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Sicher. Ganz sicher?
16.02.2005


Dieter Metk






Castor-Behälter sollen sicher sein obwohl seit den 80er Jahren keine Falltests mehr durchgeführt worden sind: Weltweit war bis auf eine Ausnahme kein geeignetes Testgelände verfügbar. Das erklärten am Donnerstagabend die Experten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Dr. Karl-Heinz Emrich, zuständig für Sicherheit der Behälter, und Dr. Frank Nitsche, Fachgebietsleiter Transport radioaktiver Stoffe, vor dem Rat der Stadt Dannenberg.

Die BfS-Vertreter waren zu der Ratssitzung eingeladen worden, um Zweifel an der Sicherheit der CASTOR-Behälter, die bekanntlicherweise in dem Lüchow-Dannenberger Städtchen von der Schiene auf Straßentransporter umgeladen werden, auszuräumen.

Insbesondere ging es um die Frage, ob und warum bislang niemals Falltests mit den Original-Atommüllbehältern vorgenommen wurden. Wirkliche Tests, so stellten die BfS-Experten auf bunten Folien dar, seien gemäß ihrer Interpretation der Vorschriften der Internationalen Atomenergiekommission (IAEA) nicht erforderlich. Für die Zulassung reichten auch Berechnungen aus, die sich auf Tests mit ähnlichen Behältern oder Modellen beziehen. Und diese seien in den 70er und 80er Jahren vorgenommen worden. Die derzeit verwendeten Behälter seien in einer Baureihe zu betrachten, "ähnlich wie beim Golf und Lupo". Rechnerisch sei jedenfalls basierend auf den Fallversuchen mit den CASTOR-Behältern Ia und dem sog. "Japan-Castor" der Nachweis erbracht worden, daß auch bei einem Fall des Behälters aus 9 Meter Höhe auf ein unnachgiebiges Fundament, einem anschließendem 30minütigem Feuer bei 800 Grad Celsius und folgendem zweistündigem Wassertest in 20 Meter Tiefe nicht so weit beschädigt würde, daß Radioaktivität in einer für die Menschen kritischen Menge austrete. Garantiert seien jedenfalls weite Sicherheitsreserven, beispielsweise auch für einen Brand über 3 bis 4 Stunden. Auch wenn sich die getesteten und die berechneten Behälter in der Konstruktion unterscheiden, könne basierend auf "Ähnlichkeiten" eine Sicherheitsbeurteilung vorgenommen werden. Udo Jentzsch von der "Fachgruppe Radioaktivität" der BI wies in der Zuhörer-Fragerunde darauf hin, dass die vom BfS behauptete "Ähnlichkeit" der Behälter im wissenschaflichen Sinne von unabhängigen Wissenschaftlern begründet bestritten wird. ("Schwarzbuch CASTOR" Prof. Elmar Schlich, ehemals Mitarbeiter der GNS).

Die BfS-Vertreter erklärten weiter, das Amt habe diese Berechnungen auch nicht selbst durchgeführt oder überprüft. Das sei Aufgabe der von den Strahlenschützern beauftragten "Bundesanstalt für Materialprüfung" (BAM). Welche Berechnungen diese im Einzelnen vornahm, und wie weit diese sich auf Daten der Behälter-Hersteller berufen, könnten sie nicht beurteilen, zu diesen Detailfragen müßte man die BAM einladen.

Zur Forderung nach Fallversuchen mit den Originalbehältern erklärten die BfS- Vertreter, daraus würden auch keine weiteren Erkenntnisse zu gewinnen sein, außerdem würden hohe Kosten für das BfS entstehen. Wie hoch diese wären, und ob die geforderten Tests angesichts der mehr als 30 Millionen Euro hohen Kosten für Polizeieinsätze und der mangelnden Akzeptanz in der Bevölkerung nicht aufzubringen wären, erklärte Emrich, seine Behörde hätte einfach nicht das Geld dazu. "Sollen wir sammeln, um die Versuche zu machen?"

Immerhin eine konkrete Zusage machten die BfS-Vertreter doch noch: Ein Gutachten der Materialprüfungsanstalt Stuttgart (MPA) werde man den Atomkraftgegnern zur Verfügung stellen, um diesen eine Überprüfung durch unabhängige Wissenschaftler zu ermöglichen. Dieses Gutachten war vom BfS in Auftrag gegeben worden, nachdem in einem spektakulären Bericht des Fernsehmagazins "PlusMinus" im Sommer 2002 Fehlberechnungen aufgedeckt wurden, gemäß derer ein Absturz eines Behälters vom Hallenkran beim Umladen im Zwischenlager Gorleben möglicherweise zu massiven Schäden und Undichtigkeiten führen könnte. Mehr als eineinhalb Jahre hatte die Abstimmung zwischen BfS und MPA Stuttgart bezüglich dieses Gutachtens gedauert. Nun soll es tatsächlich fertig sein, die aufgedeckten Fehlberechnungen entkräften und mit neuen mathematischen Ansätzen bei der Berechnung die CASTOR-Sicherheit nachweisen.





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