www.Freace.de
Impressum und Datenschutz


Nachrichten, die man nicht überall findet.




Gotteskrieger
31.01.2005








Militante Religionsanhänger, gern auch als "Gotteskrieger" bezeichnet, sind eines der immer wieder gern zitierten Schreckgespenster, wenn es darum geht, den Menschen den "Kampf der Kulturen" schmackhafter zu machen. Ein Artikel des Lompoc Record vom Freitag zeigt ein weiteres Mal, daß solche Menschen auch in Ländern zu finden sind, die bei entsprechenden Aufzählungen üblicherweise ungenannt bleiben.

"Ihr Mädchen macht morgen einen Marsch", brüllt der 15-jährige Gruppenführer die anderen Jungen an, während ihm sein Ausbilder mit einem nachgebildeten Sturmgewehr im Arm zusieht. "Wie wollt ihr Mädchen morgen marschieren, wenn ihr nicht einmal 25 Liegestütze schafft?"

30 Minuten später marschieren die Heranwachsenden in Zweierreihen in die Cafeteria, um dort auch in ihren Köpfen entsprechend "ausgebildet" zu werden.

"Das Leben erfordert es, daß Männer kämpferisch sind. Aggression ist Teil des männlichen Herzens", erfahren sie dort.

Diese Szene spielt sich allerdings weder im Mittleren Osten noch in einem afrikanischen Land ab, sondern in einer christlichen Gemeinde in den USA - und zwar nicht innerhalb des "Bibelgürtels", sondern in dem Ort Lompoc im US-Bundesstaat California.

Ins Leben gerufen und unentgeltlich geleitet wird diese "Ausbildung" an der "Trinity Church of the Nazarene" - der "Dreifaltigkeitskirche des Nazareners" - von Mark Hestand, der Geschäftsführer des kircheneigenen Radiosenders KRQZ ist. Das Büro Hestands belegt zweifelsfrei, wofür sein Herz schlägt. Gerahmte Poster der US-Marines hängen an im Grün der US-Armee gestrichenen Wänden. Er selbst sitzt an einem ganz gewöhnlichen Wochentag in Tarnuniform und Stiefeln hinter seinem Schreibtisch. Und selbst die Bibel neben seinem Computer ist in Papier mit Tarnmuster eingeschlagen.

"Mein Büro sieht mehr wie ein Rekrutierungszentrum des ROTC ("Reserve Officers' Training Corps", "Ausbildungskorps der Offiziere der Reserve") als ein Büro in einem Radiosender aus", sagte er lachend.

Er zeugt sich überzeugt, daß die Kombination christlicher Werte und militärischer Ausbildung nicht nur kein Widerspruch ist, sondern sich sogar ergänzen. "Wir nehmen die Grundprinzipien, die christlich sind und die Grundprinzipien der Kriegsführung und wir kombinieren sie", sagte er. "Unser Feind ist Satan. Unsere Waffe ist kein M-16, es ist die Bibel. Wir versuchen, sie zu Kriegern Gottes zu machen."

Insbesondere die Ideologie der US-Marines ist seiner Ansicht nach der christlichen Botschaft sehr ähnlich.

"Einer der Gründe dafür, daß ich den Marines-Stil anderen Militärzweigen vorgezogen habe ist, daß man bei fast allem, was sie sagen, das Wort 'Marine' mit 'Christ' ersetzt werden könnte", so Hestand. Angesichts der Tatsache, daß es in einem, den US-Marines häufig eingebleuten Lied heißt: "Werft Süßigkeiten in den Schulhof, seht zu, wie sich die Kinder darum versammeln. Ladet euer M-60 durch, mäht die kleinen Bastarde nieder" und "Wir werden vergewaltigen, morden, plündern und brennen, werden vergewaltigen, morden, plündern und brennen!" ist offenbar entweder Hestands Vorstellung christlicher Werte gründlich durcheinandergeraten oder die übliche Auffassung hiervon ist grundlegend falsch.

Weder der Pastor der Gemeinde, Jerry Morris, noch die Eltern der Kinder haben Einwände gegen diese Ausbildung, die sogar einmal monatlich durch einen Besuch des Feldwebels Thomas Bustamante, eines Anwerbers der US-Marines, abgerundet wird. Die Tatsache, daß Morris selbst früher Mitglied der Marines war, ist hierbei zweifellos hilfreich.

Zwar haben sich Eltern, deren Kinder an dieser "Ausbildung" teilnehmen, vereinzelt bei der Kirche beschwert, allerdings nur über die Tatsache, daß die Kinder von den Ausbildern angebrüllt werden. Einige wenige Eltern hätten sich Morris zufolge wegen der Benutzung von Spielzeugwaffen "unwohl" gefühlt, er stellte sich aber auf den Standpunkt, daß es in der Natur von Jungen läge, mit Waffen zu spielen.

Dem eingangs beschriebenen 15-jährigen Gruppenführer Zach Smith scheint dieses Spiel aber nicht mehr zu reichen. Er zieht bereits eine "Karriere" bei den US-Marines in Betracht.





Zurück zur Startseite





Impressum und Datenschutz

contact: EMail