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"Für sie waren Iraker der Abschaum der Erde"
02.04.2005








Nachdem der frühere US-Soldat und spätere Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen Aiden Delgado im vergangenen Herbst bereits mit Democracy Now! sprach und dort detailliert über Kriegsverbrechen anderer US-Soldaten berichtete, enthüllte er nun in einem im OnlineJournal veröffentlichten Interview weitere Kriegsverbrechen von Besatzungssoldaten im Irak.

Er berichtete von zahlreichen Vergehen, die er auch photographisch belegen konnte, die nicht nur eine äußerste Brutalisierung der US-Soldaten belegen, sondern auch hinreichende Beweise für den von ihm behaupteten grundlegenden Rassismus innerhalb des US-Militärs liefern.

"Es gab einen Stabsfeldwebel. Ein Stabsfeldwebel ist einer der höchsten Mannschaftsdienstränge. Er peitschte eine Gruppe irakischer Kinder mit der Stahlantenne eines Humvees. Er schlug sie damit nur weil sie sich um ihn drängten, ihn störten und er es satt hatte, mit ihnen zu sprechen. Ein anderes Mal stellte ein Marine, ein Obergefreiter - ein großer Typ von etwa 1,90 - seinen Stiefel auf die Brust eines Kindes, als ein Kind auf ihn zukam und um ein Soda bat. Der Hauptfeldwebel sagte 'Das wird nicht nötig sein, Obergefreiter.' Und damit war die Sache beendet. Es war eine Routineangelegenheit für die Jungs in meiner Einheit, in einem Humvee herumzufahren und Flaschen auf den Köpfen vorbeigehender Iraker zu zerschlagen. Und das waren die Jungs, die ich als Freunde ansah. Und ich sagte ihnen: 'Was zur Hölle macht ihr? Was bringt das?' Einer antwortete: 'Ich hasse es, hier zu sein. Ich hasse es, sie anzusehen. Ich hasse, es, von all diesen Hajjis umringt zu sein.'"

"Hajji", eigentlich ein aus dem Arabischen stammendes Wort, das sich auf eine Person auf der Pilgerreise nach Mekka bezieht, wird Delgado zufolge zunehmend von US-Soldaten als Oberbegriff für Araber und Muslime verwendet. Hier allerdings mit der gleichen äußerst negativen Wertung, wie dies schon bei den in vergangenen US-Kriegen benutzten "Gook" und "Charlie" oder auch bei "Nigger" der Fall war. Tatsächlich wird "Hajji" offenbar derart häufig gebraucht, daß es mittlerweile sogar Eingang in offizielle Dokumente des US-Militärs gefunden hat. "Es ist wirklich üblich. Es gab dort eine dicke Aura des Rassismus", so Delgado.

Über seine Dienstzeit im US-geführten Gefängnis Abu Ghurayb nahe Baghdad berichtete Delgado: "Die Gefangenen waren draußen in Zelten untergebracht, 60 bis 80 Gefangene pro Zelt. Es regnete viel. Die Gefangenen lebten im Schlamm. Es fror draußen und die Gefangenen hatten keine Kleidung für kaltes Wetter. Unsere Soldaten lebten drinnen in den Zellen, mit vier Wänden, die uns vor dem Bombardement schützten. Die Militärpolizei nutzte das kalte Wetter, um die Gefangenen zu kontrollieren. Wenn es eine Übertretung gab, mußten die Gefangenen ihre Zelte verlassen. Als nächstes wurden ihre Decken eingezogen. Dann wurde ihnen sogar ihre Kleidung genommen. Fast nackt, nur in ihrer Unterwäsche, hockten sich die Kriegsgefangenen auf einer Plattform draußen zusammen, um sich zu wärmen. Es gab Überbelegung und fast jeder bekam Tuberkulose. Achtzehn Mitglieder unserer Einheit, die direkten Kontakt mit Gefangenen hatten, bekamen ebenfalls Tuberkulose. Das Essen war verfault und Gefangene bekamen die Ruhr. Die unhygienischen Zustände, der Abfall und der Dung überall, die Überfüllung in kaltem Wetter führten zu Krankheiten, einer Epidemie, pandemischen Zuständen. Die Haltung der Wachen war brutal. Für sie waren Iraker der Abschaum der Erde. Gefangene wurden bis an den Rand des Todes geprügelt."

Auf den bereits zuvor von ihm berichteten Vorfall, bei dem US-Soldaten mit Maschinengewehren auf unbewaffnete, demonstrierende Gefangene gefeuert hatten, bezogen, erzählte er: "Bevor unsere Kompanie die Leichen abtransportierte, hielten die Soldaten an und verstümmelten sie noch weiter. Ich habe Photos von dem Typ der dort war, meinem Freund. Ich habe ein Photo von einem Mitglied meiner Einheit, wie er das Gehirn eines Gefangenen mit einem Löffel herauskratzt. Vier Leute sehen zu, zwei machen Photos. Wenn man an den Abu Ghurayb-Kram zurückdenkt, der auf CNN veröffentlicht wurde, diese Sachen waren üblich. Man sieht Jungs, wie sie mit Körpern posieren oder mit Leichen spielen. Es war eine wirklich verbreitete Sache im Militär, alles weil die Jungs dachten, Araber seien Terroristen, der Abschaum der Erde. Was immer wir mit ihnen machen ist in Ordnung."

Die Saat hierfür wurde offenbar bereits während der Ausbildung gelegt. So erinnerte sich Delgado an Übungsgesänge, in denen es um das "Verbrennen von Turbanen, das Töten von Lumpenköpfen, das Töten der Taliban" ging. Auch wurde demnach die allgemeine Stimmung vermittelt, daß es darum ging, im Mittleren Osten Rache zu üben.

Nun ist das US-Militär zwar sicherlich dafür bekannt, daß die Soldaten während ihrer Ausbildung möglichst "scharf gemacht" werden, wenn allerdings selbst Delgados Kommandeur noch vor dem Einsatz "wegen anti-arabischer Reden berüchtigt war", so kann es kaum verwundern, daß die Soldaten diese Einstellung nicht nur übernahmen sondern auch - offenbar zurecht - als Freibrief für jegliche Kriegsverbrechen ansahen.





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