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Immer mehr "Refuseniks"
13.04.2005








Auch wenn die Zahlen noch weit von jenen zu Zeiten des Vietnam-Kriegs entfernt sind, so belegen die steigenden Zahlen von "Refuseniks" - beziehungsweise nach Ansicht des Militärs "Deserteuren" - eine wachsende Ablehnung des Angriffskriegs und der Besetzung des Iraks.

So berichtete der britische Guardian am Mittwoch, daß die Zahl der britischen Soldaten, die sich "unerlaubt vom Dienst entfernt" haben, seit 2001 stetig gestiegen ist.

Aufgrund einer Anfrage des Parlamentsabgeordneten Bob Russell im Januar teilte das britische Verteidigungsministerium mit, daß die Gesamtzahl der "illegal abwesenden" Soldaten im Jahr 2001 bei 100 lag, in 2002 bei 150, in 2003 bei 205 und im vergangenen Jahr schließlich bei 530. Insgesamt entfernten sich im letzten Jahr Soldaten in über 3.000 Fällen unerlaubt vom Dienst und in nur einem Drittel dieser Fälle kehrten sie innerhalb von 21 Tagen zurück.

Es ist sicherlich kein Zufall, daß die Antwort des Verteidigungsministeriums auf Russells Anfrage am letzten Arbeitstag des Parlaments abgesandt wurde. "Die bloße Tatsache, daß sie für die Beantwortung der Frage so lange gebraucht haben, ist bedeutend", so Russell.

Wie Al-Jazeera am Dienstag meldete, spiegelt sich diese Entwicklung ebenso in den USA wider. Nach Angaben des US-Heeres haben sich seit März 2003, dem Beginn des Angriffs auf den Irak, etwa 5.500 Angehörige des Militärs unerlaubt vom Dienst entfernt. Dies ist aber nach Ansicht von Robert Dove von der Friedensorganisation "American Friends Service Committee" (AFSC) nicht die ganze Wahrheit. "Es gibt mindestens 5.000 und ich bin sicher, daß das bedeutet, daß es viel mehr sind", sagte er.

Dove kritisierte auch die Rekrutierungsmethoden des US-Militärs und die "Stop-loss"-Anweisung des Pentagon, die es zahllosen Soldaten verweigert, trotz Ende ihrer Dienstzeit aus dem Militär auszuscheiden.

"Wir denken, daß es eine Wehrpflicht gibt, aber eine andere Art, weil sie nicht jeden trifft", sagte er. "Ich glaube, daß eindeutig auf arme Menschen abgezielt wird. Wir bezeichnen es als 'Armuts-Wehrpflicht'. Was das bedeutet ist, daß Anwerber auf Menschen mit niedrigem Einkommen abzielen. Wenn sie also auswählen, in welcher Schule die Leute anwerben wollen, verbringen sie viel mehr Zeit in Schulen in armen Gegenden."

Auch die dabei gemachten Versprechungen werden Dove zufolge aber überwiegend nicht gehalten.

"Man kann bis zu 70.000 US-Dollar Unterstützung bekommen, wenn man seinen Dienst abgeleistet hat. Fast niemand bekommt das... Die meisten Leute, die überhaupt Geld bekommen, bekommen deutlich weniger als das und viele Leute bekommen nichts", sagte er.

Der Stabsgefreite Carl Webb ist einer der von "Stop-loss" betroffenen US-Soldaten. "Einen Monat, bevor ich gehen sollte, gaben sie mir diese Befehle... Ich meldete mich im August 2001 für drei Jahre, was bedeutete, das meine Zeit im August 2004 herum wäre. Ich sage, das ist illegal", so Webb. "Die Politik, die sie jetzt haben, ist die Politik, Leuten nicht zu gestatten zu gehen oder Männer zurückzurufen, die 40 oder 50 Jahre alt sind. Es betrifft nicht die Allgemeinheit."

Während dies und die große Wahrscheinlichkeit, im Irak getötet oder schwer verletzt zu werden, sicherlich für einen großen Teil der Verweigerer verantwortlich ist, gibt es auch Soldaten, die sich aus Gewissensgründen weigern, in den Irak zu gehen. Vielfach handelt es sich dabei um Soldaten, die bereits im Irak eingesetzt worden sind, wie der US-Unteroffizier Camilo Mejia.

Nach einem sechsmonatigen Einsatz im Irak entschied er sich während seiner Urlaubszeit in den USA, aus moralischen Gründen nicht zurückzukehren. Er wurde deshalb zu einem Jahr Gefängnis wegen "Desertion" verurteilt.

Angesichts seiner Erinnerungen kann es allerdings kaum verwundern, daß er größte moralische Zweifel an dem Irakkrieg hatte.

"Die Kommandeure wollten, daß wir Feuergefechte haben, weil sie das in ihren Lebenslauf schreiben wollten, um besser auszusehen", so Mejia. "30 Menschen wurden von meiner Einheit getötet. Ungefähr drei von denen hatten Waffen."





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