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Ehrung für Attentäter
03.04.2005








Im Juli 1954 wurden die ägyptischen Städte Kairo und Alexandria von einer Anschlagswelle getroffen, die sich offensichtlich gegen britische und US-Interessen richtete.

Die ersten Anschläge richteten sich gegen die Büros der "US-Information Agency" in beiden Städten, später folgten Anschläge auf ein britisches Theater, die Hauptpost von Kairo und ein Kino.

Während sich einer der Attentäter mit einer Phosphorbrandbombe auf dem Weg zu einem Kino in Alexandria befand, entzündete sich diese vorzeitig in seiner Tasche und verletzte ihn schwer. Er wurde daraufhin festgenommen und gestand, Mitglied einer Organisation zu sein, die für die Anschläge verantwortlich war und auf Befehl Israels handelte.

Dies wurde von der israelischen Regierung unter Premierminister David Ben-Gurion auch noch während des Gerichtsverfahrens gegen die in der Zwischenzeit festgenommenen anderen Mitglieder der Organisation, das mehrere Monate später stattfand, aufs Schärfste zurückgewiesen. Letztlich mußte Israel allerdings eingestehen, daß die "Operation Susannah", die später nach dem damaligen israelischen Verteidigungsminister als "Lavon-Affäre" bekannt wurde, auf Anordnung höchster Stellen durchgeführt worden war. Zwei der Täter wurden von einem ägyptischen Gericht zum Tode verurteilt und später hingerichtet, die restlichen verbüßten langjährige Haftstrafen. Ihr israelischer Leiter wiederum wurde im Geheimen von Israel wegen Kontakten zum ägyptischen Geheimdienst angeklagt und zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Er wurde beschuldigt, für das Auffliegen der Operation verantwortlich gewesen zu sein.

Bis heute ist allerdings nicht abschließend klar, wer tatsächlich den Befehl zu der Operation erteilt hatte. Ben-Gurion gab Pinhas Lavon die Schuld, dieser wiederum sagte, Oberst Benjamin Gibli, ein Protegé Ben-Gurions, habe die Anschläge hinter seinem Rücken organisiert. Eine Untersuchungskommission fand heraus, daß der damalige Stabschef Moshe Dayan und der damalige Generaldirektor des Verteidigungsministeriums, Shimon Perez, ein Dokument gefälscht hatten, um die Schuld Lavon zuzuschieben. Letztlich führte diese Affäre zum Rücktritt Ben-Gurions.

Israel hatte damals gehofft, daß die Anschläge zu einer Abkühlung der aufkeimenden Beziehung Ägyptens mit den USA und Großbritannien führen würden, da - wie es auch tatsächlich anfangs geschah - die "Muslim-Brüderschaft" als Urheber vermutet werden würden.

Wie die israelische Haaretz am vergangenen Mittwoch berichtete, hat sich Israel nun entschieden, die Täter zu ehren.

"Obwohl es immer noch eine empfindliche Situation ist, haben wir uns nun entschlossen, unseren Respekt für diese Helden zum Ausdruck zu bringen", sagte der israelische Präsident Moshe Katzav, nachdem er den drei noch lebenden Attentätern bei einer Zeremonie in Jerusalem Anerkennungsurkunden übergeben hatte.

Entsprechend erfreut zeigten sich diese Mitglieder der Organisation.

"Das ist ein großartiger Tag für uns alle, jene die erhängt wurden und jene, die starben", sagte Marcelle Ninio, das einzige weibliche Mitglied der Organisation. "Wir sind glücklich, daß wir unsere Ehre wiederhaben."





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