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Nachrichten, die man nicht überall findet.




Wieder nur Propaganda
06.02.2005








Berichten - auch deutscher Medien - zufolge war es ein bewegender Moment, als eine Irakerin die Mutter eines im Irak getöteten US-Soldaten während der Rede des US-Präsidenten George W. Bush während seiner Rede zur Lage der Nation umarmte, während sich beide in einer Loge mit Laura Bush, der Frau des Präsidenten, aufhielten.


Quelle: Weißes Haus


Bush stellte die Irakerin mit den Worten vor: "Eine der führenden Verfechterinnen des Iraks für Demokratie und Menschenrechte ist Safia Taleb al-Suhail. Sie sagt über ihr Land: 'Wir wurden 35 Jahre lang von Saddam Hussein besetzt. Das war die wahre Besatzung. Dank Ihnen, dem amerikanischen Volk, die die Kosten getragen haben, aber vor allem den Soldaten.' Vor elf Jahren wurde Safias Vater von Saddams Geheimdienst ermordet. Vor drei Tagen war Safia in Baghdad schließlich in der Lage, über die Führer ihres Landes abzustimmen - und wir fühlen uns geehrt, daß sie heute Nacht bei uns ist." Die Berichte vergessen auch nicht zu erwähnen, daß Bush hierbei etwas feuchte Augen bekam.

Angesichts der Tatsache, daß die US-Regierung in der Vergangenheit bei der Inszenierung solcher "bewegender Momente" wenig Respekt gegenüber der Wahrheit gezeigt haben - hier sei nur an die "Brutkastenlüge" erinnert - scheint ein genauerer Blick mehr als angebracht.

Diese von der Washington Post nur als "eine Frau" bezeichnete Besucherin war tatsächlich alles andere als eine einfache Irakerin, die unter der Diktatur Saddam Husseins gelitten hat.

Zwar scheint die Behauptung, ihr Vater sei durch den irakischen Geheimdienst ermordet worden zuzutreffen - zumindest wird sie ausreichend oft wiederholt - dies ist aber keineswegs die ganze Wahrheit. So berichtete die jordanische Al-Bawaba (der Original-Artikel unter der Adresse http://www.albawaba.com/news/index.php3?sid=266032&lang=e&dir=news ist aufgrund einer Umstellung der Website nicht mehr erreichbar) im Dezember 2003, daß eine Schwester al-Suhails nicht nur den durch die US-Invasion gestürzten irakischen Präsidenten wegen des Mordes an ihrem Vater verklagen wollte, sondern auch, daß dies nur aufgrund eines Hinweises seitens der USA geschehen sei.

Demnach hatte ihr Vater, Scheich Taleb al-Suhail al-Tamimi, zuvor einen Staatsstreich im Irak geplant. "Die Stunde null für die Durchführung des Putsches war auf einen bestimmten Tag im Juni 1993 festgelegt worden, wenn Saddam bei einem offiziellen Anlaß in Baghdad gewesen wäre", so Nora al-Tamini. "Aber die Amerikaner, die nicht wollten, daß der Putsch Erfolg hatte, möglicherweise weil sie sicher waren, daß mein Vater nicht ihrer Politik folgen würde, gaben Saddam einen Hinweis über den bevorstehenden Putsch meines Vaters und lieferten die Namen seiner engsten Helfer", sagte sie. "Sie alle starben in Saddams Folterkammern." Ihr Vater selbst wurde am 12. April 1994 in Beirut erschossen. Die libanesischen Behörden beschuldigten und verhafteten vier Diplomaten der irakischen Botschaft der Tat, diese wurden aber schließlich aufgrund ihrer diplomatischen Immunität freigelassen.

Die ganze Familie hatte das Land schon 26 Jahre zuvor, im Jahr 1968, nach der Machtergreifung Husseins, verlassen. Dies wird auch durch eine bereits im August 2003 erschienene Biographie Safia Al-Souhails bestätigt.

Schon zuvor hatte sie sich als Direktorin der "International Alliance for Justice" ("Internationale Allianz für Gerechtigkeit") und Verlegerin der "unabhängigen Zeitung" Al-Manar Al-Arabi hervorgetan.

Diese Organisation ist allerdings zwischenzeitlich offenbar vollständig aufgelöst worden, da Links auf die Website dieser Organisation von anderen Websites mittlerweile ins Leere laufen. Sowohl die Internetdomain www.i-a-j.org als auch die Internetdomain www.a-i-j.org (offensichtlich die französische Schreibweise) sind seit dem 24. September 2004 auf ein slowakisches Unternehmen registriert, wobei auf der erstgenannten jetzt ein zumindest äußerst zweifelhaftes Computerprogramm beworben wird.

Auch dem US-Außenministerium war sie schon vor Beginn des völkerrechtswidrigen Einmarsches der USA in den Irak eine ausführliche Darstellung wert.

Tatsächlich kann dies kaum verwundern. Nicht nur, daß sie an einer Delegation beteiligt war, die am 2. Dezember 2002 den britischen Premierminister Tony Blair über die Menschenrechtsverletzungen Saddam Husseins "informierte", sie veröffentlichte auch einen entsprechenden Artikel bei der Organisation "Foundation for the Defense of Democracies" ("Stiftung zur Verteidigung von Demokratien"). Ein Blick auf die an dieser Organisation Beteiligten fördert derart viele bekannte Namen zutage, daß an ihrer Zielsetzung kaum Zweifel bestehen können. Hierzu gehören Newt Gingrich, James Woolsey, Charles Krauthammer, Bill Kristol und Richard Perle.

Noch Ende 2003 wurde der Kurde Bakhtiar Amin als Geschäftsführer der "International Alliance for Justice" genannt. Schon wenige Tage nach Beginn des Irakkriegs hatte Amin in mehreren US-Botschaften Vorträge gehalten.

Darüberhinaus ist er aber auch der Ehemann von Safia Taleb al-Suhail, mit der er auch ein Kind hat. Außerdem ist er aber der von den US-Besatzern eingesetzte "irakische Übergangsminister für Menschenrechte", der die Todesstrafe im Irak wieder eingeführt hat.

Safia Taleb al-Suhail eine "einfache Irakerin", die nun glücklich war, das erste Mal wählen zu dürfen? Sicher nicht.

Und selbst die Behauptung, daß Feldwebel Byron W. Norwood, der Sohn der Frau, die sie so effektvoll umarmte, bei der Eroberung der Stadt Fallujah getötet worden sei, ist zumindest äußerst zweifelhaft. So gab das US-Verteidigungsministerium den Ort seines Todes mit "der Provinz al-Anbar" an. In dieser liegt zwar auch Fallujah, zum damaligen Zeitpunkt wurde Fallujah in Verlustmeldungen des Pentagon allerdings direkt benannt, wie eine weitere Meldung vom gleichen Tag belegt.





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