrangigen Beamten des Außenministeriums.

Grund für die "Spannungen" ist der Kommersant zufolge der geplante Kauf mehrerer in Rußland produzierter Iskander-E"-Raketensysteme (SS-26) durch Syrien. Dabei handelt es sich um von mobilen Abschußrampen abgefeuerte Raketen mit einer Reichweite von etwa 280 Kilometern und Streubomben-Sprengköpfen vom maximal 480 Kilogramm mit 54 einzelnen Sprengkörpern.

Bei einem Einsatz nahe der Grenze zu Israel wäre der größte Teil Israels für diese Waffen erreichbar - einschließlich des zur Produktion von Atomwaffen genutzten Atomreaktors in Dimona, auch wenn nicht klar ist, inwieweit die Anlage gegen derartige Angriffe geschützt ist. Einigen Berichten zufolge ist die Rakete insbesondere daraufhin optimiert worden, von dem US-amerikanischen Abwehrsystem "Patriot" nicht zerstört werden zu können. Einerseits ist die Rakete auch nach dem Wiedereintritt in die Atmosphäre, also in der Phase des "Zielanflugs" noch in der Lage zu manövrieren, andererseits ist sie auch mit der Möglichkeit ausgestattet, Decoys abzuwerfen um so angreifende Abfangraketen zu verwirren.

Angenommen, diese Waffe hat tatsächlich diese Fähigkeiten, so ist sie zweifelsohne dafür prädestiniert im Falle eines Angriffs die von den USA in Israel stationierten "Patriot"-Stellungen zu vernichten um so den Weg für weitere Raketen freizumachen, was eine "Beunruhigung" Israels sicherlich nachvollziehbar macht.

Nun ist es allerdings so, daß Syrien mindestens schon vor über drei Jahren Interesse an der Lieferung dieser Waffen - und weiterer, wie beispielsweise der S-300PMU "Grumble", einer Raketenabfangwaffe vergleichbar der "Patriot" und Flugabwehrwaffen vom Typ SA-15 "Gauntlet" - bekundet hat. Schon damals wurde dieses Interesse von russischer Seite offenbar bereits äußerst wohlwollend - nicht zuletzt sicherlich angesichts der Auftragsvolumens von über einer Milliarde US-Dollar - betrachtet.

Zweifellos wäre die "Drohung" einer solchen Lieferung an Syrien für Rußland ein massiver strategischer Vorteil. Neben den Einnahmen aus dem Rüstungsexport wären außerdem die USA praktisch gezwungen, Israel mit weiteren Waffenlieferungen zu unterstützen "um der Bedrohung zu begegnen" oder sogar neue Abwehrsysteme zu entwickeln. Gerade in der momentanen Situation wären diese Ausgaben sicherlich schmerzhaft.

Dementsprechend wäre der Preis für eine Absage an Syrien als Ergebnis von Verhandlungen für die USA und Israel sicherlich ebenfalls äußerst hoch. Der mögliche politische Schaden einer Lieferung scheint dabei angesichts der derzeitigen politischen Weltlage vergleichsweise niedrig.

Aus russischer Sicht scheint also sehr viel für diesen Plan zu sprechen. Die Tatsache, daß er allerdings bereits seit geraumer Zeit existiert ohne daß Israel sich hiergegen öffentlich geäußert hat wirft allerdings die Frage auf, ob dies wirklich der Grund für die Spannungen zwischen beiden Ländern ist - so es sie denn gibt.





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