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Von geizigen Hakennasen und Zigeunern
28.02.2005








Wie die Bundesregierung am Montag mitteilte, ist es weiterhin zu keiner Einigung hinsichtlich eines Mahnmals für die während des 3. Reichs ermordeten Sinti und Roma gekommen.

Die offiziellen Stellen sehen sich offenbar weiterhin nicht in der Lage, von der Bezeichnung "Zigeuner" - eine Bezeichnung, die von dem Zentralrat der Sinti und Roma, der dessen Vorsitzendem, Romani Rose, zufolge etwa 90 Prozent der Betroffenen vertritt, als Beleidigung aufgefaßt wird - für die Inschrift des Mahnmals Abstand zu nehmen. Als Hauptargument hierfür wird von offiziellen Stellen vorgebracht, daß die Sinti Allianz - die ihrerseits dementsprechend weniger als 10 Prozent der Betroffenen vertritt - sich ausdrücklich zu der Bezeichnung "Zigeuner" bekenne und die Bezeichnung "Sinti und Roma" als Beschränkung ansehe. Wie das Neue Deutschland berichtete, ist die Sinti-Allianz erst im Jahr 2000 - im gleichen Jahr, als auch die Initiative für ein Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma begann - gegründet worden, während der Zentralrat der Sinti und Roma in Anlehnung an den Zentralrat der Juden bereits 1982 gegründet worden ist.

Nach Roses Aussage haben sich auch 1.500 der noch überlebenden Holocaust-Überlebenden der Sinti und Roma dafür ausgesprochen, daß ein Zitat des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog für die Inschrift verwendet wird. Demnach wurde der Völkermord an den Sinti und Roma von den Nationalsozialisten mit dem gleichen Vernichtungswillen wie der Holocaust betrieben.

Die Tatsache, daß hier in einer Inschrift eines Mahnmals ein Wort verwendet wird, daß von der Vertretung der großen Mehrheit der Betroffenen als Beleidigung empfunden wird, ist sicherlich mehr als bemerkenswert. Dies wäre schon ungewöhnlich, wenn dies unbedacht geschehen wäre, ein Beharren auf der Verwendung dieser Formulierung läßt aber zweifellos die Vermutung aufkommen, daß eben diese Beleidigung beabsichtigt ist.

Dementgegen scheint es völlig unvorstellbar, daß ein Mahnmal für den Massenmord an Juden die Bezeichnung "geizige Hakennasen" - was hier sicherlich eine Hilfskonstruktion ist, da damals "Jude" selbst schon als Schimpfwort ausreichte - enthalten würde. Das Mahnmal für die Sinti und Roma hat aber offenbar keinen Platz für derartige Feinfühligkeiten und soll dementsprechend den im 3. Reich üblichen Begriff der "Zigeuner" verwenden. Da kann es kaum verwundern, wenn eben diese Sinti und Roma sich als "Opfer zweiter Klasse" fühlen.

Bestenfalls handelt es sich hier um eine kaum verzeihliche Gedankenlosigkeit, schlimmstenfalls aber auch tatsächlich um eine gezielte Provokation.

Gerade in diesem sensiblen Bereich sollte es unvorstellbar sein, die Gefühle eines derart großen Teils einer Opfergruppe wissentlich zu ignorieren.





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