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Größtmögliche Heuchelei
01.04.2005








Nachdem US-Präsident George W. Bush vergeblich größtmögliche Anstrengungen unternommen hat, um dafür zu sorgen, daß die im Koma liegende Theresa "Terri" Schiavo durch künstliche Ernährung weiter am Leben gehalten würde, verstarb sie schließlich nach 15 Jahren in diesem Zustand am Donnerstag.

Nach einem Richterspruch, der das zwangsweise Wiedereinsetzen der Magensonde gegen den Willen ihres Ehemanns - und anscheinend auch ihren eigenen, da der Richterspruch aufgrund der Tatsache erging, daß sie gegenüber mehreren Personen gesagt hatte, sie würde nicht künstlich am Leben erhalten werden wollen - machte Bush eine äußerst bemerkenswerte Aussage.

Er bedaure zutiefst die Entscheidung des Richters und sei der Ansicht, daß "in einem Fall wie diesem Legislative und Exekutive sich zugunsten des Lebens irren sollten."

Grundsätzlich ist dieser Aussage - sieht man von der Einschränkung "in einem Fall wie diesem" ab - sicherlich bedingungslos zuzustimmen. Um so erstaunlicher ist allerdings, daß sie ausgerechnet von jenem US-Präsidenten gemacht wurde, der es schaffte, die Bearbeitungszeit für Gnadengesuche von zum Tode Verurteilten auf 15 Minuten zu senken und in dessen Amtszeit als Gouverneur von Texas 152 Menschen hingerichtet wurden. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung der USA ist der Anteil der Hingerichteten an Angehörigen von Minderheiten oder der "Unterschicht" überdeutlich erhöht.

Es ist auch dieser Präsident, der durch die Kriege gegen Afghanistan und den Irak zweifellos den Tod von über 150.000 Zivilisten verantwortet. Auch setzt er sich für grundlegende "Reformen" im Gesundheitssystem ein, die beispielsweise die Finanzierung von Organverpflanzungen - und damit das Überleben der Patienten - deutlich erschweren.

Der 5 Monate alte Sun Hudson starb vor zwei Wochen, nachdem Ärzte gegen den Willen seiner Mutter die lebenserhaltenden Systeme - das Beatmungsgerät - abgeschaltet hatten. Während das Krankenhaus sagte, es habe hierdurch das "Leiden Suns" nicht unethisch verlängert, sagte seine Mutter, er habe zuvor in ihren "Armen seine Augen geöffnet" und "gelächelt. Er bewegte seine Zunge, tatsächlich seinen ganzen Körper." Nach Aussage der Ärzte wuchs sein Brustkorb schon im Mutterleib nicht mehr weiter, so daß er keine Chance zum Überleben hatte.

Der Fall Sun Hudsons wurde von Bush allerdings mit keiner Silbe erwähnt. Dies mit den unterschiedlichen Umständen zu begründen ist bei näherer Betrachtung kaum angemessen. Zwar verhungerte Terri Schiavo über einen Zeitraum von 13 Tagen während Sun Hudson innerhalb von wenigen Minuten starb, tatsächlich beschreibt dies letztlich allerdings nur unterschiedliche Körperfunktionen. Während Schiavo nicht mehr in der Lage war, selbständig Nahrung zu sich zu nehmen, war Hudson nicht in der Lage, selbständig zu atmen. Dies mag zwar möglicherweise noch einen Unterschied in der Schwere der Hilflosigkeit darstellen, für einen Präsidenten, der sich "zugunsten des Lebens irren" will, dürfte dies aber kaum einen Unterschied machen.

Allerdings stammte Terri Schiavo aus einer Familie der weißen "Mittelklasse", während Sun Hudsons Mutter eher als arm zu bezeichnen ist - und außerdem schwarz.

Die Tatsache, daß sie aufgrund ihrer finanziellen Umstände keine Anwälte bezahlen konnte, um über Jahre Gerichtsverfahren zu bezahlen, ebenso wie sie keine hochwertige private Krankenversicherung bezahlen konnte, die die Fortführung der Behandlung ihres Sohnes höchstwahrscheinlich bezahlt hätte, ist nur ein Teil der Wahrheit. Auch die Presse war im Vergleich zum Fall Schiavos in der Berichterstattung über den "angeordneten" Tod ihres Sohnes äußerst zurückhaltend.

Offenbar decken sich die Ansichten des US-Präsidenten, daß es sich hierbei offenbar nicht um "einen solchen Fall" handelte.

Ebenso wie bei den unzähligen Bürgern anderer Staaten, die den Macht- oder Geldinteressen der USA beziehungsweise ihrer Herrscherklasse im Weg standen oder diesen nur versehentlich kreuzten.





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