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Das ungenannte Fallujah
13.04.2005








Ein Blick in den "Bericht des irakischen Widerstands" für den gestrigen Dienstag weckt allein aufgrund der Fülle der Meldungen zu Kämpfen in und um die Stadt al-Qa'im herum unwillkürlich Erinnerungen an die US-geführte Großoffensive gegen die Stadt Fallujah, bei der diese zum großen Teil zerstört wurde.

Zwar finden diese Meldungen nur einen sehr leisen Widerhall in den "westlichen" Medien, dies mag allerdings der Tatsache geschuldet sein, daß al-Qa'im eine deutliche kleinere Stadt ist. Der vorrangige Grund dürfte aber vermutlich sein, daß die Stadt um ein vielfaches weiter von der Hauptstadt Baghdad in unmittelbarer Nähe zur Grenze zu Syrien liegt und damit auch für Journalisten noch weitaus schwieriger zu erreichen ist.

So berichtete AP am Dienstag, daß US-Soldaten "ausländische Rebellen, die einen Waffenschmugglerring unterhielten" angegriffen hätten, wobei bei einem Gefecht eine unbekannte Zahl von Kämpfern getötet worden sei. Das US-Militär zeigte sich allerdings überzeugt, daß mindestens "ein Selbstmordbomber" bei dem Kampf getötet worden ist. Demgegenüber seien keine US-Soldaten verletzt worden.

Der "Bericht des irakischen Widerstands" zeichnet hier ein deutlich anderes Bild, auch wenn diese Berichte aufgrund ihrer unbestrittenen Nähe zum irakischen Widerstand sicherlich mit einer gewissen Skepsis zu betrachten sind. Dies trifft aber auch zweifellos mindestens ebenso auf Meldungen des US-Militärs zu.

Demnach wurde eine nicht genannte US-Basis mit Raketen angegriffen, wobei 5 US-Soldaten getötet und 11 weitere verwundet worden seien, so Hauptmann Lu'ay Khalid der "irakischen Armee". Als Reaktion habe das US-Militär mit Artillerie in die Stadtmitte von al-Qa'im gefeuert, wobei 6 Menschen, darunter 3 Kinder und eine Frau getötet worden seien.

Einer späteren Meldung zufolge rückten gegen 10:00 Ortszeit über 100 Fahrzeuge des US-Militärs, unterstützt von Kampfflugzeugen und Hubschraubern, auf die Stadt vor. US-Flugzeuge warfen dem Bericht zufolge Flugblätter ab, auf denen die Zivilbevölkerung eindringlich gewarnt wurde. Auf ihnen habe "unsere Kugeln werden nicht Frauen und Kinder in dem Krieg, der die Rebellen zerquetschen wird, unterscheiden. Also bleibt in euren Häusern und versucht nicht, ihnen zu helfen" gestanden. Auch habe das US-Militär am Montag Chemiewaffen eingesetzt - ein Vorwurf, der schon hinsichtlich der Offensive gegen die Stadt Fallujah laut geworden ist.

Gegen 11:00 Uhr sei dann ein US-Kampfhubschrauber vom Typ AH-64 "Apache" abgeschossen worden, wobei die Besatzung getötet worden sei.

Kurz vor 12:00 Uhr erschien eine Meldung, der zufolge die Wasserversorgungsspeicher der Stadt durch das US-Militär bombardiert wurden. Außerdem sei die Stromversorgung der Stadt vollständig unterbrochen worden und Kühlhäuser für Nahrungsmittel westlich der Stadt bombardiert worden seien. Darüberhinaus sei die Stadt durch US-Soldaten vollständig abgeriegelt worden, so daß keine Nahrungsmittel mehr dorthin gelangen könnten. Auch dies erinnert ein weiteres Mal an die Berichte der Belagerung Fallujahs.

150 bis 200 Widerstandskämpfern aus anderen Teilen des Landes seien bereits zur Verstärkung nach al-Qa'im gekommen. 100 davon seien allein aus Fallujah gekommen, was auch indirekt von einem namentlich nicht genannten US-Offizier in Baghdad bestätigt worden sei. Die Menschen in Fallujah seien "geborene Terroristen", wurde er zitiert. "Wo immer es Terrorismus gibt, dort werden sie sein. Wenn die Schlacht um al-Qa'im andauert, wird man keinen Mann mehr in Fallujah sehen und wenn man sie sucht, wird man sie in al-Qa'im oder in ar-Ramadi finden."

Nachdem am Montag über 70 Mitglieder der "irakischen Armee" desertiert seien, sei eine neue Division aus Baghdad nach al-Qa'im gebracht worden, so eine weitere Meldung. Das US-Militär habe die Stadt aus östlicher und aus westlicher Richtung angegriffen, wobei ein Vorstoß bereits zurückgeschlagen worden sei. Außerdem hätten sich die unterschiedlichen Widerstandsgruppen zu einer gemeinsamen Armee zusammengeschlossen. Schon zuvor hatte der Mufti der Provinz al-Anbar einem Bericht zufolge alle Menschen, "die in der Lage sind, Waffen zu tragen", einschließlich Alten, Jugendlichen und Frauen, aufgerufen, bei der Verteidigung al-Qa'ims zu helfen.

Einer um 13:45 Uhr Ortszeit veröffentlichten Meldung zufolge näherten sich 4 US-Kolonnen aus vier unterschiedlichen Richtungen der Stadt, wobei Panzer ins Zentrum der Stadt feuerten.

14 US-Soldaten seien allein in den vergangenen vier Stunden in al-Qa'im getötet und 20 weitere verletzt worden, so eine Meldung vom Dienstagabend. Außerdem seien 40 US-Soldaten bei Kämpfen im nahegelegenen ar-Rummanah getötet oder verletzt worden.

Besonders bemerkenswert dürfte eine um 20:30 Uhr veröffentlichte Meldung sein, der zufolge die irakischen Widerstandsorganisationen eine gemeinsame Erklärung herausgegeben hatten, in der sie dem US-Militär eine Frist von 12 Stunden für dem Abzug aus der Umgebung al-Qa'ims gab. Für den Fall, daß das US-Militär diese Frist verstreichen ließe wurden "zeitgleiche schmerzhafte Angriffe" auf "alle ihre Militärbasen in allen Provinzen des Iraks" angekündigt.

Mehrere Berichte über "nahezu zeitgleiche" Angriffe mit Bomben vom Mittwoch lassen vermuten, daß es sich hier tatsächlich nicht um eine leere Drohung gehandelt hat.

Auch wenn es derzeit offenbar nur möglich ist, einseitige Berichte über die derzeitige Lage in al-Qa'im zu bekommen, so lassen diese doch zumindest darauf schließen, daß dort derzeit eine großangelegte Operation des US-Militärs stattfindet.





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