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Der Preis der Illusion
22.03.2005








Am Montag erschoß der 16-jährige Jeff Weise in einer Schule in dem "Reservat" der Ojibwa 9 Menschen und verletzte 14 weitere, bevor er sich selbst tötete.

Mittlerweile versuchen die Medien, das Grauen in begreifbarere Bahnen zu lenken. Weise sei ein Einzelgänger gewesen, habe in der Vergangenheit Bewunderung für Adolf Hitler gezeigt und sogar einen schwarzen Trenchcoat getragen. Anklänge an das Massaker an der Schule von Littleton im US-Bundesstaat Colorado sind hier nur zu offensichtlich.

Der Spiegel zitierte den Kriminologen und ehemaligen Justizminister Niedersachsens Christian Pfeiffer mit der Aussage, daß solche Täter fast ausnahmslos Menschen seien, "denen etwas gravierend mißlungen sei, die ohnmächtig in ihrem eigenen Leben stünden und es schlecht meisterten. Als Amokläufer würden sie zum Herren über Leben und Tod". Die Ohnmacht der Täter führe zu einem "fast erotischen Verhältnis zu Waffen".

Es ist zu erwarten, daß auch dieses Verbrechen wie ebensolche in der Vergangenheit eine Diskussion über das vehement verteidigte "Recht eines jeden Amerikaners, eine Waffe zu tragen" auslösen wird. Dieses "Recht", eine Waffe - sei es nun ein Revolver oder eine halbautomatische Waffe - zu tragen wird von den Befürwortern immer wieder mit dem überlieferten Argument verteidigt, die Bürger müßten nicht nur die Möglichkeit haben, sich selbst vor Verbrechern zu schützen, sondern auch vor Übergriffen des Staates.

Was hier wie ein starkes Mißtrauen gegenüber staatlichen Institutionen erscheint ist tatsächlich nur noch eine Illusion. Im Namen des "Kriegs gegen den Terror" hat auch die US-Regierung in den vergangenen Jahren die Rechte der Bürger immer weiter eingeschränkt - hier sei nur an den "Patriot Act" erinnert. Obwohl also bereits massive Einschränkungen der Grundrechte der Bürger vorgenommen wurden, wird dies von den Menschen fast vollständig ignoriert, ebenso wie dies auch in der "McCarthy-Ära" der Fall war.

Das verfassungsmäßige Recht zum freien Waffenbesitz, das von äußerst einflußreichen Organisationen wie der "National Rifle Association" mit Zähnen und Klauen verteidigt wird, scheint tatsächlich nur noch eine bleierne Beruhigungstablette für das Volk zu sein.

Es scheint, daß eben dieser ungehinderte Besitz von Schußwaffen mehr und mehr zu einem Symbol einer nicht mehr vorhandenen Freiheit denn zu einem Mittel ihrer Verteidigung wird.

Es ist kaum anzunehmen, daß trotz des zu erwartenden Aufschreis letztlich Änderungen an dem System der freien Verfügbarkeit von Waffen in den USA vorgenommen werden. Anscheinend werden Vorfälle wie dieser als ein akzeptabler Preis für den Erhalt einer auf Gewalt gestützten Illusion einer Freiheit, die schon lange den Macht- und Geldinteressen der Regierenden geopfert worden ist, betrachtet.





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