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Immer mehr Gefangene
04.03.2005








Einem Bericht der New York Times vom Freitag zufolge sind die drei größten vom US-Militär betriebenen Gefängnisse im Irak überfüllt. Nie zuvor seit Beginn der Besatzung wurden dort mehr Menschen von den USA gefangengehalten.

Allein in diesen drei Gefängnissen sind es nach Angaben des US-Militärs "mindestens" 8.900 Gefangene, 1.000 mehr als gegen Ende Januar. Im Gefängnis Abu Ghurayb werden demnach 3.160 Menschen festgehalten, obwohl selbst das US-Militär der Ansicht ist, daß diese Zahl weit oberhalb der "idealen" Belegung von 2.500 Menschen liegt - das Gefängnis also selbst offiziellen Angaben zufolge um mehr als 25 Prozent überbelegt ist.

Im südlich gelegenen "Camp Bucca", dem derzeit größten Gefängnis des US-Militärs im Irak, werden nach Angaben des Militärs zur Zeit - wiederum "mindestens" - 5.640 Menschen gefangengehalten. Die Tatsache, daß beide Zahlen zusammengerechnet eine "runde Summe" ergeben, als auch die Aussage, daß die Zahl der Gefangenen mit dem Vorsatz "mindestens" angegeben wird, zeigt, daß ihre Zahl auch in diesen Gefängnissen noch höher liegen dürfte.

Da das US-Militär offenbar davon ausgeht, daß die Zahl der Gefangenen weiter steigen wird, ist der Bau neuer Gefängnisse und der Ausbau bereits bestehender geplant.

So soll in der Nähe des "Camp Cropper", auf dem Gebiet des Flughafens von Baghdad, ein neues Gefängnis für maximal 2.500 Gefangene gebaut werden. Die Angabe des US-Oberstleutnants Barry Johnson, eines Sprechers der Verwaltung der Gefängnisse, daß dies nur geschehen soll, um Gefangene aus Abu Ghurayb an einen "sichereren Ort" zu verlegen erscheint zumindest zweifelhaft. Auch Camp Bucca soll soweit ausgebaut werden, daß dort 6.000 Menschen inhaftiert werden können.

Dies bestätigt indirekt auch einen Bericht der iranischen IribNews vom 23. Februar, demzufolge das US-Militär den Bau des größten Gefängnissen in der Provinz Nasiriyah plant.

Johnson zufolge handelte es sich bei einem Gefangenenaufstand in Camp Bucca am 31. Januar nicht um die Folge der Überbelegung, sondern vielmehr um einen "gutorganisierten Aufstand." Dabei waren nach US-Angaben 4 Gefangene getötet und 6 weitere verletzt worden, als die Wachen mit scharfer Munition auf die Steine schleudernden Gefangenen feuerten. Die Ähnlichkeit mit einem Aufstand im Gefängnis Abu Ghurayb vom vergangenen Dezember, der offenbar durch menschenunwürdige Haftbedingungen ausgelöst worden war, ist allerdings nicht zu übersehen.

Die steigende Zahl der Gefangenen belegt die wachsende Hilflosigkeit der US-Soldaten. So sagte auch Bruce Hoffman, ein Analyst der "RAND Corporation", daß viele der Gefangenen unschuldige Zivilisten seien. Die Tatsache, daß sie Johnsons Aussage zufolge durchschnittlich drei bis vier Monate, teilweise auch bis zu der durch die Genfer Konventionen gesetzten Obergrenze von sechs Monaten inhaftiert bleiben, bevor ihre Fälle einer Überprüfungskommission vorgelegt - geschweige denn sie freigelassen - werden dürfte in vielen Fällen dazu führen, daß aus den unschuldigen Zivilisten in dieser Zeit Widerstandskämpfer werden.





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